Freitag: In Zukunft in Berlin

Freitag, den 11.11.16 um 20.00 Uhr also im CLB Berlin- Kreuzberg, im Aufbau Haus. Wandel. Wanderung. Migration.  Neue Stücke mit: Maxi Obexer, Tania Folaji, Nina Peters, Suhrkamp Verlag, Luna Ali, Sonja Schierbaum, Yasmina Ouakidi, Musaab Al-Tuwaijari.

Ein Dramatiker schreibt in das Morgen hinein. Der Akt des Schreibens, des Sich-Mitteilens ist blanke Zukunftshoffnung. Daher freue ich mich, dass sich die Autoren, Dramatiker & Dramaturgen der In Zukunft-Reihe wieder zusammenfinden, um ihre Texte, Stücke und Essays zu präsentieren.

Nina Peters, Theaterlektorin im Suhrkamp-Verlag und Jurorin,  in der Laudatio zu Yasmina Ouakidis Stück: „… zeitgenössischem Gemurmel stellt Yasmina Ouakidi andere „Sprachen“ entgegen. Die poetische Sprache aus dem Tagebuch, das Malika in ihrem ersten Leben führte. Die aufgeregte, ausufernde Erzählung Malikas, die sich Bahn bricht, als sie zum ersten Mal ein Bild entwirft vom Ort ihrer Kindheit und Jugend. Oder das Geplapper der kranken Mutter, bevor diese sich das Leben nimmt und die in einer Suada ins Telefon ihr Schicksal quasselt, ihr Schicksal als Frau eines beruflich gescheiterten Migranten, dem ihre eigene Familie mit Hass begegnet….“

Sowie:

Luna Ali – Bacchus and Bombs
Yasmina Ouakidi – Spiegelblicke
Musaab Sadeeq Al-Tuwaijari – Ausgangssperre
Sonja Schierbaum – Das Gespenst der Archivarin
Sivan Ben Yishai – Your very own double crisis club

Und ich freue mich, aus meinem im Werden begriffenen Essay, ein mühsames Geschäft, zu lesen:  Über die Möglichkeiten der Begrenzung:  „… Ich war also gespalten, was diese Bewerbung für In Zukunft anging. Migrationshintergrund ist immer der Marker einer Sonderstellung aus der Perspektive nationalstaatlicher Sicht. Ich bin hier geboren, in Berlin, bin einmal für zwei Jahre nach Hamburg migriert, aber das klappte nicht, ich ging nach Berlin zurück. Das ist die knappe und spannungslose Geschichte meiner Migrationserfahrung. Ich wünsche mir, dass der Begriff Migrationshintergrund verschwindet, sich auflöst oder auf alle Menschen angewandt wird. Wir Menschen sind keine Bäume. Wir haben die Neigung, uns zu bewegen, zu wandern, migrieren.
Immer keimt in mir die Hoffnung vor sich hin, dass sich nationalstaatliches Denken auflöst, dieses Denken in Begrifflichkeiten des Blutes, die das Sein zementiert, verschwindet – so dass die In Zukunft-Ausschreibung wie ein Anachronismus auf mich wirkte. …“

Im Anschluss findet ein Publikumsgespräch statt mit Nina Peters, Verlegerin, Suhrkamp Theaterverlag, Tania Folaji, Autorin, und Maxi Obexer, Autorin und Gründerin des Neuen Instituts für Dramatisches Schreiben, Nids.

Freitag dann.

Logo NIDS

Sponsoren: Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, EXILE

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Kunst. Freiheit? Kunstfreiheit -Artikel 5, Abs.3 GG

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Die AFD-Fraktion der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung hat am 13. Mai in einer Pressemitteilung die Intendanz des Hans-Otto-Theaters,  Potsdam,  aufgefordert, das Stück Illegale Helfer der Autorin Maxi Obexer, vom Spielplan zu nehmen.

Brauchen wir einen Zensor? Natürlich nicht. Was mir auffällt, ist die Selbstverständlichkeit, mit der die AFD  Demokratie nicht aushält. DENN: Die Kunstfreiheit ist als ein Grundrecht in der Verfassung, Artikel 5, Abs. 3, Grundgesetz besonders hervorgehoben. Die meisten Grundrechte enthalten einen Gesetzesvorbehalt, das heißt, das Grundrecht wird im Rahmen der Gesetze gewährleistet. Bei der Kunstfreiheit hingegen ist ein solcher Gesetzesvorbehalt im Grundgesetz nicht ausgesprochen. Die Kunstfreiheit ist also nicht nur im Rahmen der Gesetze gewährleistet, sondern schlechthin und immer und als solches.

Das müsste die AFD doch wissen, also: warum schreiben sie Pressemitteilungen, deren Inhalt dem Grunde nach Bekenntnisse sind? Sie schreiben, dass die Partei die Aufführung von Stücken ablehnt, die Gesetzesbrüche tolerieren, bzw. diese für gut befinden.

Diese Begründung läuft völlig fehl, denn es geht in dem Stück Illegale Helfer um Gewissensentscheidungen von Einzelnen, die sich manchmal -unversehens- damit konfrontiert sehen, zu helfen/helfen zu müssen. Und diese Menschen entscheiden sich. Mal so und mal so. Es ist insgesamt ein bewegendes Stück, dass die Frage aufwirft und weitergibt, direkt an den Zuschauer: Was würdest du tun, wenn jemand neben dir Hilfe braucht? Eine zutiefst menschliche Frage und niemals eine Aufforderung, Gesetzesbrüche zu tolerieren.

Nachstehend möchte ich der AFD Fraktion der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung ein paar Stücke soufflieren, damit auch in Zukunft genug Material für Pressetexte vorhanden ist! Lieber Gruß

  1. Ödipus. Tötet seinen Vater, hat Sex mit seiner Mutter &  Kinder mit ihr.
  2. Medea. Tötet ihre Kinder (2)
  3. Die Ratten, An- und Verkauf eines Kindes, vollzogen durch P. Piperkarcka und Frau John, schließlich noch Mord an P. Piperkarcka
  4. Lulu, Mord
  5. Die Passionsspiele, von Meineid über Körperverletzung bis hin zum Mord

Diese fünf Highlights sind mir auf die Schnelle eingefallen und die finden mit Sicherheit immer auf irgendeiner Bühne statt. ich empfehle der AFD Vordrucke für ihre Pressemitteilungen, dann geht das schneller mit den sinnlosen Statements.

 

Lesenswerte Zeitungskommentare:

Rbb-Online

Märkische Allgemeine

Nachtkritik: Theater verpflichtet