Meine schönsten E-Books

Am Tag der Arbeit gern diese Arbeit. Ich habe E-Books zusammengestellt, die ich in letzter Zeit sehr gern las. Aus verschiedenen Gründen finde ich diese Eriginals und E-Books spannend, mal der Aktualität oder aufgrund ihrer Einzigartigkeit wegen. Also, ich möchte noch einmal vorstellen:

 

 

Margarethe Grimma, Rex Feuchti, Ein rasanter Roman für Freunde der Fiktion. Verlag Das Beben.

Rex Feuchti startet als Schlüssellochroman, den vorgeblich die Frage umtreibt, wie es zur Enthauptung des Pornorappers Rex Feuchti in der Hannoveraner Fußgängerzone durch eine bis dato sympathische Supertalent- Gewinnerin, Fräulein Xenia Hammerstein, kommen konnte. Frau Grimma, laut Eigenauskunft erfolglose Schwerintellektuelle, gibt gleich darauf bekannt, dass sie noch nie etwas geschrieben hat. Und das wird zum Stil- und Formelement: Ein Potpourri aus Zeitungsartikeln, Geschichten, Essays, Kolummen, Märchen, Leserbriefen, Aufsätzen und den Beurteilungen durch Lehrkräfte  hebt an, mischt sich, macht sich Konkurrenz. Der Roman Rex Feuchti ist nicht richtungslos, sondern absichtsvoll ausschweifend, aber eine Tendenz zur Gliederung, einen Haltepunkt gibt es: Es ist die Lyrik des Pornorappers, auch schwanzige Texte genannt.

Es ist ein absurdes Buch, voll mit Albernheiten, die sich unvermittelt als Ernst entpuppen. Expressionistischer Wortbrei aus jeglicher Richtung, oft kakophon, mit der super unzuverlässigsten Erzählerin der Welt. Rex Feuchti – ein großer Spaß.

Margarethe Grimma, Rex Feuchti, ca. 150 Seiten, EAN: 9783944855073, 3,49 Euro.

Besprechungen: Elektro vs. Print

 

 

Cover - Nadine Wojcik - Wo der Teufel wohntNadine Wojcik, Wo der Teufel wohnt. Die sehr lesenswerte, aktuelle Reportage geht der Frage nach, warum in kurzer Zeit in Polen eine Massenbewegung entstehen konnte, für die Wissen wenig Wert hat; es ist der Glaube, der zählt. Menschen aus allen Schichten strömen zum Exzorzisten. Und auf der Suche nach Wahrheit und Erlösung können die merkwürdigsten Formen nebeneinander existieren; Psychologen und Exzorzisten in friedlicher Koexistenz in einer Beratungsstelle, die sich die Klienten gegenseitig überweisen … Nadine Wojcik ist ein sachlicher und berührender Text gelungen, die Interviewpassagen machen die Reportage einzigartig. Ein mikrotext.

Besessene und Teufelsaustreiber in Angst vereint. Angst vor der Zukunft, Angst vor der Weltlage, Furcht. Ein Rollback der Religionen tut sich auf, Menschen, die Halt und Geborgenheit in Regelwerken suchen unterwerfen sich bedingungslos. Ist Zivilisation beängstigend? Brauchen wir den freien Willen? 

Natürlich liefert Wo der Teufel wohnt keine endgültige Erklärung für das Revival rund um den Exzorzismus. Auch keine Erklärung für den Umstand, warum sich der Teufel gerade in Polen und da überwiegend in jungen Mädchen so wohl fühlt. Aber zwischen den Zeilen erzählt dieses Buch von der Suche nach einfachen Antworten in einem Wirrwarr von Welt.

Eriginal, auch als Buch erhältlich, ca. 200 Seiten ISBN 978-3-944543-39-0, 3,99 Euro
buecher.de Google Play Hugendubel iTunes Thalia Weltbild.

Besprechungen: Atheist Media Blog,  Edition FElektro vs. Print,

 
Akkordeonistin
Sitze im Bus
(ePub, mobi)
EUR 2,99/CHF 3,50
ISBNePub: 978-3-944195-63-6
ISBNmobi: 978-3-944195-64-3
Shops
ePub: Apple, Dussmann, Hugendubel, Mayersche, Minimore, Minimore, Ocelot, Osiander, Thalia, Schweitzer, Weltbild.
Kindle-Mobi:...Akkordeonistin, Sitze im Bus.  Ein Bus ist ein Transportmittel und ein eigentlich sehr uninteressanter, manchmal lästiger Ort. Die Akkordeonistin aber fährt nicht nur der Beförderung wegen Bus. Sie beobachtet, erlauscht und lässt ihre Gedanken dabei fliegen. Herausgekommen sind Betrachtungen, winzige Splitter des Menschseins. So kurz und erfreulich verknappt, sind diese winzigen Erzählungen ein Menschheits-Kaleidoskop. Es ist Lyrik, es ist Kurzgeschichte, es sind Aphorismen, und das Medium ist Twitter. Hundertzweiundzwanzig dieser im Netz berühmten Kürzestgeschichten, entstanden zwischen 2012 bis 2015, versammelt das Buch und jede einzelne von ihnen entfaltet sich beim Lesen zu einer erstaunlich großen Welt.

Akkordeonistin, Sitze im Bus, ePub, mobi, ISBNePub: 978-3-944195-63-6, EUR 2,99,
Apple, Hugendubel, MayerscheThalia, Schweitzer, Weltbild.
Kindle-Mobi: Amazon

Besprechungen: http://www.sueddeutsche.de/kultur/twitteratur-sie-sitzt-im-bus-1.3084927, Literaturen

 

 

Amanda Lee Koe, Ministerium für öffentliche Erregung. Stories. Wer denkt bei Singapur nicht als Erstes an Singapur-Airlines? An Stewardessen mit adretten Frisuren, lieblich lächelnd ein Tablett in der Hand?  Bilder von glücklich devoten Frauen kann der einmotten, der das zu Recht viel beachtete Debüt von Amanda Lee Koe, das Ministerium für öffentliche Erregung, gelesen hat. Erschienen bei culturbooks.

Frauen sind der Dreh- und Angelpunkt fast jeder Short Story in diesem Buch. In genau beobachteten Short Stories blüht Leben, Geschichten, Leid und Freude. Die exzellent beobachteten Miniaturen erinnern an Dorothy Parker, wenn eine kleine Begebenheit zu großer Tragik mutiert, manchmal in Komik aufblüht.

Die fast noch jugendliche Autorin lebt in New York und Singapur,  Ministerium für öffentliche Erregung ist ihr Debüt und wurde mit zahlreichen Preisen bedacht. Die Autorin ist eine Geschichtenerzählerin und ihre ganze erzählerische Kraft, der auch die unaufgeregte, sachliche Sprache zugute kommt, nutzt sie, um sich dem Du zuzuwenden. Im Rampenlicht stehen Antitypen, Antiheldinnen, die bei einem Autorentyp wie Carson McCullers für das Maximum an Rührung gesorgt hätten. Aber im Heute, lässt die Autorin ihren Heldinnen ein Selbstbewusstsein, das bemerkenswert ist. Dieses Buch ist feministisch, ohne es zu forcieren. Dieses Buch besitzt eine unglaublich schöne Lakonie.

Amanda Lee Koe: Ministerium für öffentliche Erregung. Storys. Aus dem Englischen von Zoë Beck. CulturBooks unplugged, Euro. ISBN 978-3-95988-018-3240 Seiten. eBook: 14,99 Euro. Hardcover 22,00 .
Leseprobe (PDF) CulturBooks MyBookShop Amazon buecher.de Kobo eBook.de Osiander Mayersche.

Besprechungen: Sätze & Schätze,  Perlentaucher.de,  Elektro vs. Print,

 

Kurt Tucholsky, Seifenblasen. Eine Filmerzählung, erschienen bei Rowohlt Rotation, dem Imprint der Verlagsgruppe Rowohlt.  Seifenblasen ist eine in Tucholskys Leben zeitlich spät liegende Filmerzählung, die von Rheinsberg oder Gripsholm überstrahlt wird. Diese Erzählung versteckt sich in der großen Tucholsky-Gesamtausgabe, wer sie nicht hat, für den ist diese Auskoppelung lohnenswert.

Seifenblasen ist Verwechslungskomödie um das Mädchen Barbara, dass als Herr Paulus zu einem gefeierten Damenimitator wird.  Am Ende fällt die Maske, die Liebe siegt, Happy End.  Die Filmerzählung datiert aus 1931, spielt in Berlin, auf der Höhe ihres Ruhms ist Barbara als Travestiekünstlerin eine Berliner Berühmtheit. Selbstverständlich lässt sich Tucholsky keine Gelegenheit entgehen, die Berliner Schnauze zu ihrem Recht kommen zu lassen. Heute gelesen, ist es ein Ausflug in die Zeit vor dem Dritten Reich. Zu sehen, wie Kurt Tucholsky sich 1931 noch über die NSDAP lustig machen konnte, erscheint couragiert – und traurig.  1929 emigrierte Kurt Tucholsky nach Schweden. Auslöser war der Prozess gegen die Zeitschrift Weltbühne, der sich gegen die Verleger, Carl von Ossietzky und Walter Kreiser richtete; wegen des berühmt gewordenen Satzes Soldaten sind Mörder – von Kurt Tucholsky.

Und da wird die Filmerzählung Seifenblasen todtraurig, weil zu bemerken ist, wie Tucholsky sich aus der Ferne sein Berlin, das er kannte und das ihm entglitt, nahe schrieb. Zusammen genommen: die Zeit und die Umstände, unter denen Kurt Tucholsky diese dalberige Komödie schrieb, lassen sich heute von dem heraufziehenden Dritten Reich nicht mehr trennen. Dadurch erringt das Dingelchen einen sonderbaren Ernst, der ihm eigentlich fehlt.

Seifenblasen,  von Kurt Tucholsky, Verlag: Rowohlt Rotation, Filmerzählung, E-Book, ca. 115 Seiten, Entstehungsjahr: 1931, 3,99 Euro.

 

Besprechungen: Elektro vs. Print, Seifenblasen.

 

Und natürlich ist diese Liste unvollständig. Dieser Beitrag ist auch auf  e-rstausgabe.

Einen schönen 1. Mai weiterhin.

Zur e-rstausgabe

Vor ein paar Wochen sprach mich Christiane Frohmann vom Frohmann Verlag an, ob ich Lust hätte, die e-rstausgabe, ein Facebookmag, zu betreuen.

Klar, habe ich Lust. E-rstausgabe ist nicht neu, aber wie das so ist bei einer Facebook-Pflanze, sie möchte gepflegt werden und ich mag virtuell gärtnern. Bei e-rstausgabe sollen kontinuierlich e-Book-Erstausgaben vorgestellt werden, ebenso wie Eriginals aller Sparten. Angesprochen sind unabhängige Verlage, genau wie die digitalen Departments klassischer Verlage.

E-rstausgabe will sein: Bündelung und Wahrnehmung von ambitionierten digitalen Originalausgaben und Digital-only-Titeln. Wenn zum Beispiel Blogger einen Digital-only-Titel besprechen, dann würde ich den gern mit Verweis auf den Blog einstellen. Seit fast drei Jahren blogge ich über eBooks und in der Zeit -ja, es ist ein kleines Resümee- hat sich die Akzeptanz  dem digitalen Buch gegenüber nur wenig verändert. Wenn ich auf Auseinandersetzungen zum E-Book stoße, dann geht es am Anfang, in der Mitte oder am Ende immer um Buch ./. Buch, was einfach langweilig ist. Kulturstarre Positionen. Vielleicht bricht e-rstausgabe das ein bisschen auf.

Vorschläge sind immer sehr willkommen. Entweder per Mail an cf@orbanism.com oder t.bezzenberger@gmx.net.

Berlin, den 09. April 2017, Tania Folaji

 

Nachtrag I:

Bei diesem Link des Goethe-Instituts werden Fachfragen wie How to buy–  und how to read an E-Book äußerst kurzweilig von Christiane Frohmann beantwortet.

 

Nachtrag II: Aufruf zur Einreichung

„…Mit #orbanismgastfreundschaft, einem Blog- und Gratis-E-Book-Projekt wollen wir vorsätzlich positive Bilder, Gedanken und Vorstellungen in die Welt und zum Zirkulieren bringen. Wir hoffen, es so wieder plausibler zu machen, dass es zum Menschsein gehört, anderen Freundlichkeit entgegen zu bringen und ihnen in Notsituationen auch Schutz zu gewähren.

Wir laden euch herzlich ein, uns – am liebsten bis zum 10. April – weitere Texte zum Thema selbst erlebte Gastfreundschaft (Umfang bis 3.000 Zeichen, kann aber auch ganz kurz sein) zu schicken, die wir bloggen und in einer Anthologie bei Orbanism Publishing veröffentlichen dürfen. Wenn Letzteres, etwa aufgrund von Buchverträgen, nicht möglich ist, können wir Texte gern auch nur bloggen. Bitte Text mit Ein-Satz-Bio in der 3. Person, dazu optional ein Link zu eigenem Herzensprojekt, gern auch ein passendes Foto, bei dem ihr die Rechte besitzt, per Mail an Christiane Frohmann, cf AT orbanism DOT com, senden. – Wir möchten die Rechte an den Texten und ggf. Bildern nicht exklusiv, bitte achtet aber darauf, dass ihr spätere Nutzer auf unser Nutzungsrecht hinweist. Bitte keine Texte unter Pseudonym einreichen. …“

Wer heute also nicht nur auf der Couch liegen mag, oder wer einfach Zeit hat, wem etwas Berührendes zu Gastfreundschaft einfällt,  der könnte doch dieses E-Book-Projekt bereichern.

http://orbanism.com/2017/03/30/abgeholt-ein-text-zur-gastfreundschaft-von-anne-matuschek/

Vorsatz und Vorschau – mein literarischer Januar

Mein erster Vorsatz soll sein: Ich will mehr lesen. Aber: Ich will ganz explizit nicht noch mehr News konsumieren, nicht noch mehr  Nachrichtenmeldungen, die sich tausendfach retweetet aufblähen wie dicke Gespenster. Ich will auch nicht mehr so viel Kommentare auf Facebook lesen. Obwohl ich Kommentare lesen nicht unter Lesen verschlagworte, ich halte Kommentare lesen für etwas Erlauschtes; denn der, der spricht (ja, ich halte Facebook für ein orales Medium) weiß nicht, dass ich ihn höre. Aber das ist ein anderes Thema, für Pessimisten die Rolle rückwärts – der Rückfall in eine dunkel orale Kulturzeiten durch soziale Medien.

Aber da will ich ja gar nicht hin. Erstens war, ich will mehr lesen, und zweitens: Ich werde ab sofort ein Buch nur noch nach dem anderen lesen. In der Nachbetrachtung 2016 beschlich mich das dumpfe Gefühl, dass ich manche Bücher vielleicht anders hätte besprechen können und müssen, wenn ich dem Buch mehr Singularität zugestanden hätte.  Einem Buch muss Zeit gewidmet werden. Bücher verlangen Ausschließlichkeit. Das tut ihnen gut. Bücher werden nicht als Mischware konzipiert, sie können zwar gut bei einander stehen, eignen sich aber nicht wie Obst dazu, gemischt zu werden.

Der letzte gute Buchvorsatz: Ein Buch lesen ist eine Eroberung. Das hat etwas gipfelstürmerisch Romantisches – weniger: Sich ein Buch zu erschließen ist wie die Arbeit eines Streetworkers im Regen an Fernbahnhöfen. Das muss man wollen, da muss man sich drauf einlassen. Was im Lesen für mich bedeutet; einem Buch mehr Zeit zu geben, es nicht gleich wegzulegen.

Das reicht jetzt aber 2017 an guten Vorsätzen, mehr schaffe ich nicht. Und es gibt wieder eine ganze Reihe Bücher und Projekte, an denen ich meine guten Vorsätzen in die Tat umsetzen kann:

Neues aus dem Frohmann Verlag: Die Reihe Hausbesuch startet. 10 Autor_innen – 7 Länder – 6 Sprachen – 20 Reisen – 40 Hausbesuche – 11 E-Books wird zu 1 europäischen Geschichte. Zehn Schriftstellern wurden quer durch Europa die Türen geöffnet. Und da wir viel mehr Europa in Herz und Kopf brauchen, freue ich mich auf die sechssprachige E-Book Reihe, entstanden in Kooperation mit dem Goethe Institut, die am  10. Januar 2017 startet. Die Texte sind zu beziehen über den  Frohmann Verlag.

Seit ein paar Wochen habe ich den Roman Totenläufer von Mika Krüger auf meiner Leseliste. Totenläufer ist eine Dystopie, in der eine Welt beschrieben wird,  die sich stark über die Nutzlosigkeit einiger Menschen definiert.Hört sich erst einmal null utopisch, sondern real an. Nach Konstruktion dieses Konfliktpotentials und Verlagerung in fantastische Welten geht die junge Hallenser Autorin  daran, aus der Unmöglichkeit des Seins für viele Menschen in Red-Mon-Stadt die Verhältnisse eskalieren zu lassen. Rebellion liegt in der Luft. Ich habe Totenläufer schon angelesen, fühlte mich an den Blade Runner erinnert –  und obwohl Fantasy ist nicht so mein Fach ist, bin ich nach der Leseprobe sehr angetan von Totenläufer. Ausführliche Besprechung folgt.

Und dann will ich mich großen Gefühlen stellen; in einem Text, der ganz offen und unverstellt ein Liebesroman ist. Arunika Senarath mit Diese eine Nacht. Der Titel hat was von einem Baccara-Roman, auf dem Cover ein Mann im Cut mit einer Rose im Mund. Aber in diesem mikrotext soll mehr drinstecken als eine Liebesgeschichte, die losgelöst von Zeit und Raum agiert. Neben Amina und Sten, die sich in Dresden kennen und lieben lernen, hat die Jetzt-Zeit einen Raum und kommt dem jungen Glück mit Konflikten;  und zwar die Auseinandersetzung mit differierenden politischen Haltungen. Ich bin sehr gespannt.

Damit dürfte der Januar lese- und besprechungstechnisch fast rum sein, aber ich möchte noch -und das schon seit langem – Liza Cody und Malla Nunn – beide als E-Books bei culturbooks erschienen, lesen. Ich denke, dass meine Winterferien unter dem Zeichen dieser intelligenten Kriminalromane stehen werden. Beide Autorinnen nutzen das Genre des Kriminalromans, um Zustände und Haltungen von Gesellschaftsformen aufzuzeigen. Nicht  durch die Funktion des Autorenkommentars, was immer ein wenig geschwätzig daherkommt, sondern dadurch, dass sie Zündstoff durch Anordnung von Szenen und Konzentration von Figuren nutzen. Darauf freue ich mich sehr.

Zu guter Letzt noch ein Hinweis auf einen Blog: LitAfrika, ins Leben gerufen von Sophie Sumburane. Hier bekomme ich einen guten Einblick in heutige afrikanische Literatur abseits von ausgetretenen Pfaden oder zugeschnitten auf vemeintlich europäische Bedürfnisse: “  … „Solange die Löwen sich nicht ihre eigenen Geschichten ausdenken, werden in Jagdberichten immer Jäger die Helden sein.“ ….“ (afrikanisches Sprichwort, gefunden auf LitAfrika)

Hier wurde ich auf das bemerkenswerte Gedicht von Adewale Owoade aufmerksam. Denn Dein Körper nahm den falschen Weg nach Haus. Dieses Gedicht nimmt sich eines 2016 geschehenen Mordes an; ein Jugendlicher wurde in Ondo, Nigeria, von einer Gruppe Jugendlicher so schwer zusammengeschlagen, dass er einen Tag später an seinen inneren Verletzungen starb. Der Grund für die Attacke war die angebliche Homosexualität des Opfers. Passanten und Schaulustige griffen nicht ein. Der Lyriker Owoade, Gründer des Literaturmagazins Expound, macht sich in Nigeria nicht nur mit diesem Gedicht stark dafür, Homosexualität zu enttabuisieren.

So. Das wird mein literarischer Januar sein.

Sie möchten ein E-Book lesen, aber Sie wissen nicht, wie?

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… finden Sie ein paar Tipps und Links zu kostenlosen Downloads für Programme, die Ihnen das E-Book-Lesen auf unterschiedlichen mobilen und stationären Geräten ermöglichen: Smartphone, Tablet, E-Reader oder Computer/PC.

Haben Sie ein Smartphone oder ein Tablet?

Wenn Sie ein iPhone oder ein iPad besitzen:
1. Suchen Sie im App Store die kostenlose App iBooks und installieren Sie sie. Danach sehen Sie das iBooks-Zeichen auf ihrem Desktop. In diesem Programm können Sie alle mikrotexte lesen.
2. Falls Sie direkt bei iTunes kaufen wollen: Klicken Sie auf das iBooks-Zeichen (ein aufgeschlagenes Buch). Wenn das Programm sich geöffnet hat, sehen Sie erstmal ein leeres Bücherregal. Oben in der Ecke steht das Wort STORE: Darauf klicken Sie.
3. Suchen Sie in den vom iBookstore vorgegebenen Listen (unten auf Ihrem Gerät) oder im Suchfeld (Lupe) nach einem Autor, einem Titel oder einem Verlag, zum Beispiel nach mikrotext.
4. Kaufen Sie ein E-Book per Klick auf den Preis. Meistens müssen Sie noch Ihr Passwort für den iTunes-Store angeben. Danach lädt sich das Buch von selbst und legt sich automatisch in Ihr Bücherregal.
5. Wenn Sie noch nie etwas direkt für Ihr Gerät gekauft haben, müssen Sie sich erst ein Konto bei iTunes anlegen. Dazu brauchen Sie Ihre Kreditkartendaten und das Administratorkennwort Ihres Geräts.
6. Wenn Sie nicht bei iTunes kaufen wollen, sondern in unabhängigen E-Book-Stores wie minimore, dann klicken Sie nach dem Kaufvorgang auf die Datei und dann auf das Icon “Öffnen mit”. Ihnen wird iBooks vorgeschlagen, das klicken Sie an – und das E-Book ist fortan in Ihrem iBooks-Regal zu finden.
7. Bewerten Sie doch auch das E-Book im iTunes-Store, das ist für andere Leser hilfreich.

Wenn Sie ein Smartphone oder ein Tablet haben, das auf Android läuft:
1. Nutzen Sie den Zugang zu dem E-Book-Store, den der Hersteller Ihres Geräts Ihnen anbietet, zum Beispiel Google Play für den Nexus.
2. Kostenlose Leseapps für Android sind etwa Aldiko oder Moon Reader.
3. Auch hier können Sie die E-Books, die Sie gekauft haben, bewerten.

Sie haben einen E-Reader mit E-Ink? Oder Sie wollen einen kaufen? (Hier ein Überblick mit Tests von gängigen Geräte)
1. Eigentlich sollte Ihr Reader mit einem Store verbunden sein, über den Sie per Klick einkaufen können, etwa mit dem Kobo Store für den Kobo oder der Kindle Store für den Kindle.
2. Oft werden E-Books nach dem Kauf auch als Dateilink verschickt. Schließen Sie dann Ihren Reader per USB-Kabel oder Speicher-Karte an Ihren Rechner an und legen Sie die ePub-Datei (das E-Book) in den E-Book-Ordner Ihres Geräts, der meist “E-Books” heißt.

Sie haben kein Lesegerät, aber einen Computer (Mac oder PC)?
Kein Problem: Sie können auch auf Ihrem Computer E-Books lesen.
1. Laden Sie etwa das kostenlose Programm Adobe Digital Editions oder Calibre herunter und installieren Sie es auf Ihrem Rechner. Mit einem Mac-Computer können Sie direkt bei iBooks die E-Books lesen.
2. Öffnen Sie gekaufte E-Books (ePub) über eines der installierten Programme.
3. Wenn Sie bei Amazon einkaufen wollen, installieren Sie das passende Kindle für PC-Programm für Ihren Computer. Amazon schickt die gekauften Ebooks dann direkt zu Kindle für PC. 

Viel Spaß beim E-Lesen! ..

…gut oder; die Anleitung drucke ich aus und verschenke die gleich laminiert mit. 

Und: Beachtenswert:  Die sehr spannende Reportage von Nadine Wojcik, Wo der Teufel wohnt. Exzorzisten und Besessene in Polen. Das werde ich besprechen, denn es gehen Ideen und Meinungen um in Polen, die mir selbst polnische Freunde nicht angemessen erklären können. Der Beginn war die 2015er Parlamentswahl in Polen, seitdem ist keine linke Partei mehr im Parlament vertreten, die Nationalkonservativen können allein regieren. Überall wurde die Wahl Triumph der Europaskeptiker genannt, 2016 legte das Parlament einen Vorstoß zur Verschärfung des Abtreibungsrechts vor, eines elementaren Frauenrechts, das unter anderem eine fünfjährige Haftstrafe bei Abtreibungen vorsah. Gottlob regte sich landesweiter Protest – und jetzt kommt die Dokumentation Wo der Teufel wohnt in der es um den unglaublichen Anstieg von Teufelsaustreibungen in Polen geht. Was geht vor im Nachbarland?

Cover - Nadine Wojcik - Wo der Teufel wohnt

Erscheint am 16. November 2016
ca. 100 Seiten auf dem Smartphone
ISBN 978-3-944543-39-0

PREMIERE ist am 15. November im Berliner Club der polnischen Versager. Lesung, Gespräch und Ausschnitte aus dem polnischen Dokumentarfilm Kampf mit dem Satan von Konrad Szolajski.

Gibt es den besten Suizid?

thumbnail8k6pszbn-kleinDer BESTE SUIZID ist immer noch sich TOT zu LEBEN – ein schönes, vor kurzem erschienenes ElektroBuch von Candy Bukowski. Hier haben Gefühle, Erleben und Erinnerungen über die Liebe, wegen der Liebe absoluten Vorrang. Ein steter Gedankenstrom treibt durch die E-Geschichten, Frau Bukowski dekliniert großartig das Ich und hat einen ganz eigenen Tonfall, der die Sprache und den Rhythmus bestimmt. Im BSTzL werden Gefühle zu Menschen, Anlässe zu Empfindungen und Begebenheiten.

Braucht das Ich das Außen? Ja. Oft. Aber nicht immer. Kann es schiefgehen? Natürlich. Aber nicht in Candy Bukowskis E-Erzählungen, ich mag den Titel, den schreibe ich direkt noch mal: Der BESTE SUIZID ist immer noch sich TOT zu LEBEN, aus dem Verlag edel & electric.

 Mein unbestrittener Liebling ist die Geschichte von den Treuepunkten am Straßenstrich. Die Erzählerin nimmt mich mit auf eine Kiezreise, wir flanieren durch das Hamburger Bahnhofsviertel, der Hansaplatz wird nett als eine ältere Dame, stark geschminkt, der viel gelebtes Leben unter dem Rock hervorschaut, beschrieben. Verwerfungen. Arm trifft auf Linksbürgertum, Heroin quert die Straße. Im Penny-Markt riecht es nach Armut, ich meine, dass trifft auf viele Penny- und Penny-ähnlicher Geschäfte zu, und am stärksten riecht der Mangel am Pfandflaschenautomaten. Genau das sind die Beobachtungen, die dieses E-Book für mich äußerst lesenswert machten. Wie es dann zu den sieben Treuepunkten kommt, das sollte selbst nachgelesen werden. Treuepunkte am Straßenstrich ist eine schöne Zeitreise, ein lauschiger Spaziergang über den Kiez. Stichwort Kiez. Candy Bukowksi trägt ihren Namen nicht ohne Grund, denn in ihren Erzählungen sammelt sie bemerkenswerte Anekdoten über den Kiez, die Kneipen und seine Bewohner, Philosophisches kurz vor Ladenschluss; das letzte Bier vor der Morgendämmerung. Im Besten Suizid versammeln sich Typen, Gestalten und Orte, die immer liebevoll, manchmal fast mit mütterlicher Nachsicht beobachtet werden.

Mütterlich nehme ich als Stichwort, denn Mutterwoman fliegt souverän ist ein unterhaltsamer Kurzexkurs. Hier kommt die souverän lockere Mutter zu ihrem Recht, die von Kindern gern mit Fragen gelöchert werden kann, auch die Sexualität betreffend, na klar, kein Ding. Was das Kind in der KG tut. Dann wird es lustig.

Für mich manchmal ein Manko: Die nicht enden wollenden Gedankenverknüpfungen und großartigen Sprachbilder schubsen die Handlung ins Abseits. Die Außenseite der Welt ging so ab und an flöten, auch durch die Häufung an beachtenswerten Gedanken. Aber schon im nächsten Absatz verflüchtigt sich mein Eindruck, denn schon pixelt sich wieder das nächste großartige Bild zusammen und ich kann nicht mehr meckern.

Für das Lesen ist ein großer Vorteil, dass die Stories nicht chronologisch gelesen werden brauchen. Kapitelbündelungen, die Namen wie Heart Stuff, Blue Piano-  oder Redlight Stuff verraten gut den Tenor der darin enthaltenen Geschichten.

Mein Fazit: Der BESTE SUIZID ist immer noch sich TOT zu LEBEN macht unbedingten Spaß, ABER: ich würde es Menschen, die sich augenblicklich in einer akuten Liebeskummerkrise befinden, auf keinen Fall empfehlen. Allen anderen schon. Da fällt mir jetzt gerade auf: Wenn das -B- in Leben durch ein -S- ersetzt würde, funktioniert der Titel trotzdem. Danke, hat Spaß gemacht.

Der BESTE SUIZID ist immer noch sich TOT zu LEBEN, Candy Bukowski, Verlag edel & electric, Preis: 4,99 Euro, ISBN: 978-3-96029-001-8, Erscheinungsjahr: 2015, Seitenanzahl: ca. 280 Seiten

Verlag Das Beben und Vor dem Pilzgericht

Das Beben

„…Wir glauben, dass Geschichten unterhalten, aufregen, verzaubern, ärgern und das Leben ein klein bisschen verändern. Wir glauben, dass Novelle und E-Book eine Kombination bilden, die zu unserer und Ihrer Zeit hervorragend passt: Konzentriert, ohne Umschweife, durchgeformt, alltagsnah. …“ (aus: Vier Gründe, die Novellen vom Beben zu lesen, Verlag Das Beben)

Mich erinnert das Internet an Bilka am Zoo. Auch bei Bilka gab es immer Schönes und Unerwartetes zu entdecken. Ich habe also einen lustigen Verlag entdeckt (Danke!, Daniel Ableev). Das Beben existiert seit 2013 und ist ein Zusammenschluss aus Buchhändlern, Übersetzern, Autoren und Autorinnen, die Platz schaffen wollen für Texte, die anders daherkommen. Beste Voraussetzungen für zeitgenössische Texte für den E-Book Reader.

Gut. Nach dem Prinzip: Viel hilft viel habe ich mich bei meinem Kauf vom grellsten Cover leiten lassen.

Frank Dukowski, ein in Berlin lebender Schauspieler und Autor, liefert mit Vor dem Pilzgericht seinen ersten längeren Prosatext ab. Inspirationsquelle für die verstörende Geschichte um Pilze und Mädchenmorde war Roy C. Sullivan, ein Mann, der es schaffte, sieben Blitzschläge zu überleben.

Worum geht es?

Für die pensionierte Gerichtspsychologin Frau Dr. E. Pellka gibt es keinen Ruhestand, solange sie das Geständnis von Thomas R. noch nicht in der Tasche hat, einem Eigenbrötler, der beim Pilzsammeln in Deutschland, Tschechien und Italien tote Mädchen fand. Was ihn sehr schuldig aussehen ließ und dauerhaft  in die Psychiatrie brachte.

Frau Dr. Pellka ist aufgeregt: Thomas R. will ein Geständnis ablegen. Vorher aber überrascht er die gierige Dame mit einem Riesenpilz in seinem Anstaltszimmer, danach übergibt er der Pensionisten sein selbst verfasstes Geständnis, wie sie meint. Frau Dr. Pellka beginnt zu lesen und erfährt Erstaunliches. Über Menschen im Allgemeinen, über den kleinen Thomas und seine Eltern, die aus Berlin-Pankow stammen, über eine Flucht in den Wald und  – über Freundschaften zu Mädchen, die nicht ganz von dieser Welt zu sein scheinen und – von Pilzen.

Ich bin keine Pilzenthusiastin. Das wird sich auch nicht nach der Lektüre ändern, aber währenddessen war die Geschichte von Einem, der erfuhr, wie die Sache mit den Pilzen sich wirklich verhält, äußerst andersartig amüsant.

Vor dem Pilzgericht. ISBN 978–3-944855-00-4, 3,49 Euronen.

Der hat mir Spaß gemacht.

Und es gibt noch mehr!

http://www.verlagdasbeben.de/ebooks/