Meine schönsten E-Books

Am Tag der Arbeit gern diese Arbeit. Ich habe E-Books zusammengestellt, die ich in letzter Zeit sehr gern las. Aus verschiedenen Gründen finde ich diese Eriginals und E-Books spannend, mal der Aktualität oder aufgrund ihrer Einzigartigkeit wegen. Also, ich möchte noch einmal vorstellen:

 

 

Margarethe Grimma, Rex Feuchti, Ein rasanter Roman für Freunde der Fiktion. Verlag Das Beben.

Rex Feuchti startet als Schlüssellochroman, den vorgeblich die Frage umtreibt, wie es zur Enthauptung des Pornorappers Rex Feuchti in der Hannoveraner Fußgängerzone durch eine bis dato sympathische Supertalent- Gewinnerin, Fräulein Xenia Hammerstein, kommen konnte. Frau Grimma, laut Eigenauskunft erfolglose Schwerintellektuelle, gibt gleich darauf bekannt, dass sie noch nie etwas geschrieben hat. Und das wird zum Stil- und Formelement: Ein Potpourri aus Zeitungsartikeln, Geschichten, Essays, Kolummen, Märchen, Leserbriefen, Aufsätzen und den Beurteilungen durch Lehrkräfte  hebt an, mischt sich, macht sich Konkurrenz. Der Roman Rex Feuchti ist nicht richtungslos, sondern absichtsvoll ausschweifend, aber eine Tendenz zur Gliederung, einen Haltepunkt gibt es: Es ist die Lyrik des Pornorappers, auch schwanzige Texte genannt.

Es ist ein absurdes Buch, voll mit Albernheiten, die sich unvermittelt als Ernst entpuppen. Expressionistischer Wortbrei aus jeglicher Richtung, oft kakophon, mit der super unzuverlässigsten Erzählerin der Welt. Rex Feuchti – ein großer Spaß.

Margarethe Grimma, Rex Feuchti, ca. 150 Seiten, EAN: 9783944855073, 3,49 Euro.

Besprechungen: Elektro vs. Print

 

 

Cover - Nadine Wojcik - Wo der Teufel wohntNadine Wojcik, Wo der Teufel wohnt. Die sehr lesenswerte, aktuelle Reportage geht der Frage nach, warum in kurzer Zeit in Polen eine Massenbewegung entstehen konnte, für die Wissen wenig Wert hat; es ist der Glaube, der zählt. Menschen aus allen Schichten strömen zum Exzorzisten. Und auf der Suche nach Wahrheit und Erlösung können die merkwürdigsten Formen nebeneinander existieren; Psychologen und Exzorzisten in friedlicher Koexistenz in einer Beratungsstelle, die sich die Klienten gegenseitig überweisen … Nadine Wojcik ist ein sachlicher und berührender Text gelungen, die Interviewpassagen machen die Reportage einzigartig. Ein mikrotext.

Besessene und Teufelsaustreiber in Angst vereint. Angst vor der Zukunft, Angst vor der Weltlage, Furcht. Ein Rollback der Religionen tut sich auf, Menschen, die Halt und Geborgenheit in Regelwerken suchen unterwerfen sich bedingungslos. Ist Zivilisation beängstigend? Brauchen wir den freien Willen? 

Natürlich liefert Wo der Teufel wohnt keine endgültige Erklärung für das Revival rund um den Exzorzismus. Auch keine Erklärung für den Umstand, warum sich der Teufel gerade in Polen und da überwiegend in jungen Mädchen so wohl fühlt. Aber zwischen den Zeilen erzählt dieses Buch von der Suche nach einfachen Antworten in einem Wirrwarr von Welt.

Eriginal, auch als Buch erhältlich, ca. 200 Seiten ISBN 978-3-944543-39-0, 3,99 Euro
buecher.de Google Play Hugendubel iTunes Thalia Weltbild.

Besprechungen: Atheist Media Blog,  Edition FElektro vs. Print,

 
Akkordeonistin
Sitze im Bus
(ePub, mobi)
EUR 2,99/CHF 3,50
ISBNePub: 978-3-944195-63-6
ISBNmobi: 978-3-944195-64-3
Shops
ePub: Apple, Dussmann, Hugendubel, Mayersche, Minimore, Minimore, Ocelot, Osiander, Thalia, Schweitzer, Weltbild.
Kindle-Mobi:...Akkordeonistin, Sitze im Bus.  Ein Bus ist ein Transportmittel und ein eigentlich sehr uninteressanter, manchmal lästiger Ort. Die Akkordeonistin aber fährt nicht nur der Beförderung wegen Bus. Sie beobachtet, erlauscht und lässt ihre Gedanken dabei fliegen. Herausgekommen sind Betrachtungen, winzige Splitter des Menschseins. So kurz und erfreulich verknappt, sind diese winzigen Erzählungen ein Menschheits-Kaleidoskop. Es ist Lyrik, es ist Kurzgeschichte, es sind Aphorismen, und das Medium ist Twitter. Hundertzweiundzwanzig dieser im Netz berühmten Kürzestgeschichten, entstanden zwischen 2012 bis 2015, versammelt das Buch und jede einzelne von ihnen entfaltet sich beim Lesen zu einer erstaunlich großen Welt.

Akkordeonistin, Sitze im Bus, ePub, mobi, ISBNePub: 978-3-944195-63-6, EUR 2,99,
Apple, Hugendubel, MayerscheThalia, Schweitzer, Weltbild.
Kindle-Mobi: Amazon

Besprechungen: http://www.sueddeutsche.de/kultur/twitteratur-sie-sitzt-im-bus-1.3084927, Literaturen

 

 

Amanda Lee Koe, Ministerium für öffentliche Erregung. Stories. Wer denkt bei Singapur nicht als Erstes an Singapur-Airlines? An Stewardessen mit adretten Frisuren, lieblich lächelnd ein Tablett in der Hand?  Bilder von glücklich devoten Frauen kann der einmotten, der das zu Recht viel beachtete Debüt von Amanda Lee Koe, das Ministerium für öffentliche Erregung, gelesen hat. Erschienen bei culturbooks.

Frauen sind der Dreh- und Angelpunkt fast jeder Short Story in diesem Buch. In genau beobachteten Short Stories blüht Leben, Geschichten, Leid und Freude. Die exzellent beobachteten Miniaturen erinnern an Dorothy Parker, wenn eine kleine Begebenheit zu großer Tragik mutiert, manchmal in Komik aufblüht.

Die fast noch jugendliche Autorin lebt in New York und Singapur,  Ministerium für öffentliche Erregung ist ihr Debüt und wurde mit zahlreichen Preisen bedacht. Die Autorin ist eine Geschichtenerzählerin und ihre ganze erzählerische Kraft, der auch die unaufgeregte, sachliche Sprache zugute kommt, nutzt sie, um sich dem Du zuzuwenden. Im Rampenlicht stehen Antitypen, Antiheldinnen, die bei einem Autorentyp wie Carson McCullers für das Maximum an Rührung gesorgt hätten. Aber im Heute, lässt die Autorin ihren Heldinnen ein Selbstbewusstsein, das bemerkenswert ist. Dieses Buch ist feministisch, ohne es zu forcieren. Dieses Buch besitzt eine unglaublich schöne Lakonie.

Amanda Lee Koe: Ministerium für öffentliche Erregung. Storys. Aus dem Englischen von Zoë Beck. CulturBooks unplugged, Euro. ISBN 978-3-95988-018-3240 Seiten. eBook: 14,99 Euro. Hardcover 22,00 .
Leseprobe (PDF) CulturBooks MyBookShop Amazon buecher.de Kobo eBook.de Osiander Mayersche.

Besprechungen: Sätze & Schätze,  Perlentaucher.de,  Elektro vs. Print,

 

Kurt Tucholsky, Seifenblasen. Eine Filmerzählung, erschienen bei Rowohlt Rotation, dem Imprint der Verlagsgruppe Rowohlt.  Seifenblasen ist eine in Tucholskys Leben zeitlich spät liegende Filmerzählung, die von Rheinsberg oder Gripsholm überstrahlt wird. Diese Erzählung versteckt sich in der großen Tucholsky-Gesamtausgabe, wer sie nicht hat, für den ist diese Auskoppelung lohnenswert.

Seifenblasen ist Verwechslungskomödie um das Mädchen Barbara, dass als Herr Paulus zu einem gefeierten Damenimitator wird.  Am Ende fällt die Maske, die Liebe siegt, Happy End.  Die Filmerzählung datiert aus 1931, spielt in Berlin, auf der Höhe ihres Ruhms ist Barbara als Travestiekünstlerin eine Berliner Berühmtheit. Selbstverständlich lässt sich Tucholsky keine Gelegenheit entgehen, die Berliner Schnauze zu ihrem Recht kommen zu lassen. Heute gelesen, ist es ein Ausflug in die Zeit vor dem Dritten Reich. Zu sehen, wie Kurt Tucholsky sich 1931 noch über die NSDAP lustig machen konnte, erscheint couragiert – und traurig.  1929 emigrierte Kurt Tucholsky nach Schweden. Auslöser war der Prozess gegen die Zeitschrift Weltbühne, der sich gegen die Verleger, Carl von Ossietzky und Walter Kreiser richtete; wegen des berühmt gewordenen Satzes Soldaten sind Mörder – von Kurt Tucholsky.

Und da wird die Filmerzählung Seifenblasen todtraurig, weil zu bemerken ist, wie Tucholsky sich aus der Ferne sein Berlin, das er kannte und das ihm entglitt, nahe schrieb. Zusammen genommen: die Zeit und die Umstände, unter denen Kurt Tucholsky diese dalberige Komödie schrieb, lassen sich heute von dem heraufziehenden Dritten Reich nicht mehr trennen. Dadurch erringt das Dingelchen einen sonderbaren Ernst, der ihm eigentlich fehlt.

Seifenblasen,  von Kurt Tucholsky, Verlag: Rowohlt Rotation, Filmerzählung, E-Book, ca. 115 Seiten, Entstehungsjahr: 1931, 3,99 Euro.

 

Besprechungen: Elektro vs. Print, Seifenblasen.

 

Und natürlich ist diese Liste unvollständig. Dieser Beitrag ist auch auf  e-rstausgabe.

Einen schönen 1. Mai weiterhin.

Ministerium für öffentliche Erregung

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von Amanda Lee Koe. Wer denkt bei Singapur nicht als Erstes an Singapur-Airlines? An Stewardessen mit adretten Frisuren, die Mütze leicht kess schräg auf dem Haar, lieblich lächelnd ein Tablett der Kamera entgegen streckend?  Meine zweite Assoziation zu Singapur hat mit dem Wort Tigerstaat zu tun,  Wirtschaft, Finanzzentrum. Das ist nicht richtig: Der Name Singapur stammt aus dem Sanskrit und bedeutet Löwenstadt. Meine Bilder von glücklich devoten Frauen und Tigern im Sprung kann ich einmotten, denn ich habe das zu Recht viel beachtete Debüt von Amanda Lee Koe, das Ministerium für öffentliche Erregung, gelesen.

Frau sind der Dreh- und Angelpunkt fast jeder Short Story in diesem Buch. Sie leiden, lachen, meist aber leben sie vor sich hin, von einem Tag zum nächsten, oder sie sind nur noch in der Erinnerung glücklich, manche erwarten auch nichts vom Leben und sind mit ihrer Wunschlosigkeit sehr zufrieden. Dieses Buch bietet eine Vielzahl an Miniaturen von Frauen, die  in diesen genau beobachteten Short Stories zu großen Charakteren aufblühen.

A. Lee Koe erzählt Geschichten,  sie präsentiert glücklicherweise nicht Beobachtungen und Erlebtes einer jungen Frau, die sich sucht und finden muss – nein, hier herrscht die erzählerische Kraft, sich anderen zuzuwenden. Daneben war auf der stilistischen Ebene die Sprache bemerkenswert. Fast immer unaufgeregt und unaufdringlich, kaum Autorenkommentare. Diese Zurückhaltung der Erzählerin ist ein gutes Stilmittel, denn sie stärken diese Kleinode um Sehnsucht und Hoffnung, setzen einen schönen Kontrast, große Gefühle, gleichmäßig erzählt. Alle Geschichten haben etwas Beiläufiges, aber nichts Flüchtiges, so wie die  Geschichte um Delia:

Delia arbeitet irgendetwas mit Akten vor sich hin, aber darum geht es nicht. Die Arbeitshaltung der jungen Frau wird lediglich skizziert; nicht das Erwerbsleben von Frauen steht im Fokus, es geht ganz simpel um weibliches Aussehen und die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben. Delia ist hässlich. Delias Hässlichkeit ist für sie aber kein Stigma, sondern ein Fakt, ein allesbeherrschender Hierarchiebestimmer. Delia, die noch bei ihren Eltern wohnt, fügt sich in ihr vorgezeichnetes Schicksal, bis sie an dem schmuddeligen Imbiss, an dem sich die Hässlichen ihr fettiges Mittagessen holen – sie müssen nicht so auf sich achten wie die Hübschen –  auf den schönen jungen Lei, einen Einwanderer aus China trifft. Schnell gibt Delia ihren Eltern weniger Geld für Kost und Logis, was sie verdient, geht für Lei drauf, der recht prekär in einem Wohnheim lebt. Um Lei zu gefallen, presst sich Delia in ein zu enges Kleid,  schminkt sich clownshaft und hält ihn aus, den Mann, der bald nicht viel mehr als Verachtung für sie übrig hat. Delia, eine Figur, angelegt wie ein trauriger Clown, eine Frau, die nie im Rampenlicht steht,  ein Antityp, die bei einem Autorentyp wie Carson McCullers für das Maximum an Rührung gesorgt hätte. Bei Lee Koe besitzt diese Frau Delia  – sie muss es sich nicht erringen –  ein Selbstbewusstsein, das bemerkenswert ist. Was eigentlich eine traurige Geschichte von einer ungleichen Beziehung wäre, in der die Eine mehr liebt als der Andere, wird hier geschickt gebrochen, denn Delia kennt, befolgt und beherrscht einen anderen durch die Gesetze des Kapitals.

Dieses Buch ist feministisch, ohne es zu forcieren, dieses Buch hat eine Lakonie, die ich unglaublich schön fand – die Geschichten von Frauen in diesem multiethnischen Singapur sind fast durch die Bank weg großartig. Genauso interessant ist zu lesen, wie dieser Stadtstaat mit seinen vier Amtssprachen – die ehemalige Kolonialsprache Englisch, Chinesisch, Tamil und Malaiisch – mit seinen vielen Ethnien umgeht, mit den Gegensätzen zu leben scheint, sie aushält. Aber das ist nicht das gedankliche Zentrum der Autorin, sie hat es mit der Liebe und den Beziehungen, aber ein europäischer Leser wird nicht umhin kommen zu bemerken, mit welcher Unaufgeregtheit Miteinander und Nebeneinander beschrieben wird.

Fazit: Frauen, Liebe, Leid, Glück und Unglück – so geht es. Und immer wieder. Und immer weiter. Im Ministerium für öffentliche Erregung werden Menschen auf das Schönste porträtiert, in den Miniaturen von Amanda Lee Koe scheint eine ganze Welt auf, die am genauesten mit einem Lieblingssatz aus diesem Buch beschrieben werden kann: „… Ich wischte die schlechten Gefühle lieber weg, wie ein Schwamm das Schweineschmalz. …“ (aus: Liebe ist keine große Wahrheit) Unglaublich lesenswert, dieses Buch.

Amanda Lee Koe lebt in New York und Singapur, ihr Debüt Ministerium für … wurde mit zahlreichen Preisen bedacht und ist eines der zehn besten Bücher Singpurs der letzten fünfzig Jahre.

 

Amanda Lee Koe: Ministerium für öffentliche Erregung. Storys. (Ministry of Moral Panic, 2013.) Aus dem Englischen von Zoë Beck. Hardcover. CulturBooks unplugged, September 2016. 240 Seiten. 22,00 Euro. ISBN 978-3-95988-018-3 / eBook: 14,99 Euro, VÖ 4. Oktober 2016.
Leseprobe (PDF) CulturBooks MyBookShop Amazon buecher.de Kobo eBook.de Osiander Mayersche

 

Amanda Lee Koe in Deutschland.

 

 

 

Digitaler Herbst

Vorfreude ist ein großes Glück oder die omihafte Betrachtung des Seins. Gestern ist mir ein Lindenblatt auf den Kopf gefallen. Die Lesezeit beginnt.

Ich habe bei Digitalverlagen nach Buchvorschauen gestöbert; und hier die, die sich nach der Aufmachung und den Leseproben so anfühlen, als könnten  sie mir großen Spaß machen.

header_variante6In der Verlagsvorschau von Culturbooks gibt es zwei Titel, die ich lesen möchte: Schmutz, Katz & Co von Carlo Schäfer, ich hatte bisher die Leseprobe, Lehrer Dr. Katz .  Ein ganz verstiegener Humor, lakonisch und sarkastisch, aber C. Schäfer verrät seine Figuren nicht, er setzt sie nicht dem Lachen aus, er zeigt mir Menschen, in Lehrer Katz eben eine Familie, die so ist, wie sie ist. Und dann bin ich bin schon mehrfach über den Namen Amanda Lee Koe gestolpert, auch über den interessanten Titel ihres Erstlings: Ministerium für öffentliche Erregung. Lee Koe ist Literaturredakteurin bei Esquire und hat mit ihrem Ministerium für öffentliche Erregung Preise gesammelt wie andere Fliegenpilze. In ihren Stories nimmt sich Frau Lee Koe ebenfalls den Außenseitern an, den mehrfach Gescheiterten, aber immer noch Hoffenden, so die Verlagsankündigung. So wie Carlo Schäfer. Ich werde beide lesen. Erscheinungstermin vom Min. für öffentl. Erregung ist der 04. Oktober 2016.

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Die Frohmann-Herbstvorschau: Für die Freunde der 140-Zeichen-Kunst wird am 17. September ein schöner Tag anbrechen. Frohmanns erster Band der Printreihe KLEINE FORMEN eröffnet mit Sitze im Bus von Claudia Vamvas. Zusätzlich zu den Kleinen Formen gibt es die Vorzugsausgabe für die Leserinnen/Unterstützerinnen, die die Reihe über Crowdfunding unterstützten. Weiter geht es am 30. September mit der Generator-Reihe des Frohmann-Verlages mit der langersehnten,  finalen Version von Code und Konzept, eine Anthologie zu konzeptueller und digitaler Literatur; Herausgeber ist Hannes Bajohr. Und ein Messetermin: 19. bis 21. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse findet wieder der Orbanism Space, der offizielle Digitaltreffpunkt, statt. Kuratoren: Christiane Frohmann und Leander Wattig. Der diesjährige Schwerpunkt lautet: Die Facetten des Live-Publishing. Und ich freue mich, gelesen zu haben, dass auf der Buchmesse die 1000 Tode-Reihe ihre Fortsetzung findet.

mikrotext-logo

mikrotext: Der Reigen der Neuerscheinungen bei mikrotext startet mit dem Titel Hacking Coyote von Alan Mills. Es geht um Formen und Mittel des Widerstandes, auch aus dem digitalen Raum. Für seine Überlegungen wählt Alan Mills die Form des Essays, die Erscheinungsform von Hacking Coyote ist angenehm digital. Bisher von Alan Mills erschienen; hier.  Im Oktober wird bei mikrotext der Titel Wo der Teufel wohnt, erscheinen. Die Journalistin Nadine Wojcik geht einem neuen polnischen Trend, der Teufelsaustreibung nach. Vegetierten vor Jahren vier kirchlich bestallte Exzorzisten in Polen herum, sind es heute schätzungsweise 130 Kirchenangestellte, die alle Hände voll zu tun haben, den Teufel auszutreiben. Was ist da los im Nachbarland? Ich warte dringend auf den Oktober. Und noch eine angekündigte Neuveröffentlichung bei mikrotext:  Jan Fischer mit Audrey & Ariane. Ein junger Mann, der als Souvenirverkäufer in Disneyland arbeitet, gerät in Bedrängnis. Die Frage ist: Haben Audrey & Ariane etwas damit zu tun?  Bisher von Jan Fischer erschienen; hier.

Bei Rowohlt Rotation, dem jüngsten, digitalen Kind der Rowohltfamilie, ist mir das Drehbuch zu dem Roman von Herrndorf,  Tschick aufgefallen. Die Drehbuchfassung schrieb Lars Hubrich, sie war Vorlage für Fatih Akins Verfilmung. Eine gute Idee, Drehbücher digitalisiert anzubieten.  Daneben fällt das Herbst-Programm bei Rowohlt Rotation, eigentlich spezialisiert auf kurze Texte für den digitalen Leser, bescheiden aus. Nichts Anregendes im Herbstprogramm, aber: die Gesamtschau lohnt, denn es lassen sich Titel von namhaften Autoren finden, die nicht mehr verlegt werden, oder Betrachtungen, Kurzgeschichten, Essayistisches, die zu kurz für Print sind.

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Der Verlag Das Beben, die unerhörte Elektro-Novellen anbieten, hat mit Frühjahr- und Sommerkollektionen wenig am Hut. Das Beben veröffentlicht, wenn gute und passende Manuskripte hereinkommen und die Verleger neben ihrem Brotgeschäft Zeit für das Buch-machen finden. Aber die zuletzt erschienen Bücher vom Beben sind wie (fast) immer erwähnenswert: Der Chor der Anarchie von Gecko Neumcke und Stephan Strzoda. Der Chor der Anarchie ist eine Utopie, die von spanischen Anarchisten in Südfrankreich handelt, von einer Kommune und der grundsätzlichen Lust, die Welt zu verändern. Lesenswert. Auch erschienen: Järngard, Der Fluch des Erzes, von Ruben Philipp Wickenhäuser, eine düstere Novelle um ein liebes Aussteigerpärchen in Schweden.

Shelff. Ich mochte die Istanbuler Notizen von Mely Kiyak sehr, seit den Ereignissen  dieses  Sommers fast historische Notizen aus der #gutenaltenzeit. Aber Neuerscheinungen sehe ich bei shelff nicht. Schade.

Das sind die Bücher, auf die ich mich freue.