Zur e-rstausgabe

Vor ein paar Wochen sprach mich Christiane Frohmann vom Frohmann Verlag an, ob ich Lust hätte, die e-rstausgabe, ein Facebookmag, zu betreuen.

Klar, habe ich Lust. E-rstausgabe ist nicht neu, aber wie das so ist bei einer Facebook-Pflanze, sie möchte gepflegt werden und ich mag virtuell gärtnern. Bei e-rstausgabe sollen kontinuierlich e-Book-Erstausgaben vorgestellt werden, ebenso wie Eriginals aller Sparten. Angesprochen sind unabhängige Verlage, genau wie die digitalen Departments klassischer Verlage.

E-rstausgabe will sein: Bündelung und Wahrnehmung von ambitionierten digitalen Originalausgaben und Digital-only-Titeln. Wenn zum Beispiel Blogger einen Digital-only-Titel besprechen, dann würde ich den gern mit Verweis auf den Blog einstellen. Seit fast drei Jahren blogge ich über eBooks und in der Zeit -ja, es ist ein kleines Resümee- hat sich die Akzeptanz  dem digitalen Buch gegenüber nur wenig verändert. Wenn ich auf Auseinandersetzungen zum E-Book stoße, dann geht es am Anfang, in der Mitte oder am Ende immer um Buch ./. Buch, was einfach langweilig ist. Kulturstarre Positionen. Vielleicht bricht e-rstausgabe das ein bisschen auf.

Vorschläge sind immer sehr willkommen. Entweder per Mail an cf@orbanism.com oder t.bezzenberger@gmx.net.

Berlin, den 09. April 2017, Tania Folaji

 

Nachtrag I:

Bei diesem Link des Goethe-Instituts werden Fachfragen wie How to buy–  und how to read an E-Book äußerst kurzweilig von Christiane Frohmann beantwortet.

 

Nachtrag II: Aufruf zur Einreichung

„…Mit #orbanismgastfreundschaft, einem Blog- und Gratis-E-Book-Projekt wollen wir vorsätzlich positive Bilder, Gedanken und Vorstellungen in die Welt und zum Zirkulieren bringen. Wir hoffen, es so wieder plausibler zu machen, dass es zum Menschsein gehört, anderen Freundlichkeit entgegen zu bringen und ihnen in Notsituationen auch Schutz zu gewähren.

Wir laden euch herzlich ein, uns – am liebsten bis zum 10. April – weitere Texte zum Thema selbst erlebte Gastfreundschaft (Umfang bis 3.000 Zeichen, kann aber auch ganz kurz sein) zu schicken, die wir bloggen und in einer Anthologie bei Orbanism Publishing veröffentlichen dürfen. Wenn Letzteres, etwa aufgrund von Buchverträgen, nicht möglich ist, können wir Texte gern auch nur bloggen. Bitte Text mit Ein-Satz-Bio in der 3. Person, dazu optional ein Link zu eigenem Herzensprojekt, gern auch ein passendes Foto, bei dem ihr die Rechte besitzt, per Mail an Christiane Frohmann, cf AT orbanism DOT com, senden. – Wir möchten die Rechte an den Texten und ggf. Bildern nicht exklusiv, bitte achtet aber darauf, dass ihr spätere Nutzer auf unser Nutzungsrecht hinweist. Bitte keine Texte unter Pseudonym einreichen. …“

Wer heute also nicht nur auf der Couch liegen mag, oder wer einfach Zeit hat, wem etwas Berührendes zu Gastfreundschaft einfällt,  der könnte doch dieses E-Book-Projekt bereichern.

http://orbanism.com/2017/03/30/abgeholt-ein-text-zur-gastfreundschaft-von-anne-matuschek/

Wo kommen nur all die schönen Bücher hin?

Buchmesse, Leipzig, fast vorbei. Und schon jetzt tut es mir leid um die vielen schönen Bücher, die ich gesehen hätte, wäre ich dort gewesen. Denn diese vielen Bücher bekomme ich noch nicht einmal im Ansatz im stationären Handel zu sehen, weil der viel zu eng und klein ist. Ich möchte das an einer Begebenheit verdeutlichen:

Samstag. Eine fast übersehene Einladung. Ein Geburtstag. Er mag Bücher. Kein Problem in einer Stadt wie Berlin, in der es alles gibt. Ich dachte, es reicht, Samstags, um 17.00 Uhr ins KaDeWe zu fahren und ein schönes Buch zu kaufen. Das müsste reichen, um Abends ganz entspannt auf dem Geburtstag ein hübsch verpacktes Präsent abgeben zu können.

Meine Kalkulation wurde noch entspannter, denn:  Wenn es das Wunschbuch im KaDeWe nicht gäbe, dann laufe ich einfach ein Stück den KuDamm rauf und gehe in dieses riesige Buchkaufhaus. Die haben alles. Und die Verkäufer wissen alles.

Soweit so gut. Dann stand ich im größten Kaufhaus Deutschlands und musste sehen, dass die wohlsortierte CD-Abteilung verschwunden war und die wohlsortierte Buchabteilung – auch weg. Was ich sah,  war eine Verkaufsfläche von der Größe einer Parklücke. In der Mitte ein Gabentisch auf dem die Spiegel-Bestseller aufgetürmt waren, um sie herum schematisch vorkategorisierte Chartstürmer. Ich verstand die Anordnung sofort: Handelte es sich um Krimis, dann war das Cover, weiß, rot und schwarz. Mit historischen Romanen könnte man gut unartige Kinder erschlagen, denn jeder historische Roman war dick wie ein Wackerstein. Historische Romane haben viel Wind (Sturm) auf dem Cover, der sich in den Haaren der Protagonistin verfängt. Und Frauenromane in rosa, im keckes Bein im Anschnitt. Ich stand ein paar Minuten da und schaute. Die Verkäufer und ich, wir blieben unter uns.

„Haben Sie Musikbücher?“, fragte ich.

Er nickte und zeigte auf den Notausgang. Da standen ein paar Bücher in einer Art Hobbyregal. Merke: Im KaDeWe kann ich fressen, bis ich platze, ich kann jedes Parfüm erstehen, aber kaum noch Bücher. Ich habe mich nicht nur für dieses Kaufhaus geschämt. Ich habe mich grundsätzlich geschämt.

Ich bin gegangen, Stimmung angeschlagen, aber noch zuversichtlich, denn ich wusste, es gibt ja noch dieses Buchkaufhaus zwei Ecken weiter, das mit den netten Verkäufern. Stockwerke voll mit Büchern. Zehn Minuten später wusste ich mehr. Kein Buchkaufhaus mehr.

Als ich im Untergeschoss von Karstadt am U-Bahnhof Kurfürstendamm landete, da war mir traurig. Im Untergeschoss  Lebensmittel, Lotto, Schreibwaren;  da war auch eine Sitzecke für Kaffee und Kuchen. Und wie dazwischen geschummelt, ein bisschen Buch. Auftritt wie im KaDeWe: Spiegel-Bestseller-Liste, bisschen Kinderbuch, bisschen Krimi. Die Buchabteilung sah aus wie Falschgeld.

„O weh“, sagte ich zu dem Verkäufer. „Haben Sie auch Literatur über Musik?“

Hatte er. Beatles und  Rio Reiser. Wir schauten einem älteren Pärchen zu, das an einem der gegenüberliegenden Tische langsam eine Knackwurst mit Senf aß. Es sah gemütlich aus. „Wo ist das Buchkaufhaus abgeblieben“, fragte ich.

„Die Mieten waren zu hoch. – Es müssten mehr Bücher gekauft werden. In Buchläden.“

Wir nickten nachdenklich. Ich habe dann Schnaps verschenkt.

 

Hausbesuche

 

HAUSBESUCH: Das Goethe-Institut gibt im Frohmann Verlag eine eigene E-Book-Reihe heraus

10 Autor_innen durch 7 Länder in 6 Sprachen ergibt 20 Reisen, was 40 Hausbesuche macht, destilliert in 11 E-Books = eine europäische Geschichte. Europäische Türen gingen auf, zehn Schriftsteller traten ein. Und da wir viel mehr Europa in Herz und Kopf brauchen, freut mich die sechssprachige E-Book Reihe, die in Kooperation mit dem Goethe Institut entstanden ist, die am  10. Januar 2017 startete. Hausbesuch, erschienen im  Frohmann Verlag.

…“Hausbesuch basiert auf der Idee, dass Schriftsteller zwei Städte in Europa besuchen, eine in Deutschland, eine woanders…“

Die Hausbesuch-Reihe startete mit Marie Darrieussecq,  die als Schriftstellerin und Psychoanalytikerin in Paris lebt, mit Neapel – Dresden in Europa. Darrieussecq, 1969 in Bayonne geboren, studierte Literaturwissenschaft an der École Normale Supérieure in Paris. 1997 ihr Erstling, Schweinerei, was ein furioser Satire-Roman über die junge Angestellte eines Massagesalons ist, die dort erst massiert, sich dann prostituiert, schlussendlich die Gestalt wechselt, sich in ein Schwein verwandelt. Im Zentrum von Darrieussecqs Schaffen stehen Frauen, die größten Widersacher ihrer Heldinnen sind das Leben in  seiner allgemeinen Widersinnig- und Ungerechtigkeit.

In Neapel – Dresden in Europa ist Darrieussecqs Sicht privat,  es ist wie ein träges Schauen aus einem ICE-Fenster, von Wimpernschlag zu Wimpernschlag, schnappschusshafte Blicke, dazwischen sich schlängelnde  Gedankenflüsse und Asssoziationen. Darrieussecqs Gehirn zieht Fäden zwischen Neapel und Dresden. Sie beginnt mit der Frage, welches ist die heimliche, die ungekrönte Hauptstadt Europas? Constanza, Berlin oder London? Ihrem Dafürhalten nach ist es Paris, warum auch immer. Dieser Ton, diese müßigen Betrachtungen, die sich einer genauen Kategorisierung entziehen, erinnern von der Stimmung her an eine absolvierte Grande Tour im 19. Jhdt, genauer an die sich anschließenden gebundenen Reisebetrachtungen mit getrockneten Blumen darin.

Denkt sie an Dresden, dann fallen der Autorin Flugzeuge, Bomben Zerstörung und  Krieg ein. Aufzählung von Katastrophe: Guernica, Hiroshima, Nagasaki, Dresden. Schlicht im Ton aber gewagt, die Komplexität des Lebens, der Kriege und des Todes so simpel herunter zu brechen. Aber es ist so: Europa ist eine Laterna magica. Die Versuche, zwei willkürlich gewählte Orte, wobei ein Ort sich in Deutschland befinden muss, miteinander zu verbinden, also Europa ideell auf den längst fälligen Nenner zu bringen, ist schwer. Hier Dresden und seine Erinnerungskultur, die Frauenkirche als Symbol der Zerstörung, dort Neapel und sein Müllproblem. Da ist Dresden, dass sich in Teilen echauffiert über drei hochkant gestellte Busse, die an einen Krieg in Syrien erinnern sollen, der immer noch tobt. Busse als ein Symbol für Menschen, die sich hinter diesen vor Scharfschützen zu verstecken suchten, die Frauenkirche als ein Symbol für die Leiden des Krieges. Also Symbol neben Symbol für einen nötigen Frieden wird dieser Tage in Dresden zu offen gelebter Rage. Weiterführend ein schöner Artikel des Online-Magazins Elbmargarita von Nicole Czerwinka.

Und warum gibt es Neapel keinen Dresdner Hof, wenn es doch in Dresden eine Pizzeria Napoli gibt? Die Autorin sucht nach Gemeinsamkeiten, ist bei Meridianen, findet in Viktor Klemperer eine Übereinstimmung. Klemperer lebte und litt nicht nur in Dresden im Dritten Reich, sondern arbeitete vor dem Zweiten Weltkrieg an der Universität von Neapel als Lektor. Erschöpfen sich da die Gemeinsamkeiten?

Neapel. Über Neapel schreibt Marie Darrieussecq leider weniger. Aber eine Familie, endlich Menschen,  Frauen und ein sehr alter Mann, lädt zu Besuch. Der Ton wird anders, ein Gegenüber macht sich konkret. Wie unterscheiden sich Neapolitanische von Dresdner Problemen?  Genannt werden nicht die Steuern, notiert Darrieussecq, nicht die Migranten, sondern die Mafia und vor allen Dingen der Stress. „… Am Ende des Tages haben die einfachsten Dinge so viel Energie verbraucht, dass du erschöpft bist. …“. 

Die Reise von Marie Darrieussecq beginnt wie ein privater Eindruck. Wie ein Tagebuch – stellenweise mutet es an wie ein bürgerliches Reisetagebuch des 19. Jhdts., aber dann öffnet es sich, es kommt zum Gespräch, das Miteinander, Durcheinander ist erfrischend, die Skizzenhaftigkeit erhellend, auch deprimierend, aber immer kurzweilig. Und schon wäre ich beim Fazit: Dieses Europa ist schwer unter einen Hut zu bringen – wenn es sich schon als so mühsam erweist, zwei Städte auf einen Nenner zu bringen. Aber das Bemühen, das Ringen darum, ist eine schöne Reise hin zu dem, was Europa ausmacht: Vielfalt. Einer der schönsten Sätze von Marie Darrieussecq geht so: ….„Europa ist ein gemischtes Land, sehr alt, sehr schmerzhaft und sehr schön, voller Hoffnung und Furcht, und es wird die Metaphern ebenso überleben wie die Faschisten, die Terroristen, die Arbeitslosigkeit und die Korruption, selbst seine eigenen Mythen wird es überleben, ich weiß bloß nicht, in welchem Zustand….“.

Ein Hausbesuch in sechs Sprachen. Ein schönes Projekt, dass zeigt, wie wenig Europäerin ich bin, wie wenig ich zwischen den Sprachen wechseln konnte. Dafür sehr schön aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt von Frank Heibert.

Frohmann Verlag:

Marie Darrieussecq
Hausbesuch. Naples-Dresde en Europe
Reihe Hausbesuch, Vol. 1
E-Book (ePub/mobi), 202 p.
Berlin: Frohmann
10 January 2017

ISBN ePub: 978-3-947047-00-0
ISBN mobi: 978-3-947047-01-7

EUR 2,99

Shops
Amazon, Apple iBooks, Barne&Noble, bol.de, bücher.de, Hugendubel, Mayersche, Ocelot, Osiander, Schweitzer und Thalia.

#HausbesuchLIT

Vorsatz und Vorschau – mein literarischer Januar

Mein erster Vorsatz soll sein: Ich will mehr lesen. Aber: Ich will ganz explizit nicht noch mehr News konsumieren, nicht noch mehr  Nachrichtenmeldungen, die sich tausendfach retweetet aufblähen wie dicke Gespenster. Ich will auch nicht mehr so viel Kommentare auf Facebook lesen. Obwohl ich Kommentare lesen nicht unter Lesen verschlagworte, ich halte Kommentare lesen für etwas Erlauschtes; denn der, der spricht (ja, ich halte Facebook für ein orales Medium) weiß nicht, dass ich ihn höre. Aber das ist ein anderes Thema, für Pessimisten die Rolle rückwärts – der Rückfall in eine dunkel orale Kulturzeiten durch soziale Medien.

Aber da will ich ja gar nicht hin. Erstens war, ich will mehr lesen, und zweitens: Ich werde ab sofort ein Buch nur noch nach dem anderen lesen. In der Nachbetrachtung 2016 beschlich mich das dumpfe Gefühl, dass ich manche Bücher vielleicht anders hätte besprechen können und müssen, wenn ich dem Buch mehr Singularität zugestanden hätte.  Einem Buch muss Zeit gewidmet werden. Bücher verlangen Ausschließlichkeit. Das tut ihnen gut. Bücher werden nicht als Mischware konzipiert, sie können zwar gut bei einander stehen, eignen sich aber nicht wie Obst dazu, gemischt zu werden.

Der letzte gute Buchvorsatz: Ein Buch lesen ist eine Eroberung. Das hat etwas gipfelstürmerisch Romantisches – weniger: Sich ein Buch zu erschließen ist wie die Arbeit eines Streetworkers im Regen an Fernbahnhöfen. Das muss man wollen, da muss man sich drauf einlassen. Was im Lesen für mich bedeutet; einem Buch mehr Zeit zu geben, es nicht gleich wegzulegen.

Das reicht jetzt aber 2017 an guten Vorsätzen, mehr schaffe ich nicht. Und es gibt wieder eine ganze Reihe Bücher und Projekte, an denen ich meine guten Vorsätzen in die Tat umsetzen kann:

Neues aus dem Frohmann Verlag: Die Reihe Hausbesuch startet. 10 Autor_innen – 7 Länder – 6 Sprachen – 20 Reisen – 40 Hausbesuche – 11 E-Books wird zu 1 europäischen Geschichte. Zehn Schriftstellern wurden quer durch Europa die Türen geöffnet. Und da wir viel mehr Europa in Herz und Kopf brauchen, freue ich mich auf die sechssprachige E-Book Reihe, entstanden in Kooperation mit dem Goethe Institut, die am  10. Januar 2017 startet. Die Texte sind zu beziehen über den  Frohmann Verlag.

Seit ein paar Wochen habe ich den Roman Totenläufer von Mika Krüger auf meiner Leseliste. Totenläufer ist eine Dystopie, in der eine Welt beschrieben wird,  die sich stark über die Nutzlosigkeit einiger Menschen definiert.Hört sich erst einmal null utopisch, sondern real an. Nach Konstruktion dieses Konfliktpotentials und Verlagerung in fantastische Welten geht die junge Hallenser Autorin  daran, aus der Unmöglichkeit des Seins für viele Menschen in Red-Mon-Stadt die Verhältnisse eskalieren zu lassen. Rebellion liegt in der Luft. Ich habe Totenläufer schon angelesen, fühlte mich an den Blade Runner erinnert –  und obwohl Fantasy ist nicht so mein Fach ist, bin ich nach der Leseprobe sehr angetan von Totenläufer. Ausführliche Besprechung folgt.

Und dann will ich mich großen Gefühlen stellen; in einem Text, der ganz offen und unverstellt ein Liebesroman ist. Arunika Senarath mit Diese eine Nacht. Der Titel hat was von einem Baccara-Roman, auf dem Cover ein Mann im Cut mit einer Rose im Mund. Aber in diesem mikrotext soll mehr drinstecken als eine Liebesgeschichte, die losgelöst von Zeit und Raum agiert. Neben Amina und Sten, die sich in Dresden kennen und lieben lernen, hat die Jetzt-Zeit einen Raum und kommt dem jungen Glück mit Konflikten;  und zwar die Auseinandersetzung mit differierenden politischen Haltungen. Ich bin sehr gespannt.

Damit dürfte der Januar lese- und besprechungstechnisch fast rum sein, aber ich möchte noch -und das schon seit langem – Liza Cody und Malla Nunn – beide als E-Books bei culturbooks erschienen, lesen. Ich denke, dass meine Winterferien unter dem Zeichen dieser intelligenten Kriminalromane stehen werden. Beide Autorinnen nutzen das Genre des Kriminalromans, um Zustände und Haltungen von Gesellschaftsformen aufzuzeigen. Nicht  durch die Funktion des Autorenkommentars, was immer ein wenig geschwätzig daherkommt, sondern dadurch, dass sie Zündstoff durch Anordnung von Szenen und Konzentration von Figuren nutzen. Darauf freue ich mich sehr.

Zu guter Letzt noch ein Hinweis auf einen Blog: LitAfrika, ins Leben gerufen von Sophie Sumburane. Hier bekomme ich einen guten Einblick in heutige afrikanische Literatur abseits von ausgetretenen Pfaden oder zugeschnitten auf vemeintlich europäische Bedürfnisse: “  … „Solange die Löwen sich nicht ihre eigenen Geschichten ausdenken, werden in Jagdberichten immer Jäger die Helden sein.“ ….“ (afrikanisches Sprichwort, gefunden auf LitAfrika)

Hier wurde ich auf das bemerkenswerte Gedicht von Adewale Owoade aufmerksam. Denn Dein Körper nahm den falschen Weg nach Haus. Dieses Gedicht nimmt sich eines 2016 geschehenen Mordes an; ein Jugendlicher wurde in Ondo, Nigeria, von einer Gruppe Jugendlicher so schwer zusammengeschlagen, dass er einen Tag später an seinen inneren Verletzungen starb. Der Grund für die Attacke war die angebliche Homosexualität des Opfers. Passanten und Schaulustige griffen nicht ein. Der Lyriker Owoade, Gründer des Literaturmagazins Expound, macht sich in Nigeria nicht nur mit diesem Gedicht stark dafür, Homosexualität zu enttabuisieren.

So. Das wird mein literarischer Januar sein.

Sie möchten ein E-Book lesen, aber Sie wissen nicht, wie?

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… finden Sie ein paar Tipps und Links zu kostenlosen Downloads für Programme, die Ihnen das E-Book-Lesen auf unterschiedlichen mobilen und stationären Geräten ermöglichen: Smartphone, Tablet, E-Reader oder Computer/PC.

Haben Sie ein Smartphone oder ein Tablet?

Wenn Sie ein iPhone oder ein iPad besitzen:
1. Suchen Sie im App Store die kostenlose App iBooks und installieren Sie sie. Danach sehen Sie das iBooks-Zeichen auf ihrem Desktop. In diesem Programm können Sie alle mikrotexte lesen.
2. Falls Sie direkt bei iTunes kaufen wollen: Klicken Sie auf das iBooks-Zeichen (ein aufgeschlagenes Buch). Wenn das Programm sich geöffnet hat, sehen Sie erstmal ein leeres Bücherregal. Oben in der Ecke steht das Wort STORE: Darauf klicken Sie.
3. Suchen Sie in den vom iBookstore vorgegebenen Listen (unten auf Ihrem Gerät) oder im Suchfeld (Lupe) nach einem Autor, einem Titel oder einem Verlag, zum Beispiel nach mikrotext.
4. Kaufen Sie ein E-Book per Klick auf den Preis. Meistens müssen Sie noch Ihr Passwort für den iTunes-Store angeben. Danach lädt sich das Buch von selbst und legt sich automatisch in Ihr Bücherregal.
5. Wenn Sie noch nie etwas direkt für Ihr Gerät gekauft haben, müssen Sie sich erst ein Konto bei iTunes anlegen. Dazu brauchen Sie Ihre Kreditkartendaten und das Administratorkennwort Ihres Geräts.
6. Wenn Sie nicht bei iTunes kaufen wollen, sondern in unabhängigen E-Book-Stores wie minimore, dann klicken Sie nach dem Kaufvorgang auf die Datei und dann auf das Icon “Öffnen mit”. Ihnen wird iBooks vorgeschlagen, das klicken Sie an – und das E-Book ist fortan in Ihrem iBooks-Regal zu finden.
7. Bewerten Sie doch auch das E-Book im iTunes-Store, das ist für andere Leser hilfreich.

Wenn Sie ein Smartphone oder ein Tablet haben, das auf Android läuft:
1. Nutzen Sie den Zugang zu dem E-Book-Store, den der Hersteller Ihres Geräts Ihnen anbietet, zum Beispiel Google Play für den Nexus.
2. Kostenlose Leseapps für Android sind etwa Aldiko oder Moon Reader.
3. Auch hier können Sie die E-Books, die Sie gekauft haben, bewerten.

Sie haben einen E-Reader mit E-Ink? Oder Sie wollen einen kaufen? (Hier ein Überblick mit Tests von gängigen Geräte)
1. Eigentlich sollte Ihr Reader mit einem Store verbunden sein, über den Sie per Klick einkaufen können, etwa mit dem Kobo Store für den Kobo oder der Kindle Store für den Kindle.
2. Oft werden E-Books nach dem Kauf auch als Dateilink verschickt. Schließen Sie dann Ihren Reader per USB-Kabel oder Speicher-Karte an Ihren Rechner an und legen Sie die ePub-Datei (das E-Book) in den E-Book-Ordner Ihres Geräts, der meist “E-Books” heißt.

Sie haben kein Lesegerät, aber einen Computer (Mac oder PC)?
Kein Problem: Sie können auch auf Ihrem Computer E-Books lesen.
1. Laden Sie etwa das kostenlose Programm Adobe Digital Editions oder Calibre herunter und installieren Sie es auf Ihrem Rechner. Mit einem Mac-Computer können Sie direkt bei iBooks die E-Books lesen.
2. Öffnen Sie gekaufte E-Books (ePub) über eines der installierten Programme.
3. Wenn Sie bei Amazon einkaufen wollen, installieren Sie das passende Kindle für PC-Programm für Ihren Computer. Amazon schickt die gekauften Ebooks dann direkt zu Kindle für PC. 

Viel Spaß beim E-Lesen! ..

…gut oder; die Anleitung drucke ich aus und verschenke die gleich laminiert mit. 

Und: Beachtenswert:  Die sehr spannende Reportage von Nadine Wojcik, Wo der Teufel wohnt. Exzorzisten und Besessene in Polen. Das werde ich besprechen, denn es gehen Ideen und Meinungen um in Polen, die mir selbst polnische Freunde nicht angemessen erklären können. Der Beginn war die 2015er Parlamentswahl in Polen, seitdem ist keine linke Partei mehr im Parlament vertreten, die Nationalkonservativen können allein regieren. Überall wurde die Wahl Triumph der Europaskeptiker genannt, 2016 legte das Parlament einen Vorstoß zur Verschärfung des Abtreibungsrechts vor, eines elementaren Frauenrechts, das unter anderem eine fünfjährige Haftstrafe bei Abtreibungen vorsah. Gottlob regte sich landesweiter Protest – und jetzt kommt die Dokumentation Wo der Teufel wohnt in der es um den unglaublichen Anstieg von Teufelsaustreibungen in Polen geht. Was geht vor im Nachbarland?

Cover - Nadine Wojcik - Wo der Teufel wohnt

Erscheint am 16. November 2016
ca. 100 Seiten auf dem Smartphone
ISBN 978-3-944543-39-0

PREMIERE ist am 15. November im Berliner Club der polnischen Versager. Lesung, Gespräch und Ausschnitte aus dem polnischen Dokumentarfilm Kampf mit dem Satan von Konrad Szolajski.

Freitag: In Zukunft in Berlin

Freitag, den 11.11.16 um 20.00 Uhr also im CLB Berlin- Kreuzberg, im Aufbau Haus. Wandel. Wanderung. Migration.  Neue Stücke mit: Maxi Obexer, Tania Folaji, Nina Peters, Suhrkamp Verlag, Luna Ali, Sonja Schierbaum, Yasmina Ouakidi, Musaab Al-Tuwaijari.

Ein Dramatiker schreibt in das Morgen hinein. Der Akt des Schreibens, des Sich-Mitteilens ist blanke Zukunftshoffnung. Daher freue ich mich, dass sich die Autoren, Dramatiker & Dramaturgen der In Zukunft-Reihe wieder zusammenfinden, um ihre Texte, Stücke und Essays zu präsentieren.

Nina Peters, Theaterlektorin im Suhrkamp-Verlag und Jurorin,  in der Laudatio zu Yasmina Ouakidis Stück: „… zeitgenössischem Gemurmel stellt Yasmina Ouakidi andere „Sprachen“ entgegen. Die poetische Sprache aus dem Tagebuch, das Malika in ihrem ersten Leben führte. Die aufgeregte, ausufernde Erzählung Malikas, die sich Bahn bricht, als sie zum ersten Mal ein Bild entwirft vom Ort ihrer Kindheit und Jugend. Oder das Geplapper der kranken Mutter, bevor diese sich das Leben nimmt und die in einer Suada ins Telefon ihr Schicksal quasselt, ihr Schicksal als Frau eines beruflich gescheiterten Migranten, dem ihre eigene Familie mit Hass begegnet….“

Sowie:

Luna Ali – Bacchus and Bombs
Yasmina Ouakidi – Spiegelblicke
Musaab Sadeeq Al-Tuwaijari – Ausgangssperre
Sonja Schierbaum – Das Gespenst der Archivarin
Sivan Ben Yishai – Your very own double crisis club

Und ich freue mich, aus meinem im Werden begriffenen Essay, ein mühsames Geschäft, zu lesen:  Über die Möglichkeiten der Begrenzung:  „… Ich war also gespalten, was diese Bewerbung für In Zukunft anging. Migrationshintergrund ist immer der Marker einer Sonderstellung aus der Perspektive nationalstaatlicher Sicht. Ich bin hier geboren, in Berlin, bin einmal für zwei Jahre nach Hamburg migriert, aber das klappte nicht, ich ging nach Berlin zurück. Das ist die knappe und spannungslose Geschichte meiner Migrationserfahrung. Ich wünsche mir, dass der Begriff Migrationshintergrund verschwindet, sich auflöst oder auf alle Menschen angewandt wird. Wir Menschen sind keine Bäume. Wir haben die Neigung, uns zu bewegen, zu wandern, migrieren.
Immer keimt in mir die Hoffnung vor sich hin, dass sich nationalstaatliches Denken auflöst, dieses Denken in Begrifflichkeiten des Blutes, die das Sein zementiert, verschwindet – so dass die In Zukunft-Ausschreibung wie ein Anachronismus auf mich wirkte. …“

Im Anschluss findet ein Publikumsgespräch statt mit Nina Peters, Verlegerin, Suhrkamp Theaterverlag, Tania Folaji, Autorin, und Maxi Obexer, Autorin und Gründerin des Neuen Instituts für Dramatisches Schreiben, Nids.

Freitag dann.

Logo NIDS

Sponsoren: Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, EXILE

Logo des WLT. Anklickbar, um das Hintergrundbild zu sehen

Der hackende Coyote

 

Cover – Alan Mills – Hacking Coyote

Ich beginne mit dem Fazit: Eine aufmunternde, manchmal nicht ganz ernst gemeinte Lektüre zum Netz, auch zur Wirkweise des Internets auf uns. Ein Essay, in dem es um uns geht, um das Wir, das überwältigt vor dem Bildschirm sitzt, das Wir, das etwas sucht,  und nach fünf Minuten Bildschirmaktivität vergessen hat, wonach. Und dann gibt es Hacking Coyote, ein wer, ein was, das das Internet als den letzten revolutionären Ort nimmt, in dem sich quasi jeder erst mal auf Augenhöhe begegnet. Alan Mills ist der Autor, der das Netz als einen Ort denkt, in dem Dinge subversiv hinterfragt werden können. Vielleicht ist das Netz aber auch der Ort, der … als zufällige Begegnung zwischen einem Regenschirm und einer Nähmaschine auf einem Seziertisch   … (Andre Breton) beschrieben werden kann?

 

Es soll nicht um Surrealisten gehen, es geht um Alan Mills und  Hacking Coyote, erschienen am 22. 09. 2016 im mikrotext -Verlag. Was sagt der Autor zu seinem Werk: „Dieser open-source Codex will die heutigen Informationsschmuggler mit den Rauchsignalen ihrer Totem-Tiere in Verbindung setzen.“   Schon richtig, ich würde erklärend hintansetzen, dass H. Coyote ein Essay, Feuilleton, manchmal eine Polemik ist, mit einer Unmenge an literarischen Verweisen. Es macht Lust, den mäandernden Gedankenströmen,  Reflexionen, die Hacking Coyote ausmachen, zu folgen. Coyote, der Titel, Fuchs nun oder Coyote, woraus sich auch der Anlass des Schreibens dieses Essays erklärt. Der Fuchs in den Äsopschen Fabeln oder der Coyote bei den Winnebago-Indianern ist eine mythische Figur, eine ambivalente Figur, freundlich und verschlagen, liebenswert und gewissenlos. Die Besonderheit dieser Figur ist, dass sie reift. Gewissen erlangt, weil sie lernfähig ist. Und das gilt ganz sicher auch für diese Art von Netz, vor dem ich immer sitze.

Dieses Hacking– Essay ist Punk, der Autor lässt sich nicht auf einen Punkt festnageln,  meine Gedanken waren über der Lektüre mittlerweile so weit abgeschweift, dass ich überlegte, wie ich Hacking Coyote und diese widerwärtigen Phänome Troll und Hater zusammenbringe, daneben fiel mir wieder ein: wie das Netz Sprache verändert. Wie im Netz Schriftsprache oft als gesprochenes Wort angesehen wird, obwohl die Erscheinungsform die des geschriebenen Wortes ist. Vielleicht finde ich Gedanken und Überlegungen dazu in Hacking Coyote, Teil zwei oder drei. Und das scheint mir wichtig bei H.Coyote, das als Vortrag bei der diesjährigen re:publica begann, dieses Essay assoziiert mitunter recht frei und genau dazu sind auch die Lesenden eingeladen.

Auf jeden Fall bietet Alan Mills eine anregende Lektüre, denn er setzt das Netz und noch wichtiger: Netzaktivismus mit so ziemlich allen bekannten Kulturformen und -ausprägungen gleich, von denen ich las. Nach einer grundsätzlichen These wird vergeblich gesucht, nach Einrede, Gegenrede auch. Hacking Coyote war für mich eine gelehrte und unterhaltsame Achterbahnfahrt. Danke!

 

Alan Mills, Hacking Coyote, erschienen am 22. September 2016, ca. 170 Seiten auf dem Smartphone, ISBN 978-3-944543-38-3

Erhältlich bei:
Amazon beam buecher.de Google Play Hugendubel iTunes Kobo Thalia und im Buchhandel.

Lesungen:
30. Oktober 2016: Workshop beim Stadtsprachen-Festival zu technologies of writing, Berlin
4. November 2016: Lesung beim Stadtsprachen-Festival Poetry and Polyphony, u.a. mit Binyavanga Wainaina, Rudolf Kollektiv