Das Debüt 2016 … meine Stimme geht

an… Stilistisch finde ich die fünf nominierten  Titel sehr gut und richtig ausgewählt; obwohl ich noch andere Titel im Auge hatte, die ich gern auf der Shortlist gesehen hätte.
Hier sind meine Leseeindrücke und mein Votum für das Debüt.
42510Katharina Winkler – Blauschmuck, Suhrkamp Verlag
Die Hauptfigur, Filiz, wird erzählt von ihrer Kindheit bis zu dem Punkt, an dem sie es mit Hilfe schafft, sich von ihrem gewalttätigen Mann zu trennen. Wobei diesen Mann gewalttätig zu nennen untertrieben ist. Die Geschichte handelt von Gewalt auf allen Ebenen, begangen von Männern an Frauen, der sich in Blauschmuck in allen Schattierungen äußert.  Ich mochte die reduzierte Sprache sehr, aber die Autorin verlässt sich in ihrem Debüt sehr sehr darauf, dass alles wahr ist, dass sie sich der Notwendigkeit enthoben fühlt, ihre Figuren zu entwickeln. Hauptsächlich werden in Blauschmuck Schläge variiert, die Figuren bleiben typisiert. Ich bin diesem Wahrheitsfimmel in der Literatur sowieso nicht zugeneigt, denn: die Wahrheit ist kein Ritterschlag und Wahrheit kann manchmal so bedrückend langweilig sein, dass sie kein Stoff für ein Buch ist. Man kann nicht unter dem Mäntelchen der Wahrheit Dinge erzählen, die so einseitig sind, dass sich mir die Haare sträuben. Auch wenn ich der Protagonistin sehr zugeneigt bin, ereilt sie doch das gleiche Schicksal wie der Hauptfigur von bspw. Ken Loachs Film Ladybird. Ich stumpfe ab. Ich mache dicht. Die Schrecknisse, die Brutalität, die diese Frau erleiden muss, ließen mich abstumpfen. Und der Mann, der Täter, der lässt mich ganz ratlos zurück. Ich habe keine Ahnung, wer er ist. Was er ist. Was er will. Fazit: In Blauschmuck wird Gewalt auf so penetrante Art eindimensional behandelt, die Figuren sind Holzschnitte.  Leider ein Buch, dass mich an Betty Mahmoody Nicht ohne meine Tochter erinnert hat, daher kann ich nicht für Blauschmuck votieren.
wittstock__uli___574458826cedcUli Wittstock – Weißes Rauschen oder Die sieben Tage von Bardorf, Mitteldeutscher Verlag
Ein Krimi, auf den ich mich sehr freute. In einem Funkhaus wurde ein bekannter Moderator einer Volksmusiksendung umgebracht, im Buch heißt es tourniert. In einer Zeitspanne von sieben Tagen wird ermittelt – es tritt eine ganze Armada an eigenartigem Personal auf: Kleine Politiker mit zynischen Werten, Menschen, die einem Life-Doc folgen und eine ganze eigentümliche Auffassung von Sein und Werten haben, unangenehme Radiomoderatoren. Die Erzählung ist wie ein Sampling, rasant, mir manchmal zu abrupt, teils sind Kommentarfunktionen drin, die mir die Lust auf das Lesen nehmen, ich fühlte mich gesteuert. Aber Uli Wittstock und Weißes Rauschen ist auf jeden Fall ein Buch für Leser, die abseitige Krimis aus zynischer Blickrichtung lieben, schöne Wortspiele, schöne Bilder. Für mich leider zu kaskadenartig, zu zivilisationsmüde, daher votiere ich nicht für Weißes Rauschen oder die sieben Tage von Bardorf.
cv_harter_weissblende_webSonja Harter – Weißblende, Luftschacht Verlag.
Ich hatte Sonja Harter schon in den Leseeindrücken gestreift. Mir fielen schon im ersten Kapitel einfach Sätze auf, wie „…Im Unendlichen schneiden sich die anständigsten Kinder ins Fleisch….“, die einfach zu groß geraten sind. Weißblende handelt von dem Werden des Mädchens Matilda. Im Jetzt in der Psychiatrie, im Davor Heranwachsende in einem Leben wie hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen. Dazwischen  wallen Phasen, in denen die junge Frau sich in ihrem neuen psychiatrischen Zuhause verorten muss und beobachtet, sinniert. Wieder geschraubtes Satzgut, die Metaphern schwer. Sehr gut gelungen sind die Passagen, in denen die Heranwachsende mit ihrem Vater an der Hauptstraße von Unteraubach wohnt. Vater und Kind, die Mutter ist als Foto präsent. Es hat eine schöne Stimmung, wie die Ich-Erzählerin unaufgeregt,  aber voller Zweifel die Welt beobachtet. Sie weiß noch nicht genau, was das mit dem Leben auf sich hat, aber sie ahnt, dass das, was sich so Leben nennt, kein Spaziergang sein wird. Und ihr Leben gestaltet sich tatsächlich so, wie man es sich für eine Heranwachsende nicht wünscht. Die Sprache, die lyrische Kraft finde ich sehr schön, dramaturgisch finde ich die Geschichte, die zu einem Missbrauch des Mädchens Matilda wird, eher dürftig, die Missbrauchsgeschichte gerät mir daneben, erscheint wie behauptet. Sprachlich toll, aber die Anlage der Geschichte, also der vielfache Missbrauch der Matilda, habe ich wie als ein Konstrukt gelesen. Konstruiert, um die Hauptfigur in der Psychatrie landen zu lassen, um eine große Geschichte aufzureißen. …
„Hier werden die Hände unweigerlich braun: auf den Straßen, auf den steilen Feldern, in den Ställen, in den Vaginas der minderjährigen Töchter.“ Was steckt da für eine Farbpsychologie hinter?
ymir-cover-1Philip Krömer – Ymir oder aus der hirnschale der himmel, homunculus Verlag
1939, ein hochgeheimer Expeditionstrupp bestehend aus VonUndZu, KleinHeinrich und dem  „…  Ein Mann für fachliche Expertise, einer fürs Gelände. Was wir noch brauchen, ist ein Erzähler, der nachher alles zu Literatur macht. Weil auch wir an großen Stoffen weben.“ Ob er mir ein paar Anhaltspunkte geben könne, zur Einstimmung, für die vorbereitende Recherche? „Sagen wir: es geht um einen weißen Fleck, der nicht auf den Landkarten zu finden ist. Mehr sagen wir nicht. Und über das Wenige, das ich sagte, schweigen wir wie ein Grab, ja?“ …“   Erzähler. Das ist der Auftrag, da sind die Figuren. Und der Erzähler schreitet zur Tat. Erzählt. Berichtet von der Expedition, die er im Gegensatz zu anderen überlebte. Was den Text dominiert, ist eine stets und beständig abschweifende, genüsslich wegdriftende Gedankenstimme, die sich nicht festnageln lässt, Kapriolen schlägt, sich erinnert, dabei durchaus  ihrer eigenen Logik folgt. Die gedrechselten Sätze, die gesamte Vintage-Sprachhaltung macht Spaß. Der Spaß um das recht eigenartige Team (ja, sprechende Namen, ja die Weltensaga wird kolportiert, liebe Grüße an die Intertextualität) kann beginnen, wird unterstützt durch Kapitelüberschriften und anatomische Zeichnungen. Und wenn der Text ausufert, dann schien es mir Strukturbestandteil. Philipp Krömer mit Ymir oder aus der hirnschale der himmel ist meine Nummer zwei. 
9783462048919Shida Bazyar – Nachts ist es leise in Teheran, Kiepenheuer und Witsch
Ich mochte das Debüt von Shida Bazyar sehr. Leben, wenig Freude, aber viel Leid über vier Jahrzehnte. 1979, die iranische Revolution ist das schicksalsauslösende Ereignis, das in fünf Menschen hineinwirkt. Die iranische Revolution. Hoffnung auf eine neue Ordnung, auf eine freieres Leben nach dem Schah. Schnell werden Hoffnungen im Keim erstickt, im Evin-Gefängnis zerstört. In Zehn-Jahressprüngen berichten erst der Vater, die Mutter und dann die Kinder von ihrem Leben, wobei die Tochter Laleh, deren Stimme 1999 einsetzt, die stärkste und interessanteste ist. Lalehs Sein ist nicht so intakt wie das ihrer Eltern, für die Deutschland das Land ihrer Emigration ist. Laleh muss sich aufspalten, sie lebt ein Teil Leben mit ihren Eltern, ist deren Sehnsucht ausgeliefert, aber ihr bleibt deutsches Leben nicht fremd. Ich hätte mir von der Figur der Laleh eine spannendere Auseinandersetzung um Identität und Heimat gewünscht. Weiterhin spannend die Anordnung. Alle Figuren haben ihre Stimme, ihre Perspektive, ihr Sein. Wie die Mutter aus der Perspektive ihres Mannes an Gestalt gewinnt: In Teheran ist sie eine literaturliebende, unabhängige Frau, in der Emigration wird sie mit ihrer Stimme zu einer unsicheren, traurigen, alles abwehrenden Frau. Laleh, die genaue Beobachterin, erlebt die Mutter bei einem Besuch im Iran teilweise entfremdet. Denn die Realität im Iran  kann nur blass sein angesichts der Sehnsucht der Mutter.
Lalehs Geschwister fand ich eher blass, sie kamen mir erzählt vor.

Nachts ist es leise in Teheran: Zersplitterte Biographien, ein Leben voller Sehnsucht  in Unvollkommenheit. Weil die Heimat nicht mehr ist. In der zweiten Generation besteht zur Heimat ein gebrochener Bezug. Und da ist mein  Knackpunkt: Hier wird Nationalität ganz simpel mit Identität gleichgesetzt. Das ist mir zu kritiklos. Und unrichtig. Da kuschelt sich ein schöner Stoff zu sehr in der Schublade Migrantenliteratur.

Fazit: Trotz meines Einwandes votiere ich für Nachts ist es leise in Teheran. Denn es fühlte sich an wie eine Saga, es ist ein weitreichendes Werk über die 1979er Revolution und ihre Folgen, um Entwurzelung, Verlust und Heimat.

Was können Preise bringen?

Preise, Preise, Preise. Nachdem der Lovelybooks-Lesepreis durch ist,  LeserInnen 2016 bestimmten die besten Bücher in 2016. Ich gratuliere den Gewinnern spät, aber dennoch recht herzlich – und bekenne gleichzeitig, dass der  Lovelybooks-Lesepreis  auch der Kleine-Bahnhofskiosk-GroßeSchrift-Buchpreis sein könnte. Ich bin missgestimmt, denn als ich vor ein paar Jahren auf den Lovelybooks Lesepreis aufmerksam wurde, hatte ich mir mehr erhofft. Mehr Innovation, mehr Indie, eine größere Präsenz von E-Book-Verlagen, mehr Selfpublisher, mehr Hybrid, überhaupt Texte und AutorInnen, die nicht konsequent durch ein Verlagsnadelöhr getrieben wurden.

Warum ich lese? Weil ich überrascht werden will. Und ich will berührt werden. Denn ich gleiche die Geschichten und Menschen, auf die ich in Büchern treffe, mit den Geschichten und Menschen zu meinem Leben ab. Ich will in Anderem Ähnliches finden und in Vertrautem Fremdes. Das ist mein Antrieb, den Reader anzuschalten oder ein Buch aufzuschlagen. Das ist mein Antrieb, ein Buch zu kaufen. Und sehr oft sehe ich mittlerweile zuerst die Absicht, mir ein Buch zu verkaufen als ein Thema, dass am Herzen liegt und mir nahe gebracht werden könnte. 

Da Verlage heute kaum noch Schreiber akquirieren (können), sind Plattformen wie neobooks, Lovelybooks und der Blogbuster Preis gute Möglichkeiten, sich Neues und Unerwartetes zu erschließen.

Der Blogbuster-Preis ist neu. Auch hier ist es das erklärte Ziel, eine literarische Stimme zu finden. Immer gut. Immer notwendig. Und: Die Modalitäten für eine Bewerbung sind recht offen. Allerdings müssen sich AutorInnen gleich durch zwei Nadelöhre, sie müssen einen Blogger überzeugen, der wiederum das ausgewählte Manuskript einer Jury (wie immer namhaft) präsentiert. Und dann übernimmt die Jury.  – Aber wenn es dem Ergebnis dient –  ich kann mich nur wiederholen …. Ich möchte überrascht werden. In der Bloggerjury sind gute Leute wie z.B. Katharina Herrmann von Kulturgeschwätz, Jochen Kienbaum von Lust auf Lesen, die mich oft mit ihrer Art, Texte zu behandeln, positiv überraschen, also aus der Perspektive gesehen könnte das eine Supersache sein, der Blogbuster-Preis. Eine andere Sache ist das von mir als schwierig bewertete netzhautreizende Achtziger-Jahre-Logo, dass aussieht wie nächste Abfahrt Outlet-Store in Großraumdisco.

Wie dem auch sei, ich wünsche mir was. Viele Einreichungen, auf dass die Blogger vom Lesen rote Köpfe kriegen und dann wünsche ich mir noch, dass beide Seiten, Blogger wie Juroren des Blogbuster-Preises, sich nicht auf eingefahrene Schienen verlassen.

„… Anforderungen an die Einsendungen

Teilnehmen dürfen Autoren mit einem Manuskript nur dann, wenn dieses noch nicht bei einem Verlag als Printausgabe erschienen ist. Ausgenommen hiervon sind Veröffentlichungen im Selbstverlag. Teilnehmen dürfen auch Autoren, die bereits durch einen Agenturvertrag gebunden sind. Von der Teilnahme ausgeschlossen sind Minderjährige, Mitarbeiter des Klett-Cotta Verlags und seiner Tochterunternehmen, sowie Mitarbeiter der Elisabeth Ruge Agentur GmbH….“

Einreichen. Überraschen. Berühren. Und hoffentlich gewinnen. Viel Glück!

 

 

Schade

9783646600902_1446839374000_lDie Abstimmungsmöglichkeiten  bei Lovelybooks für das E-Book des Jahres 2015 sind doch arg begrenzt. Die Auswahl der ca. 25 Besten, des Top-Angebots an E-Books, für die ich beim Lesepreis voten kann, … diese Auswahl sieht aus wie auf einem Bahnhofskiosk in der Provinz. Ich möchte nicht  die Provinz schmähen, ich meine damit: wo Auslagemöglichkeiten klein und der Kundenkreis begrenzt ist, da kommt der kleinste gemeinsame Nenner zu seinem Recht.

Würde ich NIE Elektrobücher lesen und wäre jetzt zufällig auf die Abstimmungs-Seite für den Lovelybooks Leserpreis gestoßen, dann wäre mein Eindruck, gemessen an dem Angebot, folgender:

  1. Elektrische Bücher werden (überwiegend) von Frauen gelesen. Grund: Genre-Literatur, weiblich, Themen kreisen um : wie finde ich Ihn? Oder doch erstmal die erste Wohnung? Will er mich? Wenn ja, wann (hoffentlich bald) und wird mir verziehen, dass ich voreehelichen Sex hatte? Oder Fantasy: In einem Feenreich träumt die wunderschöne Blablalall vor sich hin … und dann kommt der fesche Istmiregal …
  2. Wegen 1 würde ich als vermeintliche Nicht-E-Book-Leserin davon ausgehen, dass Frau entweder sehr langsam liest und denkt, weshalb nicht so hyperviele Infos, bzw. der Inhalt übersichtlich bleibt. Das stimmt mich traurig.
  3. Die meisten der veröffentlichten Titel stammen aus dem Impress, Lyx oder midnight Verlag, was Ausgründungen großer Publikumsverlage sind. Die dominieren das Angebot mit Genre-Trieb-Liebe-Schmerz-Literatur. Leider nur  zwei (Stand 18.11.15) Selfpublisher dabei. Schade.
  4. Genre-Literatur, Mainstream-Literatur oder das literarische Buch. Es geht mir nicht darum, herumzuschreien: Was ist besser, was geht gar nicht, was ist Schund?  Ich meine, dass es doch immer die Mischung ist, die ein Angebot -wie hier elektrische Bücher – interessant und beachtenswert macht. Es ist also die  Dosis, die das Gift bestimmt. Der Lovelybooks Lesepreis 2015 kommt mir giftig vor.

Indie-Autor-Preis 2015 Der 2. Platz des Jurypreises, geht an den lesenswerten Essayband von Philip Meinhold O Jugend, O Westberlin

…Jurybegründung:

„Philip Meinhold gelingt mit „O Jugend, O West-Berlin“ ein doppeltes Erinnerungsbuch. Gemäß einer Sentenz von Alexander Kluge, nach der nicht nur Menschen sondern auch Gegenstände und Landschaften Lebensläufe haben, spiegeln sich in seinen Texten vier Jahrzehnte persönliche Geschichte und Westberliner Lebensgefühl in der Entwicklung Berlins: von der provinziellen, leicht miefig und verkehrsberuhigt anmutenden Großstadt der 70er und 80er Jahre über die hippe Metropole nach dem Mauerfall bis zur heutigen Partyhauptstadt der westlichen Welt.“…

Zum dritten Mal auf der Leipziger Buchmesse: Der Indie-Autor-Preis, ausgelobt von der Leipziger Buchmesse und neobooks. Bei diesem Preis liegt das Augenmerk auf der Gesamtleistung, also Werk, Marketingstrategien,  Presse und Vertrieb.

In der letzten Woche waren bei mir Bücher in, die sich mit Erinnertem, mit nicht mehr real existierender Zeit beschäftigten. Zum einen Westbam, die Macht der Nacht und – der 2. Platz des Jurypreises, Philip Meinhold. Beide erinnern sich, jeder auf seine Weise – bei Meinhold kommt vieles, was an Jugendzeiten erinnert, wie der Quelle-Katalog, die Grüne Woche und Regionalliga-Fußballclubs zu ihrem Recht (leider nicht Wacker Lankwitz) – bei Westbam eher Drogen.

Für mich war es bei O Jugend, O West-Berlin wie mit einem vergilbten Fotoalbum in der Hand und Erinnerungslücken im Kopf – Wie hieß der noch gleich?-, -Moment, es liegt mir auf der Zunge, Moment! – O Jugend …. hat die Antworten.  Den Quelle Katalog auf den Knien. Es war jahrelang ein tage füllendes Spiel für uns:  -Wie würdest du später deine Wohnung einrichten?– und: -Stell‘ dir vor, du hast die Laube deiner Großtante geerbt, die muss neu eingerichtet werden und deine Kinder brauchen Anziehsachen, du hast aber nur 200 DM. – Das konnte dauern. Kinderspiele, vom Messblatt der Erinnerung, und das Schöne ist, dass alle Kinderspiele sich irgendwie ähneln.

Zu viel Gefiltertes neigt zum Kitsch, nicht so bei  der von Meinhold in Westberlin verlebten Jugend.  Fein gefallen hat mir auch der Essay über die Westberlins Kinos, überhaupt ist das ein Buch zum Blättern, nicht ein Buch, das vom Anfang bis zur letzten Zeile gelesen werden muss, auch weil die Reportagen keiner sich mir erschließenden Logik folgen, egal.  Oft erinnere ich mich noch an Filme, die ich sah, aber nicht mehr, wie das betreffende Kino hieß; auch hier hilft O Jugend …  .Was fehlte, war der Blaue Satellit oben am Halensee mit seinem Sonntagnachmittag-Tanztees, die berlinsche Hinwendung zur  Schwarzwälder-Kirschtorte, daneben ein Likörglas Sauer mit Persiko …. ich glaube, diese wunderbare Sammlung von Essays, Reportagen, manchmal fast Erzählungen, hängen zum einen am Ort, zum anderen an der erzählten Zeit und sind daher nicht ausschließlich als Regionalia zu betrachten.

Überhaupt Berlin: Für jeden Berliner, womit im Grunde die Zugezogenen gemeint sind, denn das sind die leidenschaftlichsten Berliner, siehe Kreuzberg 36 und 61*, ist das mal ein durchweg angenehmes Buch zum Blättern, Erinnern und Liebhaben.  Wäre O Jugend … ein Print, so wäre es endlich mal ein interessantes Coffee-Table-Book.

„… Es ist spät geworden für alte Damen. Und ich merke, wie müde ich bin von so viel Berlin.  …“ Auch von einem großen Berlinschreiber.  Franz Hessel, Ein Flaneur in Berlin, Das Arsenal, Berlin 1984, Neuausgabe von Spazieren in Berlin (1929)

Und die Gewinner des Indie-Autor-Preis 2015 sind:

  1. Mikki H., Pilluralli, ATPC Media, VÖ 29.05.2014, 4,99 Euro
  2. Philip Meinhold, O Jugend, O Westberlin, Reportagen Essays Kolummnen, 2,99 Euro
  3. Farina de Waard: Zähmung – das Vermächtnis der Wölfe (Band 1), Fanowa Verlag, VÖ: 21.01.215, 4,99 Euro

Sich in Polen einen Bob schneiden lassen von Magdalena Jagelke und Deadline: Indie-Autor-Preis 2015

Sicher besteht die Möglichkeit, sich in Polen einen Bob schneiden zu lassen, aber es können auch die Erzählungen von Magdalena Jagelke gelesen werden,  die überdies länger Spaß machen als ein Haarschnitt, der eh nur rauswächst.

In dem Erzählband sind Geschichten von, über und mit Frauen versammelt, bis auf wenige Ausnahmen im Heute erzählt. Kurzsichtigkeit im Schreiben ist der Autorin nicht gegeben und genau da entstand  beim Lesen meine große Freude: Es ist dieser sehr genaue Blick von kargen Alltagsbeschreibungen, zum Beispiel in der Geschichte um eine Hochzeit, demgegenüber stehen nüchterne Handlungen, von denen der Akt des Beinerasierens vielleicht die prosaischste ist.

Die mich am meisten überraschendste Geschichte gleich zu Beginn dieses E-Books der unerwartet schönen Erzählungen heißt: Im Orang-Utan Europas, die mir die temporäre Nichtexistenz des Landes Polen über Jahrhunderte eindrücklich vor Augen führte, lebendig gemacht durch eine wunderschöne, mutige Frauenfigur, die Zofia.   

Meine schönste Geschichte, Agnieszka, behandelt ein Treffen zweier Frauen, bei der Fotos einer Pilgerfahrt angeschaut werden. Die eine ist gläubig, die andere nicht. Auszug aus den Aufzeichnungen der Agnieszka: „…. Lass niemanden zwischen Gott und dich. Gib Acht und rechne mit Überraschungen. Rechne mit Enttäuschungen. Das Leben ist nicht einfach. Das Leben ist eine Prüfung, vergiss das nicht. Verzweifle nicht an deinem Leben. Die Zukunft bringt ein Reich, das von Gott ist. …“

Besser geht nicht. Es ist nicht einfach, mit neuen Bezugssystemen das Gefühl, wer man ist, was man ist, bei sich zu behalten. Die eine treibt ihre Liebe zu Gott auf die Spitze, die andere will leben und diese Systeme leben nebeneinander – ohne störende Autorenwertung. Und da ist auch das Thema des Buches: Das Nebeneinander  – mit einem Bein hier und mit dem anderen da, in Beziehungen, in Entscheidungen, räumlich-geografisch. Es gibt Hoffnung: Die Protagonistinnen halten das Ziehen und Zerren ganz gut aus.

Die Beschreibungen sind kurz und präzise, also herrlich. Wie allein schon das liebevoll gestaltete Heftlein der Agnieszka Kowalski mit ein paar Sätzen beschrieben wird, das Büchlein, in das die junge Frau ihre Gedanken und Liebe zu Gott fließen lässt, sind subversiv beobachtet und werden dadurch unglaublich komisch, obwohl eigentlich nichts lustig ist.

Magdalena Jagelke, geboren 1974, seit 1986 in Deutschland lebend. Nominierung für den Lyrikpreis München 2010, Merck-Stipendiatin, Mutter und Mutter ihrer ersten traumschönen Erzählsammlung; Sich in Polen einen Bob schneiden lassen. CulturBooksVerlag 2015, VÖ-Datum: 01.01.2015, ISBN 978-3-944818-75-7, 3,99 Euro.

 

Der Indie-Autor-Preis 2015, Leipzig

Selbstpubliziertes hat sich nicht nur im E-Book-Handel, sondern mittlerweile auch auf den Buchmessen etabliert.

Zum dritten Mal in Folge wird am 14.03.15 auf der Leipziger Buchmesse der Indie-Autoren-Preis verliehen.

Dieser Preis, ausgelobt von der Leipziger Buchmesse und neobooks, soll die engagierte Arbeit von Self-Publishern loben, die, denn nach dem Schreiben wartet auf die SPler Vermarktung, Vertrieb, Organisation von Lesungen und vieles mehr.  Das Wichtigste zum Schluss: Bis um 23:59 Uhr kann (und sollte) für Lieblingsbücher oder –Autoren abgestimmt werden.  Zur Abstimmung hier: Shortlist

Leipziger Buchmesse: Der Indie-Autor-Preis 2015

Seit 2013 haben Self-Publisher auf der Leipziger Buchmesse ihren eigenen Preis.  Auch dieses Jahr hat die Leipziger Buchmesse in Kooperation mit der  Self-Publisher-Plattform Neobooks den Indie Autor Preis 2015 ausgelobt. Es soll  das beste E-Book gekürt werden, wobei sich die Kriterien auf zwei Säulen stützen: einem gelungenem Marketing und inhaltliche Qualität.

Einreichen können Autoren, aber auch Leser, die für ihr SP-Lieblingsbuch voten möchten. Kategorien wie Sach- oder Kinderbuch existieren nicht, eine Jury wird eine Shortlist erstellen, für die dann gevotet werden kann. Demnach kann gewonnen werden: Der Community-Preis, Gewinner aus den Votings der Shortlist und der Indie-Autor-Preis.

Ende der Bewerbungsfrist: 23.01.2015

Wann steht der Gewinner für den Indie-Autor-Preis 2015 fest? Am 10.03.2015.

Wann ist die Preisverleihung? Am 14.03.2015.

Die Preisträger des Virenschleuderpreises 2014

Hier sind Sie, die von der Jury gewählten Preisträger des Virenschleuderpreises 2014.

Bei dem Vsp14, ins Leben gerufen von Leander Wattig,  geht es darum, ansteckendes Marketing in der Publishing-Branche sichtbar zu machen. Ansteckung wird zu Virus, daher der Name Virenschleuderpreis. Die Kategoren waren: Ansteckenste Maßnahme/ Strategie,  Ansteckenste Persönlichkeit und die Ansteckenste Idee im Web.

Bewerben konnten sich die Teilnehmer selbst oder vorgeschlagen werden, das Ranking der Top 10 ergab sich aus den Facebook-Likes ( schade für den, der sich Facebook verweigert), danach hatte eine Fachjury die Qual der Auswahl. Und das sind die Sieger:

Ansteckenste Maßnahme/Strategie geht an die Buchhandlung Lessing und Kompanie in Chemnitz für die Fotoaktion ‚Kunden und ihre Lieblingsbücher‘. Ziel der Aktion war, Menschen und ihre Lieblingsbücher auf ein Bild zu bannen, Leseleidenschaften sichtbar machen, die Präsenz eines Buches im Alltag aufzuzeigen.

Ansteckenste Idee geht an das Projekt #myRembrandt der Pinkakotheken im Kunstareal München, die eine Teilschließung zur Sanierung der Alten Pinkaothek wie folgt nutzten: Sie schickten eine Reproduktion von Rembrandts jugendlichem Selbstbildnis auf Reisen unter dem Motto Zeig Rembrandt deine Welt! Die Tour startete am 15.07.,  Rembrandts Geburtstag und schloss am 04.10., seinem Todestag. Begleitet werden konnte Rembrandt unter #myRembrandt.

Ansteckenste Persönlichkeit im Vsp14 ist  Zoë  Beck, Autorin, Übersetzerin und Co-Inhaberin  des E-Books-Verlages Cultur-Books – Elektrische Bücher. Die Begründung lautet unter anderem: „…An ihr kommt man zum Glück im Social Web nicht mehr vorbei. Wir brauchen mehr Menschen, die ‚digital‘, ‚Buch‘ und ‚Zukunft‘ in einem Satz denken können, ohne sich zu verschlucken!“… (Lisa Rank, Journalistin)

Meine herzlichsten Glückwünsche!