Kunst. Freiheit? Kunstfreiheit -Artikel 5, Abs.3 GG

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Die AFD-Fraktion der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung hat am 13. Mai in einer Pressemitteilung die Intendanz des Hans-Otto-Theaters,  Potsdam,  aufgefordert, das Stück Illegale Helfer der Autorin Maxi Obexer, vom Spielplan zu nehmen.

Brauchen wir einen Zensor? Natürlich nicht. Was mir auffällt, ist die Selbstverständlichkeit, mit der die AFD  Demokratie nicht aushält. DENN: Die Kunstfreiheit ist als ein Grundrecht in der Verfassung, Artikel 5, Abs. 3, Grundgesetz besonders hervorgehoben. Die meisten Grundrechte enthalten einen Gesetzesvorbehalt, das heißt, das Grundrecht wird im Rahmen der Gesetze gewährleistet. Bei der Kunstfreiheit hingegen ist ein solcher Gesetzesvorbehalt im Grundgesetz nicht ausgesprochen. Die Kunstfreiheit ist also nicht nur im Rahmen der Gesetze gewährleistet, sondern schlechthin und immer und als solches.

Das müsste die AFD doch wissen, also: warum schreiben sie Pressemitteilungen, deren Inhalt dem Grunde nach Bekenntnisse sind? Sie schreiben, dass die Partei die Aufführung von Stücken ablehnt, die Gesetzesbrüche tolerieren, bzw. diese für gut befinden.

Diese Begründung läuft völlig fehl, denn es geht in dem Stück Illegale Helfer um Gewissensentscheidungen von Einzelnen, die sich manchmal -unversehens- damit konfrontiert sehen, zu helfen/helfen zu müssen. Und diese Menschen entscheiden sich. Mal so und mal so. Es ist insgesamt ein bewegendes Stück, dass die Frage aufwirft und weitergibt, direkt an den Zuschauer: Was würdest du tun, wenn jemand neben dir Hilfe braucht? Eine zutiefst menschliche Frage und niemals eine Aufforderung, Gesetzesbrüche zu tolerieren.

Nachstehend möchte ich der AFD Fraktion der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung ein paar Stücke soufflieren, damit auch in Zukunft genug Material für Pressetexte vorhanden ist! Lieber Gruß

  1. Ödipus. Tötet seinen Vater, hat Sex mit seiner Mutter &  Kinder mit ihr.
  2. Medea. Tötet ihre Kinder (2)
  3. Die Ratten, An- und Verkauf eines Kindes, vollzogen durch P. Piperkarcka und Frau John, schließlich noch Mord an P. Piperkarcka
  4. Lulu, Mord
  5. Die Passionsspiele, von Meineid über Körperverletzung bis hin zum Mord

Diese fünf Highlights sind mir auf die Schnelle eingefallen und die finden mit Sicherheit immer auf irgendeiner Bühne statt. ich empfehle der AFD Vordrucke für ihre Pressemitteilungen, dann geht das schneller mit den sinnlosen Statements.

 

Lesenswerte Zeitungskommentare:

Rbb-Online

Märkische Allgemeine

Nachtkritik: Theater verpflichtet

Schade

9783646600902_1446839374000_lDie Abstimmungsmöglichkeiten  bei Lovelybooks für das E-Book des Jahres 2015 sind doch arg begrenzt. Die Auswahl der ca. 25 Besten, des Top-Angebots an E-Books, für die ich beim Lesepreis voten kann, … diese Auswahl sieht aus wie auf einem Bahnhofskiosk in der Provinz. Ich möchte nicht  die Provinz schmähen, ich meine damit: wo Auslagemöglichkeiten klein und der Kundenkreis begrenzt ist, da kommt der kleinste gemeinsame Nenner zu seinem Recht.

Würde ich NIE Elektrobücher lesen und wäre jetzt zufällig auf die Abstimmungs-Seite für den Lovelybooks Leserpreis gestoßen, dann wäre mein Eindruck, gemessen an dem Angebot, folgender:

  1. Elektrische Bücher werden (überwiegend) von Frauen gelesen. Grund: Genre-Literatur, weiblich, Themen kreisen um : wie finde ich Ihn? Oder doch erstmal die erste Wohnung? Will er mich? Wenn ja, wann (hoffentlich bald) und wird mir verziehen, dass ich voreehelichen Sex hatte? Oder Fantasy: In einem Feenreich träumt die wunderschöne Blablalall vor sich hin … und dann kommt der fesche Istmiregal …
  2. Wegen 1 würde ich als vermeintliche Nicht-E-Book-Leserin davon ausgehen, dass Frau entweder sehr langsam liest und denkt, weshalb nicht so hyperviele Infos, bzw. der Inhalt übersichtlich bleibt. Das stimmt mich traurig.
  3. Die meisten der veröffentlichten Titel stammen aus dem Impress, Lyx oder midnight Verlag, was Ausgründungen großer Publikumsverlage sind. Die dominieren das Angebot mit Genre-Trieb-Liebe-Schmerz-Literatur. Leider nur  zwei (Stand 18.11.15) Selfpublisher dabei. Schade.
  4. Genre-Literatur, Mainstream-Literatur oder das literarische Buch. Es geht mir nicht darum, herumzuschreien: Was ist besser, was geht gar nicht, was ist Schund?  Ich meine, dass es doch immer die Mischung ist, die ein Angebot -wie hier elektrische Bücher – interessant und beachtenswert macht. Es ist also die  Dosis, die das Gift bestimmt. Der Lovelybooks Lesepreis 2015 kommt mir giftig vor.

Dein Lesepreis 2015

von Lovelybooks läuft unter dem Motto: Von Lesern nominiert, von Lesern prämiert. Bis zum 12.11.2015 kann jeder Leser bis zu drei Bücher je Kategorie (Krimi, Sachbuch, etc.) nominieren. Allerdings müssen es Bücher sein, die in diesem Jahr veröffentlicht wurden.

Aus diesen Nominierungen erstellt Lovelybooks eine Shortlist mit je 25 Titeln pro Kategorie, die am 16.11.2015 freigeschaltet wird. Der Leserpreis wird zum siebten Mal in Folge vergeben, hier die Gewinner aus 2014.

Und ich würde mich freuen, wenn es in 2015 endlich mehr SelfPublisher, IndieAutoren und Autoren aus reinen E-Book-Verlagen auf die Nominierungslisten, und weiter schaffen würden. In diesem Sinn: Viel Spaß beim Wählen.

Gratulation: Die #vsp15 Shortlist

An alle, die mitgemacht haben.

Es konnte -wie im letzten Jahr- gestimmt werden für: Ansteckenste Kampagne, Ansteckenste Strategie/Plattform, Ansteckenste Idee, Team des Jahres und Persönlichkeit des Jahres. Hier die Nomimierten. Jetzt übernehmen die Juroren.

Für die Gewinner gibt es den Virenschleuderpreis auf der Frankfurter Buchmesse am 16.10.2015 ab 18.30 Uhr, Freigetränke, Snacks, alles da.  Die Moderation übernehmen Karla Paul und Leander Wattig. Der Veranstalter ist orbanism.

Indie-Autor-Preis 2015 Der 2. Platz des Jurypreises, geht an den lesenswerten Essayband von Philip Meinhold O Jugend, O Westberlin

…Jurybegründung:

„Philip Meinhold gelingt mit „O Jugend, O West-Berlin“ ein doppeltes Erinnerungsbuch. Gemäß einer Sentenz von Alexander Kluge, nach der nicht nur Menschen sondern auch Gegenstände und Landschaften Lebensläufe haben, spiegeln sich in seinen Texten vier Jahrzehnte persönliche Geschichte und Westberliner Lebensgefühl in der Entwicklung Berlins: von der provinziellen, leicht miefig und verkehrsberuhigt anmutenden Großstadt der 70er und 80er Jahre über die hippe Metropole nach dem Mauerfall bis zur heutigen Partyhauptstadt der westlichen Welt.“…

Zum dritten Mal auf der Leipziger Buchmesse: Der Indie-Autor-Preis, ausgelobt von der Leipziger Buchmesse und neobooks. Bei diesem Preis liegt das Augenmerk auf der Gesamtleistung, also Werk, Marketingstrategien,  Presse und Vertrieb.

In der letzten Woche waren bei mir Bücher in, die sich mit Erinnertem, mit nicht mehr real existierender Zeit beschäftigten. Zum einen Westbam, die Macht der Nacht und – der 2. Platz des Jurypreises, Philip Meinhold. Beide erinnern sich, jeder auf seine Weise – bei Meinhold kommt vieles, was an Jugendzeiten erinnert, wie der Quelle-Katalog, die Grüne Woche und Regionalliga-Fußballclubs zu ihrem Recht (leider nicht Wacker Lankwitz) – bei Westbam eher Drogen.

Für mich war es bei O Jugend, O West-Berlin wie mit einem vergilbten Fotoalbum in der Hand und Erinnerungslücken im Kopf – Wie hieß der noch gleich?-, -Moment, es liegt mir auf der Zunge, Moment! – O Jugend …. hat die Antworten.  Den Quelle Katalog auf den Knien. Es war jahrelang ein tage füllendes Spiel für uns:  -Wie würdest du später deine Wohnung einrichten?– und: -Stell‘ dir vor, du hast die Laube deiner Großtante geerbt, die muss neu eingerichtet werden und deine Kinder brauchen Anziehsachen, du hast aber nur 200 DM. – Das konnte dauern. Kinderspiele, vom Messblatt der Erinnerung, und das Schöne ist, dass alle Kinderspiele sich irgendwie ähneln.

Zu viel Gefiltertes neigt zum Kitsch, nicht so bei  der von Meinhold in Westberlin verlebten Jugend.  Fein gefallen hat mir auch der Essay über die Westberlins Kinos, überhaupt ist das ein Buch zum Blättern, nicht ein Buch, das vom Anfang bis zur letzten Zeile gelesen werden muss, auch weil die Reportagen keiner sich mir erschließenden Logik folgen, egal.  Oft erinnere ich mich noch an Filme, die ich sah, aber nicht mehr, wie das betreffende Kino hieß; auch hier hilft O Jugend …  .Was fehlte, war der Blaue Satellit oben am Halensee mit seinem Sonntagnachmittag-Tanztees, die berlinsche Hinwendung zur  Schwarzwälder-Kirschtorte, daneben ein Likörglas Sauer mit Persiko …. ich glaube, diese wunderbare Sammlung von Essays, Reportagen, manchmal fast Erzählungen, hängen zum einen am Ort, zum anderen an der erzählten Zeit und sind daher nicht ausschließlich als Regionalia zu betrachten.

Überhaupt Berlin: Für jeden Berliner, womit im Grunde die Zugezogenen gemeint sind, denn das sind die leidenschaftlichsten Berliner, siehe Kreuzberg 36 und 61*, ist das mal ein durchweg angenehmes Buch zum Blättern, Erinnern und Liebhaben.  Wäre O Jugend … ein Print, so wäre es endlich mal ein interessantes Coffee-Table-Book.

„… Es ist spät geworden für alte Damen. Und ich merke, wie müde ich bin von so viel Berlin.  …“ Auch von einem großen Berlinschreiber.  Franz Hessel, Ein Flaneur in Berlin, Das Arsenal, Berlin 1984, Neuausgabe von Spazieren in Berlin (1929)

Und die Gewinner des Indie-Autor-Preis 2015 sind:

  1. Mikki H., Pilluralli, ATPC Media, VÖ 29.05.2014, 4,99 Euro
  2. Philip Meinhold, O Jugend, O Westberlin, Reportagen Essays Kolummnen, 2,99 Euro
  3. Farina de Waard: Zähmung – das Vermächtnis der Wölfe (Band 1), Fanowa Verlag, VÖ: 21.01.215, 4,99 Euro