„… Es gibt kein Zentrum der europäischen Moderne. Wir reiten alle auf Eseln und suchen das Glück. …“ Istanbul Notizen, von Mely Kiyak

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Wo soll es enden? Das war 2016 der letzte Satz meines Versuchs der Beschreibung des eindringlichen Reiseberichts von Mely Kiyak, die mit einem Literaturstipendium nach Istanbul geht. Unvermutet bündeln sich Proteste, finden ihr Ziel und ihren Kundgebungsort im Gezi-Park. Die Autorin mittendrin, sie beginnt, die vielfältige Menge zu porträtieren, die sich vor vier Jahren zusammen schloss, um gegen das Regime von Erdogan auf die Straße zu gehen.

Ich möchte diesen Text vom Aufbruch der Proteste aus der Mitte der Gesellschaft noch einmal posten, auf die Istanbul Notizen hinweisen, denn die Veränderungen und das Auseinanderdriften von Positionen in der Türkei haben eine unglaubliche Geschwindigkeit erreicht. Tag eins nach dem Referendum.

Die sehr lesenswerten Istanbul Notizen führen zurück in das Jahr 2013? Wie fing es an?

…2013 beginnen die Istanbuler Notizen als ein Reisebericht, schnell wandelt sich das Format in ein  politisches Sachbuches. Das Postskriptum: „… Es gibt kein Zentrum der europäischen Moderne. Wir reiten alle auf Eseln und suchen das Glück. …“

  1. Ein Literaturstipendium zieht die Autorin Mely Kiyak leicht unlustig  nach Istanbul, angekommen, muss sie sich einfinden in die siebzehn Millionen-Stadt. Die Stadt prallt auf sie, laut sind die tumultarischen Impressionen,  Klänge, Geräusche, Lautstärken, sogar der Maiskolbenverkäufer hat seinen eigenen Sound. Die Autoren lebt sich ein, findet sich – hat Spaß, freundet sich an mit Istanbul  … und dann geht was los.
  2. Proteste. Kiyak beschreibt, wer da alles auf der Straße ist: JournalistInnen, SchriftstellerInnen, FeministInnen; politische AktivistInnen, es sind so viele, die etwas fordern, jede mit einem Anliegen, auf die Spitze getrieben heißt das Demokratie. Kiyaks  Eindrücke, die sich mit einem Mal  als politische Journalistin wiederfindet, die erst einmal selbst verorten muss, was passiert? Die dringend aus dem Ausland gebeten wird zu erklären: Warum diese Proteste? Was war der Auslöser? Wer steht da mit Schildern auf der Straße? Das Motto changiert: Kaum bin ich hier, will in Ruhe arbeiten, dann das.

Istanbuler Notizen –  So viele Hoffnungen in 2013. … Wir haben gerade das Jahr 2015 passiert,  gute Wünsche für 2016 gefasst, ich werde vielleicht einige davon beherzigen. So viel los in so wenig Zeit, seit ich die friedlichen Proteste in Istanbul, die Demonstrationen als Zeichen zum Aufbruch, zu einer positiven Veränderung hin begriff.  Auch der Ton in den Istanbuler Notizen dreht, das Motto verliert sich, als Wasserwerfer kommen und Rezepte kursieren, was hilft gegen Reizgas? Oder Pfeffergas?

(…) Wie fing es an?  Bürger, die auf der Straße auf ihre Rechte  hinweisen. Die immer wieder aufstehen, Reizgas, Wasserwerfer hin oder her, nebenher klein und nett beschrieben, wie ältere gutbürgerliche Damen  ihre Campingstühle und ihre Strickarbeit zum Demonstrieren mitbringen. Daneben geht das Leben weiter. Wo soll es enden?

Die Autorin: Mely Kiyak, arbeitet als Schriftstellerin und Publizistin, ua. auch als Theaterkolumnistin für das Gorki-Theater. …

 

Die Istanbul Notizen von Mely Kiyak, erschienen bei shelff books handeln . Leider finde ich den Verlag nicht mehr, hier ein Link zu shelff books.  Die Istanbul Notizen sind auf Lager bei Amazon und  Thalia 3.99 Euro.  EPub, ca. 120 Seiten.