Was können Preise bringen?

Preise, Preise, Preise. Nachdem der Lovelybooks-Lesepreis durch ist,  LeserInnen 2016 bestimmten die besten Bücher in 2016. Ich gratuliere den Gewinnern spät, aber dennoch recht herzlich – und bekenne gleichzeitig, dass der  Lovelybooks-Lesepreis  auch der Kleine-Bahnhofskiosk-GroßeSchrift-Buchpreis sein könnte. Ich bin missgestimmt, denn als ich vor ein paar Jahren auf den Lovelybooks Lesepreis aufmerksam wurde, hatte ich mir mehr erhofft. Mehr Innovation, mehr Indie, eine größere Präsenz von E-Book-Verlagen, mehr Selfpublisher, mehr Hybrid, überhaupt Texte und AutorInnen, die nicht konsequent durch ein Verlagsnadelöhr getrieben wurden.

Warum ich lese? Weil ich überrascht werden will. Und ich will berührt werden. Denn ich gleiche die Geschichten und Menschen, auf die ich in Büchern treffe, mit den Geschichten und Menschen zu meinem Leben ab. Ich will in Anderem Ähnliches finden und in Vertrautem Fremdes. Das ist mein Antrieb, den Reader anzuschalten oder ein Buch aufzuschlagen. Das ist mein Antrieb, ein Buch zu kaufen. Und sehr oft sehe ich mittlerweile zuerst die Absicht, mir ein Buch zu verkaufen als ein Thema, dass am Herzen liegt und mir nahe gebracht werden könnte. 

Da Verlage heute kaum noch Schreiber akquirieren (können), sind Plattformen wie neobooks, Lovelybooks und der Blogbuster Preis gute Möglichkeiten, sich Neues und Unerwartetes zu erschließen.

Der Blogbuster-Preis ist neu. Auch hier ist es das erklärte Ziel, eine literarische Stimme zu finden. Immer gut. Immer notwendig. Und: Die Modalitäten für eine Bewerbung sind recht offen. Allerdings müssen sich AutorInnen gleich durch zwei Nadelöhre, sie müssen einen Blogger überzeugen, der wiederum das ausgewählte Manuskript einer Jury (wie immer namhaft) präsentiert. Und dann übernimmt die Jury.  – Aber wenn es dem Ergebnis dient –  ich kann mich nur wiederholen …. Ich möchte überrascht werden. In der Bloggerjury sind gute Leute wie z.B. Katharina Herrmann von Kulturgeschwätz, Jochen Kienbaum von Lust auf Lesen, die mich oft mit ihrer Art, Texte zu behandeln, positiv überraschen, also aus der Perspektive gesehen könnte das eine Supersache sein, der Blogbuster-Preis. Eine andere Sache ist das von mir als schwierig bewertete netzhautreizende Achtziger-Jahre-Logo, dass aussieht wie nächste Abfahrt Outlet-Store in Großraumdisco.

Wie dem auch sei, ich wünsche mir was. Viele Einreichungen, auf dass die Blogger vom Lesen rote Köpfe kriegen und dann wünsche ich mir noch, dass beide Seiten, Blogger wie Juroren des Blogbuster-Preises, sich nicht auf eingefahrene Schienen verlassen.

„… Anforderungen an die Einsendungen

Teilnehmen dürfen Autoren mit einem Manuskript nur dann, wenn dieses noch nicht bei einem Verlag als Printausgabe erschienen ist. Ausgenommen hiervon sind Veröffentlichungen im Selbstverlag. Teilnehmen dürfen auch Autoren, die bereits durch einen Agenturvertrag gebunden sind. Von der Teilnahme ausgeschlossen sind Minderjährige, Mitarbeiter des Klett-Cotta Verlags und seiner Tochterunternehmen, sowie Mitarbeiter der Elisabeth Ruge Agentur GmbH….“

Einreichen. Überraschen. Berühren. Und hoffentlich gewinnen. Viel Glück!