Das Debüt, LeseEindrücke zum Bloggerpreis, Teil 1

Mittlerweile haben sich auf der Homepage das Debüt, mehr als nur ein Literaturblog, mehr als zwei Dutzend Debütromane des letzten Jahres, Ausgangssprache Deutsch, versammelt. Hier meine Leseeindrücke zum Debüt, meine Frage war: Würde ich das Buch auch nach der Leseprobe weiterlesen wollen?  — Ein subjektiver Querschnitt — Voraussetzung für meine Auswahl (Teil2 und 3) wird weiterhin sein, dass ich die Bücher nicht kenne, auch nicht den Klappentext, also gänzlich unbeleckt in die Leseprobe falle. Mal sehen, wie viele Leseprobeneindrücke ich schaffe, bevor die Klappe fällt.

 

salis_afs_motelterminal_cover_web Ich beginne mit Andrea Fischer Schulthess, Motel Terminal, Salis Verlag. Die Autorin beginnt mit Merets Tagebuch, ein paar Seiten, ein kleines Mädchen spricht über Geheimnisse, sie scheint krank zu sein, die  Information läuft über die Kapitelüberschrift. Nach ein paar Seiten über Meret folgt der Prolog,  ein Ich-Erzähler oder Erzählerin sinniert beim Anblick eines toten Kindes. Dann ab ins erste Kapitel, zeitlich gesehen zum Prolog eine Rückblende.

In Motel Terminal stürzt sofort einiges an Rätselspannung auf mich los, die ergibt sich aber nicht aus den Andeutungen, dem Sinnieren der Figuren, sondern aus der Anordnung der Autorin. Was ist das nur für eine dysfunktionale Familie? Was ist das für ein eigenartiges Dorf? Ich würde darauf tippen, dass Wurzel allen Übels die Familie ist. Da ich mich aber ständig neu verorten muss – wer spricht – und wieso, empfand ich das Buch als unruhig. Ich bin Fan der analytischen Fabel, also: alle Handlungen sind begangen, sie müssen nur gleichsam enthüllt werden, die Katastrophe ist schon erledigt, sie muss nu bekannt werden. Leider hatte ich den Eindruck, dass einfach nur aus allen Richtungen erzählt wird. Das ist aber keine analytische Fabel, sondern Autorenmaßnahme, eine Collage. Würde ich das Buch weiterlesen? Die Beschreibungen sind gelungen, plastisch, drastisch. Außerdem wird die Leseprobe schon von ziemlich eigenartigen Dorfbewohnern bevölkert – komische, schrullige Figuren, die ihren Reiz entwickeln könnten. Fazit: Würde ich mir das Buch kaufen? Für den Sommerurlaub, Strandliege, Reader – ja.

 

traurige-freiheit_8031Friederike Gösweiner mit Traurige Freiheit, aus dem Literaturverlag Droschl. Eine lustig kurze Leseprobe, knapp eine Seite lang. Ich entnehme der LP, dass Hannah die Hauptfigur (?) ist, lustig, sie sinniert so rum, eine Seite lang, aber da ist einiges, was mich berührt. Zum Beispiel dieser Satz: .„..Es musste also jemanden geben, der Pech hatte, jemanden, der verlor. Sie hatte nur nie gedacht, dass sie einmal zu den Verlierern zählen könnte. …“  Da appelliert die Autorin ziemlich geschickt an meine/ an unser aller Affekte. Und flugs entwickele ich Mitgefühl, denn: Waren wir nicht alle schon einmal irgendwie Verlierer, egal auf welcher Ebene? Bei Hannah scheint es im Job nicht so zu laufen, irgendwas mit Zeitungen, Schreiben. Armes Ding. Würde ich Traurige Freiheit weiterlesen? Ja. Ich würde mir nur wünschen, dass sich irgendetwas entwickelt, eine Geschichte, dass Traurige Freiheit weiter geht als eine selbstbespiegelnde Maßnahme, dass es vom Ich zum Du geht und von da aus meinetwegen weiterdekliniert würde. Würde ich mir das Buch kaufen? Ich würde mir Traurige Freiheit gern schenken lassen und das Buch lesen, wenn es draußen immer dunkler und kälter wird.

 

Wenns brennt von Stephan ReichMeine Impression zu Stephan Reich, Wenn’s brennt, DVA Verlag. Die Schreibschrift des Titels: Familienroman, denke ich mir — Aber dann kommen  Finn, ein Nelson, Möller und ein Ich-Erzähler. Sie reden so darüber, wie sie die Sommerferien planen würden. Es enthüllt sich schnell, dass ich es mit Jungs zu tun habe, die nichts in der Hand haben außer Nachts unter der Bettdecke ihre Penisse. Sie schwafeln,  protzen, stoßen sich gegenseitig von den Fahrrädern. In ihrem Dorf ist es langweilig, sie langweilen sich, es könnte spannend werden, was aus dem Hang zu Machotum und Mutproben für Katastrophen erwachsen. Leider kann ich mich für die Figuren nicht wirklich interessieren. Es wird etwas passieren, so viel ist klar, denn: „…Dass wir überhaupt stehen, wo wir stehen, mit dieser Pistole von Endpunkt auf der Brust, das kam so: Vor ein paar Monaten ist Finn runter …“, erklärt mir Ich-Erzähler. Die aufgesetzt- aufgedrehte Sprache des Teenager-Jungen kriegt mich nicht, sie stresst mich sogar es ist, als würde einer neben mir an der Bushaltestelle stehen und seine Freunde vollbrabbeln – und ich müsste mithören, solange bis der Bus kommt und ich mich weit entfernt von dem Jungen mit Logorrhöe setzte.  Würde ich Wenn’s brennt weiterlesen? Nein.Würde ich mir das Buch kaufen? Nein, aber ich kenne ein paar Leute, denen ich es gern schenken würde, die Wenn’s brennt bestimmt sehr viel mehr abgewinnen können als ich.

Bloggerpreis 2016

 

—Allen Autoren, die am DEBÜT 2016 teilnehmen, wünsche ich das Beste und viel Erfolg;)  auch weiterhin, nach dem Debüt—  

Teilnehmende Autoren, Das Debüt 2016, Anna Galkina: Das kalte Licht der fernen Sterne, Andrea Fischer Schulthess:Motel Terminal, Petra Piuk: Lucy fliegt, Friederike Gösweiner: Traurige Freiheit, Katharina Winkler: Blauschmuck, Inge Kutter: Hippiesommer, Zoe Hagen: Tage mit Leuchtkäfern, Nicole Brausendorf: Die einzige Art, Spaghetti zu essen, Manuela Obermaier: Verletzung, Laura Vogt: So einfach war es also zu gehen, Marion Johannig: Aelia, die Kämpferin, Heike Hübscher: Tödlicher Hundekurs, Frédéric Zwicker: Hier können Sie im Kreis gehen, Markus Mittmannsgruber – Verwüstung der Zellen,Stephan Reich – Wenn’s brennt, Christoph Reicho – Schlaraffenland, Sabine Hunziker – Flieger stören Langschläfer,Simone Hirth – Lied über die geeignete Stelle für eine Notunterkunft, Frank Schliedermann – Die Trauerfeier, Iris Blauensteiner – Kopfzecke, André Mumot – Muttertag, Johannes Ehrmann – Großer Bruder Zorn, Birgit Birnbacher – Wir ohne Wal, Marie Malcovati – Nach allem, was ich beinahe für dich getan hätte, Emanuel Bergmann – Der Trick, Stevan Paul – Der große Glander, Katja Buschmann – Alles, was Sie über Philine Blank wissen müssen, Pierre Jarawan – Am Ende bleiben die Zedern, Rebecca C. Schnyder – Alles ist besser in der Nacht, Ursula Hahnenberg – Teufelstritt, Markus Liske – Glücksschweine , Lena Elfrath – Die Liebe ist ein Schmetterling, Isabelle Lehn – Binde zwei Vögel zusammen, Candy Bukowski – Wir waren keine Helden, Michael Kraske – Vorhofflimmern, Shida Bazyar – Nachts ist es leise in Teheran, Paula Fürstenberg – Familie der geflügelten Tiger, Nele Pollatschek – Das Unglück anderer Leute, Philip Krömer – Ymir oder: Aus der Hirnschale der Himmel, Astrid Sozio – Das einzige Paradies, Nadine Lashuk – Liebesgrüße aus Minsk. Wo die Babuschka regiert und Heringe Pelzmäntel tragen, Olaf Trunschke – Die Kinetik der Lügen, Daniel Breuer – nathanroad.rec, Bastian Asdonk – Mitten im Land, Sonja Harter – Weißblende

2 Gedanken zu „Das Debüt, LeseEindrücke zum Bloggerpreis, Teil 1

  1. Marc

    Hallo Tanja,

    sehr schön geschrieben und eine schöne Idee, sich langsam an die Bücher heranzutasten.
    Da werde ich wohl doch mal die Hüllen bei mir auf dem Blog fallen lassen und meine persönliche Shortlist für den Debütpreis präsentieren :-)

    Gruß
    Marc

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    1. Tania Folaji

      Guten Morgen Marc,
      deine persönliche Shortlist, super, da freue ich mich drauf; denn ich hoffe, bis zum Ende der Woche
      meine drei Favoriten zu haben! Lass uns schauen, wie weit unsere Geschmäcker auseinanderliegen – und warum.
      Herzlichst, Tania

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