Digitaler Herbst

Vorfreude ist ein großes Glück oder die omihafte Betrachtung des Seins. Gestern ist mir ein Lindenblatt auf den Kopf gefallen. Die Lesezeit beginnt.

Ich habe bei Digitalverlagen nach Buchvorschauen gestöbert; und hier die, die sich nach der Aufmachung und den Leseproben so anfühlen, als könnten  sie mir großen Spaß machen.

header_variante6In der Verlagsvorschau von Culturbooks gibt es zwei Titel, die ich lesen möchte: Schmutz, Katz & Co von Carlo Schäfer, ich hatte bisher die Leseprobe, Lehrer Dr. Katz .  Ein ganz verstiegener Humor, lakonisch und sarkastisch, aber C. Schäfer verrät seine Figuren nicht, er setzt sie nicht dem Lachen aus, er zeigt mir Menschen, in Lehrer Katz eben eine Familie, die so ist, wie sie ist. Und dann bin ich bin schon mehrfach über den Namen Amanda Lee Koe gestolpert, auch über den interessanten Titel ihres Erstlings: Ministerium für öffentliche Erregung. Lee Koe ist Literaturredakteurin bei Esquire und hat mit ihrem Ministerium für öffentliche Erregung Preise gesammelt wie andere Fliegenpilze. In ihren Stories nimmt sich Frau Lee Koe ebenfalls den Außenseitern an, den mehrfach Gescheiterten, aber immer noch Hoffenden, so die Verlagsankündigung. So wie Carlo Schäfer. Ich werde beide lesen. Erscheinungstermin vom Min. für öffentl. Erregung ist der 04. Oktober 2016.

f8y4w0wr

Die Frohmann-Herbstvorschau: Für die Freunde der 140-Zeichen-Kunst wird am 17. September ein schöner Tag anbrechen. Frohmanns erster Band der Printreihe KLEINE FORMEN eröffnet mit Sitze im Bus von Claudia Vamvas. Zusätzlich zu den Kleinen Formen gibt es die Vorzugsausgabe für die Leserinnen/Unterstützerinnen, die die Reihe über Crowdfunding unterstützten. Weiter geht es am 30. September mit der Generator-Reihe des Frohmann-Verlages mit der langersehnten,  finalen Version von Code und Konzept, eine Anthologie zu konzeptueller und digitaler Literatur; Herausgeber ist Hannes Bajohr. Und ein Messetermin: 19. bis 21. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse findet wieder der Orbanism Space, der offizielle Digitaltreffpunkt, statt. Kuratoren: Christiane Frohmann und Leander Wattig. Der diesjährige Schwerpunkt lautet: Die Facetten des Live-Publishing. Und ich freue mich, gelesen zu haben, dass auf der Buchmesse die 1000 Tode-Reihe ihre Fortsetzung findet.

mikrotext-logo

mikrotext: Der Reigen der Neuerscheinungen bei mikrotext startet mit dem Titel Hacking Coyote von Alan Mills. Es geht um Formen und Mittel des Widerstandes, auch aus dem digitalen Raum. Für seine Überlegungen wählt Alan Mills die Form des Essays, die Erscheinungsform von Hacking Coyote ist angenehm digital. Bisher von Alan Mills erschienen; hier.  Im Oktober wird bei mikrotext der Titel Wo der Teufel wohnt, erscheinen. Die Journalistin Nadine Wojcik geht einem neuen polnischen Trend, der Teufelsaustreibung nach. Vegetierten vor Jahren vier kirchlich bestallte Exzorzisten in Polen herum, sind es heute schätzungsweise 130 Kirchenangestellte, die alle Hände voll zu tun haben, den Teufel auszutreiben. Was ist da los im Nachbarland? Ich warte dringend auf den Oktober. Und noch eine angekündigte Neuveröffentlichung bei mikrotext:  Jan Fischer mit Audrey & Ariane. Ein junger Mann, der als Souvenirverkäufer in Disneyland arbeitet, gerät in Bedrängnis. Die Frage ist: Haben Audrey & Ariane etwas damit zu tun?  Bisher von Jan Fischer erschienen; hier.

Bei Rowohlt Rotation, dem jüngsten, digitalen Kind der Rowohltfamilie, ist mir das Drehbuch zu dem Roman von Herrndorf,  Tschick aufgefallen. Die Drehbuchfassung schrieb Lars Hubrich, sie war Vorlage für Fatih Akins Verfilmung. Eine gute Idee, Drehbücher digitalisiert anzubieten.  Daneben fällt das Herbst-Programm bei Rowohlt Rotation, eigentlich spezialisiert auf kurze Texte für den digitalen Leser, bescheiden aus. Nichts Anregendes im Herbstprogramm, aber: die Gesamtschau lohnt, denn es lassen sich Titel von namhaften Autoren finden, die nicht mehr verlegt werden, oder Betrachtungen, Kurzgeschichten, Essayistisches, die zu kurz für Print sind.

xxxbeben-logo-schwarz-20

Der Verlag Das Beben, die unerhörte Elektro-Novellen anbieten, hat mit Frühjahr- und Sommerkollektionen wenig am Hut. Das Beben veröffentlicht, wenn gute und passende Manuskripte hereinkommen und die Verleger neben ihrem Brotgeschäft Zeit für das Buch-machen finden. Aber die zuletzt erschienen Bücher vom Beben sind wie (fast) immer erwähnenswert: Der Chor der Anarchie von Gecko Neumcke und Stephan Strzoda. Der Chor der Anarchie ist eine Utopie, die von spanischen Anarchisten in Südfrankreich handelt, von einer Kommune und der grundsätzlichen Lust, die Welt zu verändern. Lesenswert. Auch erschienen: Järngard, Der Fluch des Erzes, von Ruben Philipp Wickenhäuser, eine düstere Novelle um ein liebes Aussteigerpärchen in Schweden.

Shelff. Ich mochte die Istanbuler Notizen von Mely Kiyak sehr, seit den Ereignissen  dieses  Sommers fast historische Notizen aus der #gutenaltenzeit. Aber Neuerscheinungen sehe ich bei shelff nicht. Schade.

Das sind die Bücher, auf die ich mich freue.