#ebf16 Ein Wunder in Neukölln: Die elektrische Lesenacht ist kostenlos

13043777_1769357683297919_2697314059116598767_nDie erste E-Book-Messe Deutschlands fand 2014 in einem Supermarkt im Berlin-Wedding statt, die dritte E-Book-Messe Deutschland, die EBF16, schlägt am Wochenende ihre Zelte in Berlin-Neukölln auf. Zur EBF16 möchte ich auf die elektrische Lesenacht verweisen, eine Veranstaltung, die mir sehr am Herzen liegt, denn dort treten zeitgenössische Literatur, Lyrik, Twitter-Omas und Selfpublisher aus ihren digitalen Räumen. Es wird kreatürlich.

Lyrik als Skript Samstag, den 25.06.16, 21.00-21.45. Bei Lyrik werden oft die Augen verdreht. Das hat nichts mit Lyrik an sich zu tun, sondern mit der drögen, nervigen Präsentation an Schulen. Am Samstag, ab 21.00 Uhr stellt sich Poesie vor, die unbedingt in den Schulunterricht gehört. Neben Poetischem sollen Fragen nachgegangen werden: Ändert sich Poesie im digitalen Raum? Müssen analog befreite Gedichte anders geschrieben werden?  Was ist mit der Implementierung einer neuen Ebene, wie dem Lyrik-Code, ist der nach dem 30. Lebensjahr noch erlernbar? Ich bin gespannt auf: Marcel Diel, Max Czollek, Hannes Bajohr und Georg Leß.

Migration als Fiktion: Drei Autorinnen erfinden Gegenwelten Samstag, den 25.06.16, 20.00 – 20.45. Hochaktuelle Literatur von Safeta Obhodjas, Michaela Maria Müller und Rasha Abbas. Jede der Autorinnen zeigt in ihrem  Werk auf eindrückliche Weise, dass es eine Migration,  also den oder die Migrantin, nicht gibt. Und jede der Autorinnen bearbeitet den existenziellen Topos Migration anders: von der Komödie bis zur Groteske, als einen Roman, in dem sich Recherche, Essay und Kritik  mit zwei Schicksalen mischen,  oder als einen großen, epischen Gesellschaftsroman vom Untergang auf allen Ebenen. Lesung und anschließendes Gespräch mit den Autorinnen.

Bei Genre, selbstverlegt kommen, wie der Titel schon andeutet, erfolgreiche Selfpublisher ins Gespräch. Michael Meisheit und Nikola Hotel zeigen auf, wie das heutzutage geht, das hybride-unterwegs-sein. Die Moderation übernimmt Sarah Khan. Samstag, den 25.06.16, 21.00 – 21.45.

Das sind nur Ausrisse, hier zum vollständigen Programm. Alles über die EBF16 und hir noch Tickets für das Barcamp und Tickets für die kostenlose elektrische Lesenacht. Weihnachtswunder in Neukölln an einem Sommerabend.

P.S. Alle vorgestellten E-Books liegen auf dem digitalen Büchertisch der EBF16 aus. Infos, wie man sich einloggt, hängen aus. Ebenso können gedruckte Bücher der Autoren auf dem Büchertisch angeschaut werden.

Ein wenig Fanfiction zur EM

Es gibt sie, die erste – große – und immer – unerwiderte Liebe. Liebe, die kometengleich auf einen Adoleszenten niederschlägt, vorzugsweise im Jugendzimmer. Es gab Zeiten, da war das Bekenntnis zu einer Person der Starschnitt auf der Kinderzimmertapete oder ein T-Shirt, ein Mund mit einer herausgestreckten Zunge, aber … das ist gestern, gestern, ich will ins Heute, mich der Fanfiction widmen.

Fanfiction ist rechtlich gesehen schwierig, weil es selbstredend mit dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht des Objekts der Bewunderung kollidieren kann. Es gibt verschiedene Sphären des Persönlichkeitsrechts, die Intimsphäre, die unverletzlich ist, die Privatsphäre, die grundsätzlich auch geschützt ist, und die öffentliche Wirkungssphäre, da besteht weitgehende Freiheit. Die Abgrenzungen sind natürlich nicht präzise trennscharf, so dass FF auf Autorenseite eine ziemliche Gratwanderung sein kann. Grundsätzlich gilt: Man braucht einen gutmütigen Bewunderten oder einen guten Lawyer, auch wenn es Autoren gibt, die nichts dagegen haben, kopiert zu werden, wie J. K. Rowling, beispielsweise.

So weit dazu.  Da gerade ein Fußballevent ist -EM oder WM, habe ich die Wattpadsche Fanfiction auf Fußballspieler und ihren Trainer hin untersucht. Fußball plus FF. Heraus gekommen sind First-Time-Stories unter dem Label Romantik. Schmachtende Seufzer, die himmelwärts steigen. Zum eigentlichen Titel: Die deutsche Elf intim* 

Ich bin nicht der, für den du mich hältst. Handelt von einem promisken Mario Götze, auch in anderen Fanfictionstories wird überaus oft das sexuell umtriebige  Wesen des Fußballspielers thematisiert. Realität oder Fiktion, das weiß ich nicht, aber dieser Wesenszug bietet eine gute Ausgangslage und Fallhöhe für die Handlung. Hier verliebt sich Mario Götze in das Mädchen Juicy, die Fußball hasst, aber wegen ihres kleinen Bruders, Fan, am Stadion herumlungert. Mario Götze wirbt heftig um Juicy – wird sie ihn erhören? von KeepcalmandloveFCB.

Ich bin nicht der für den du mich hältst (Mario Götze)

Liebe macht verrückt. Bastian Schweinsteiger. Eine ausgereifte Aschenputtelthematik um die hübsche wie schüchterne Samantha Leopold, Physiotherapeutin der Nationalmannschaft und  – Bastian Schweinsteiger. Bemerkenswert ist, dass die Autorin ihre Liebesgeschichte in eine reale Situation einbettet, Brasilien 2014. Die Weltmeisterschaft am Zuckerhut (oder so) davor eine  Geschichte des Hoffens, Begehrens und der schlussendlichen Erfüllung mit realen Personen – bis hin zu Bastian Schweinsteigers Freundin, die dramaturgisch von der Bühne gehoben werden muss. Die Autorin heißt: Ihavaadream2014.

Liebe macht verrückt (Bastian Schweinsteiger/ Marco Reus-Fan-Fiction)

Atemlos beschäftigt sich gleich mit der ganzen Nationalelf.  Hauptfigur ist die 20jährige  Xaveria Scholl, beschäftigt bei Ikea München, in einem Job, der so top ist, dass er gleich wieder besetzt ist, wird der Job mal frei … Wie es dann dazu kommt, dass Xaveria, die laut Selbstauskunft super organisiert ist, die Nationalelf erziehen und trainieren soll, das begab sich folgendermaßen: „…Außerdem bin ich eigentlich perfekt organisiert, genau deshalb werde ich eines Tages von meinem Vater seinem Kumpel Jogi Löw angerufen, er fragte mich, ob ich seine Deutschland-Jungs etwas trainieren könnte…“ Eine Fanfiction in 37 Teilen, mit viel Gefühl, auch Schmerz und waghalsigen Formulierungen. Hierfür verantwortlich zeichnet sich 1DFriendsLM.

Atemlos (Deutsche Nationalm. Ff)

 

Wattpad wurde 2006 in Kanada gegründet. Ich mag diese Leser-/Schreiber-Plattform, ich schätze die demokratische Form, auch wenn im klassischen Sinn eher weniger Romane dabei herauskommen, die verlegt werden. Egal, denn bei Wattpad stoße ich auf die schöne Urform des Schreibens – die aus reiner Freude. Daneben kommt mir grundsätzlich die Kommunikation zwischen dem Schreibenden und dem Leser nett dialektisch vor.  Wattpad ist auf allen Ebenen kostenlos, die Geschichten werden in Kapitelform dargeboten, aber was mich wundert, ist, dass Wattpad nicht mehr von Autoren als Versuchs- oder Teststrecke für ihre Texte benutzt wird. In Amerika und Amerika wird Wattpad oft  als Plattform für junge, literarische Texte angesehen – auch Versuchsformen digitaler Literatur lassen sich finden – das sehe ich bei Wattpad Deutschland nicht.

Und noch ein großer Pluspunkt für Wattpad: Hier stehen gut aufbereitet über 17.000 Klassiker des Projektes Gutenberg. Zur Zeit und zwischen der FF lese ich gerade Jakob Wassermann, Mein Leben als Deutscher und als Jude, 15. Aufl., S. Fischer Verlag.

*Wollte ich nicht als Haupttitel, eher als Zwischentitel nehmen, es ist so schlimm clickbaiting.

Berlin im Juni: Es wird elektrisch

ebookfestival_animationIch freue mich auf die Electric-Book-Fair, auf einen lebendigen Austausch  mit Büchermachern, Bücherliebhabern, Buchverstehern und Buchjunkies der elektrischen Provenienz.  Am 25. und 26.Juni 2016 findet in der Colonia Nova, in Neukölln ist 3. Electric-Book-Fair statt. Diese Messe heißt jedes Jahr ein bisschen anders, 2015 kam sie als Electric Afternoon mit der elektrischen Lesenacht daher, 2014 ganz schlicht als die Electric Book Fair, in 2016 ist es logischerweise die EBF16, die ansteht.

Unter den Kuratorinnen Nikola Richter und Andrea Nienhaus hat sich die EBF zu einer interessanten Fachmesse entwickelt,  auch dieses Jahr versammelt sich Fachpersonal aus Verlagen & Vertrieb, Agenten, Leser & Schreiber in Berlin-Neukölln, um auf Augenhöhe miteinander zu plaudern.

Und dann freue ich mich am Samstag im Barcamp unter anderem auf: Kathrin Blum, Programmmanagerin Rowohlt Verlag, mit: Amazon kann auch nicht alles; wobei mich  neue Ansätze der Produktpräsentation interessieren, dann will ich nicht Christiane Frohmanns Plauderei, Vortrag und Speakers Corner unter dem Label: Datendada: Der Untergang des Abendlandes, verpassen. Kultur kann günstiger sein als Deutsches Theater im Oberrang – auch Jetztzeitiger. Wenn es fast dämmert, beginnt die kostenlose Lesenacht: Migration und Fiktion – Drei Autorinnen erfinden Gegenwelten, mit Rasha Abbas, Michaela Maria Müller und Safeta Obhodjas, dann Lyrik als Skript  mit Hannes Bajohr, Katharina Schultens, Max Czollek und dem Verlagshaus Berlin, die kürzlich mit Gedichten herauskamen, die mit dem neuen  Lyricode -sehr spannend- ausgestattet sind. Oder: Is it love, is it hate, Das E-Book, das mich inspiriert, mit Sarah Khan, Fabian Thomas und Tilman Winterling. Hört sich auch gut an.

Darauf freue ich mich.

Und Nikola Richter, Verlegerin mikrotext und Kuratorin EBF16,  freut sich auf:

„…Man kann es ja kaum glauben, dass es in Deutschland, diesem Leseland, noch nie ein Festival für E-Books gab. Denn E-Books sind ja gerade bei Viellesern, die zu Hause im Regal Platz sparen wollen und immer und überall mobil lesen wollen, und bei Trendlesern beliebt, welche sich für das Neue, Abseitige, Avantgardistische, Superaktuelle interessieren. Wir bringen beim Festival diese Welten zusammen: die erfolgreichen Unterhaltungsautoren wie die Twitter-Oma Renate Bergmann und den Lindenstraße-Drehbuchautor Michael Meisheit oder die Code-Autoren wie Marion Schwehr oder Hannes Bajohr, die mit Metadaten arbeiten.

Diese geruchlosen Dateien voller spannender Inhalte werden beim E-Book-Festival im Barcamp und in der Lesenacht sichtbar, denn wir werden miteinander sprechen und sogar einen digitalen Büchertisch haben, eine Cloud, in der man alle beim Festival vorgestellten E-Books lesen kann. Toll am Festival ist auch, hier treffen sich spartenübergreifend alle diejenigen, die sich für das digitale Lesen und Publizieren interessieren. Daher ist es weniger ein Branchentreff als zwei Tage Austausch mit den Machern und Lesern von E-Books, seien es Hersteller, Verleger, Autoren, Designer, Selfpublisher. Es werden viele Fragen gestellt werden, die das E-Book auch weiterdenken, die den Status Quo noch nicht optimal finden. Es wird Spaß machen, zum Beispiel beim E-Book-Pecha Kucha und es wird die demokratische Kraft der E-Books aufzeigen: auf Augenhöhe kommen digitale Imprints von großen Verlagen wie Aufbau, Bastei Lübbe, S. Fischer, Ullstein und von kleineren wie Culturbooks, Frohmann, mikrotext zusammen. …“

Der Juni steht im Zeichen des E-Books, der Aszendent ist elektrisch.  Auf nach Neukölln.

 

Mein Weg zum ePub-Lesen

schriftstelle

Mein Weg zum ePub-Lesen, wie das schon klingt. Nach Pups auf einem Pilgerweg? Nach stückchenweiser Erkenntnis auf einem Weg voller Gabelungen und Ablenkungen? Nach langsamer Genesung von, von, ja, von was eigentlich?

Nein, nichts von alledem trifft zu. Es war ein klarer, ein gerader Weg. Und auch, ja, doch, ein sehr zufälliger.

Klar und gerade, weil es nur darum ging, das richtige E-Book zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu öffnen und lesen zu können. Dazu unten mehr.

Zufällig, weil ein E-Book ohne Gerät nicht lesbar ist, und es der Zufall wollte, dass ich im Jahr 2009 ein E-Lese-Gerät geschenkt bekam, ein Smartphone.

Natürlich verteilte die Herstellerfirma die Geräte nicht ganz uneigennützig, sondern zum Zwecke der nachhaltigen Kundenbindung. Erfolgreich. Seitdem bin ich nicht mehr vom Smartphone weggekommen.

Und natürlich hatte ich auch etwas dafür tun müssen, zu dieser mittelfrühen User Group zu gehören: Vier Monate hatte ich über die europäischen…

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