Hollywoodmist, sagt einer, der es wissen muss

Eine Rezension verleiht einem E-Book Konturen in Richtung Dreidimensionalität. Sind Negativrezensionen und Verrisse tatsächlich absolut negativ für den nachfolgenden Absatz? Oder ist Aufmerksamkeit, egal welcher Art, der Schlüssel zu Top-Verkäufen?

In einer Buchhandlung ist die Präsentation, das Titelbild, der Waschzettel und die buchhändlerische Empfehlung Grundlage und Auslöser für meinen möglichen Kauf. Bei einem E-Book sind das Ranking, Titelbild, Logline, Exposee und die Rezensionen kaufentscheidend.  Zudem ist beim Kauf eines E-Books die Ausgangssituation meist eine andere. Ich sitze zu Hause, stehe nicht in der Buchhandlung, Zeitdruck. Ich stelle fest; dass mir beim E-Book weniger Fehlkäufe unterlaufen als bei Printausgaben. Fein.

Eine Rezension rundet meinen Kaufentscheid ab. Mir helfen diese Geschmacksurteile, ob ich mich dem Vorrezensenten anschließe, bleibt mir überlassen. Wenn sich mehrere Rezensenten über schwerwiegende Rechtschreib- und Zeichensetzungsmaleschen beklagen und mir das nichts ausmachen würde, dann würden diese Rezensionen nicht von einem Kauf abhalten. Auf der anderen Seite werde ich hellhörig, wenn es ausschließlich positive Kritiken hagelt, dann nehme ich an, dass der Autor über einen wirklich netten Freundes- und Bekanntenkreis verfügt. Kein wirkliches Plus für einen Kauf meinerseits.

Ich lese schätzungsweise einmal in der Woche in Foren oder Blogs darüber, wie Rezensenten sich über Autoren beklagen, die eine Rezension unterhalb der *****Sterne-Marke für pures Trolltum halten. Im anderen Lager gibt es Autoren und ihr Wissen um Racherezensionen, selbst bei einer fundierten Kritik. Es gibt auch Autoren, die finden, dass gerade eine mittelmäßige Rezension pures Verkaufsgift sei.

Glaube ich nicht. Eine Rezension wirkt in zwei Richtungen:  Zum einen sagt mir die Rezension viel über das Werk, zum zweiten wirkt die Kritik wie ein Röntgenbild,  beleuchtet schlaglichtartig die innere Verfassung des Rezensenten.

Daraus folgt: Wenn mir klar ist, wes Geistes Kind der Rezensent ist, dann kann diese Kritik nicht verkaufshemmend sein, sie könnte sogar das Gegenteil bewirken.

Hier sind meine Favoriten.

Ich habe manchmal Kürzungen vorgenommen, wegen Wiederholungen, ansonsten keine Korrekturen, das heißt: Jeder haftet für seine Rechtschreibfehler selbst.

 

  1. Schindlers Liste

Titel der Rezension: Hollywoodmist! Rezensent J. M., sagt am 12. Juni 2009, in einer Kritik, erschienen bei Amazon folgendes:


 „… mir ist klar, dass ich mit meiner meinung alleine dastehe, aber dieser film hat keinen wert. nach solchen meisterwerken wie star wars und et der außerirdische hat sich stephen spielberg wohl gedacht jetzt mach ich mal was intelektuelles. herausgekommen ist dabei leider nur der übliche hollywoodmist. ich kann auch die ganzen oscars nicht verstehen, wie die schindlers liste so viel preise geben können. warum ist der film schwarzweiß? und warum gibt es da aber eine stelle, wo man was rotes sehen kann. ich finde das der ganze film unnötig auf „schlau“ getrimmt ist. vielleicht versteh ich das nicht richtig, aber meiner meinung nach gibt es in dem film zu wenig action. die labern nur die ganze zeit. außerdem bringt mein surround-sound gar nix, weil es so gut keine spezialeffekte gibt. der film kann mit star wars oder auch minority report absolut nicht mithalten. ich war jedenfalls total enttäuscht.“

Ich liebe diese Rezension und werfe die Frage auf: Kann diese 1-Sterne-Rezension von einem Kauf abhalten?

Die nächste: 18 von 38 Kunden die folgende Rezension hilfreich. Ich auch. Trainieren mit dem eigenen Körpergewicht hört sich gut an, könnte aber für den, der die Anleitungen des Buches genau befolgt, gefährlich werden.

2. Fit ohne Geräte: Trainieren mit dem eigenen Körpergewicht

Titel der Rezension: Ohne Geräte? Rezensent  J. B. meint zu dem Sachbuch am 10. Februar 2014 folgendes:


„…Sich auf den Bürostuhl zu stellen, um den Gleichgewichtssinn zu trainieren?

(…) Da kauf ich mir lieber Sportgeräte die für diese Beanspruchung gedacht sind, alles andere im Buch dargestellte ist lebensgefährlich unter Missachtung sämtlicher Unfallverhütungsvorschriften.

S.57 Liegestütz auf Tisch und Karton – Tisch rutscht weg, kippt um, Karton knickt ein (…) S.58 Liegestütz gegen Kommode – Kommode rutscht weg. (…)

S.83 Telefonbücher statt Hanteln ;-))) Ich weiß ja nicht aus welchem Jahrhundert diese Übung ist,
Gruß von T-Online ;-) Gibt es überhaupt noch Telefonbücher?
S.90 Tür aus der Wand reissen, ob das der Vermieter zahlt? Meißt reisen die Türen aus den Angeln
wenn man am stärksten daran zerrt … und wenn einem dann die Tür entgegenkommt (…)
S.127 auf 3 gestapelte Kartons springen, das geht auch mit 4 oder 5, kommt drauf an wie viele Rippen
man sich brechen will.
S.132 und wieder mit dem Klappstuhl zum Bänderriss.
S.137 auf den Rand einer Kiste stehen, wenn die Kiste stabil genug ist, schlägt sie nur das
Schienbein durch. (…)
S.162 Strecken auf dem Serviertischchen … ob das für 100kg konstruiert ist? …“

Zur folgenden Rezension möchte ich vorausschicken, dass ich in Andrea Brungs Werke geradezu vernarrt bin. Ich habe Freude an den Titelbildern, die die Autorn kreiert, ich kann der Story wie die meisten Rezensenten auch nicht folgen; aber ich finde nach wie vor, das es sich bei Frl. Brungs Schreiben um eine Passion handelt – und Passion kennt kein Talent, nur Genie. Die nachfolgende Rezension zu dem Werk ‚Die Glamour Boys and Girls‘ geht mit Frl. Brungs im Gegensatz zu anderen Rezensionen sehr schonend um, ich gewinne aber einen sehr zutreffenden Einblick zum Werk.

3. Die Glamour Boys and Girls, von A. Brungs

Titel der Rezension: Grauenhaft geschrieben aber irgendwie interessant. TobiasT bespricht die Leseprobe am 18.10.2013 bei neobooks


„… Plot: Kurz gefasst, irgendjemand wird scheinbar Schauspieler, weiß aber selber nicht so recht wofür und warum.

(…) Klar, die Sprache, Rechtschreibung, Kommasetzung, Grammatik im Allgemeinen ist furchtbar. Da muss man nicht drum rum reden. Überall fehlen Kommata, besonders auffällig vor einem „dass“. Kommt hier sehr häufig vor. Auch einige Rechtschreibfehler trüben das Bild. Gut geschrieben ist sicherlich etwas anderes. ABER, so verrückt das auch klingen mag, ich will unbedingt wissen was hier eigentlich passiert. Ich möchte erfahren, wer da eigentlich erzählt und was im weiteren Verlauf des Buches passiert. Es kann gut sein, dass ich enttäuscht werden würde, aber das kann ich jetzt schlecht wissen. Eigentlich hätte dieser EINSEITIGE Text nicht mehr als eineinhalb Sterne verdient. Ich will aber wissen, wie es weitergeht, und ich will unbedingt, dass der Text noch einmal grundlegend überarbeitet wird mit Blick auf die Kommata und Rechtschreibung. Dann, aber auch nur dann, könnte hier vielleicht noch etwas entstehen. Ich gebe einen Stern, den man ja geben muss, plus einen Stern, da ich ein wenig Potenzial sehe, plus einen Stern, weil ich verdammt nochmal verstehen möchte, worum es hier eigentlich geht. Also bitte erweitere die Leseprobe ;) …“

Hier das Cover zu dem Buch, da haben sich schon viele Rezensenten ausgelassen, das mache ich nicht, im Gegenteil: ich finde die Gestaltung herzig …

 Und die nächste Rezension ist auch süß.

  1. Fifty Shades of Grey – Geheimes Verlangen: Band 1

Titel der Rezension: Kritik in vier Zeilen, Rezensent  G.d.E meint am 05. August 2012 folgendes:


„…Junges Fräulein, darf ich’s wagen?

Ich bin schön und habe Geld!“
– „Na, dann dürfen Sie mich schlagen!“

Und das liest die halbe Welt…“

Und hier ist er, der Liebling der Autoren, der längst überfällige … Fan!

5. Star Trek – Voyager Season 7 (Box Set, 7 DVDs) (DVD)

Titel der Rezension: Endspiel, 5 Sterne, Rezensent M.M. M. sagt am 16. März 2014 dazu:


„. . . ist der Titel zur letzten Voyager-Folge und beschreibt damit wunderbar die gesamte 7.Staffel, denn es geht nocheinmal richtig rund in dieser überragenden letzten Voyager-Staffel. Es ist schwer, die richtigen Worte für diese Staffel bzw. im Rückblick für diese gesamte Serie zu finden, denn keine je im TV ausgestrahlte Serie hat es geschafft ALLE Aspekte so geballt und kontinuierlich in eine Serie einzubinden, die für eine hervorragende TV-Serie von Bedeutung sind.
Da wäre zum Einen das hohe technische Produtionsniveau, das Standard bei Voyager ist, in KEINER anderen TV-Serie kann man Special-effects in dieser Qualität bewundern. Ein anderer sehr wichtiger Punkt ist die Aussage der Serie, in nahezu jeder Episode wird Kritik an das Leben unserer Gesellschaft oder des Menschendaseins im Allgemeinen geäußert, es werden Probleme verschiedenster Art angesprochen, wobei nicht einfach nur kritisiert wird, sondern immernoch schlüssige und intelligente Lösungsvorschläge präsentiert werden, welche wiederum häufig unkomplett bzw. nur ansatzweise gezeigt werden, um den Zuschauer zum Denken anzuregen, denn ein jeder Zuschauer soll nachhaltig von einer Folge geprägt werden, um diese auch in Erinnerung zu behalten. Da Voyager einen hohen Unterhaltungsfaktor besitzt und keinen Lehrfilm darstellt, wird dieser hohe intellektuelle Aspekt des Zum-Denken-Anregens mithilfe von Menschendrama und sehr guter Sci-Fi erzählt. Das Menschendrama erhält in Voyager einen gewichtigen Part, dank der hervorragenden schauspielerischen Leistungen der einzelnen Darsteller und deren Präsentation der jeweiligen(sich übrigens sehr gut entwickelnden)Figuren, schafft es die Serie die Schere zwischen äußere Rahmenhandlung und innerer Menschenerkundung perfekt zu schließen. Gewürzt wird das alles genau mit der richtigen Mischung aus niveauvollem und immer an der richtigen Stelle sitzenden Humor, mit reichlich, aber nie übertriebener Action, mit gemäßigter und nie klischeebeladener Emotion, mit packender Spannung und immer einer neuen Idee des Einbindens der Erforschung des Weltraums, welcher eine wunderbare Plattform für das Erzählen solcher Folgen bietet.
Nicht zu vergessen ist natürlich die Grundidee der Serie, denn wie jeder weiß versucht die Crew nach Hause zu kommen und wer kennt nicht den Spruch ‚Zu Hause ist es doch am Schönsten‘. Dieses Thema des Verlorengegangenseins und des unbedingten Suchens der Heimat fasziniert den Zuschauer nicht nur allein aus der Grundidee heraus, sondern vorallem wegen der Darstellung und Umsetzung dieser. Bei Voyager erlebt man eine Reise wie keine andere zuvor, man hat noch nie so perfekt die Bedeutung von Freundschaft, Loyalität, Gemeinschaftssinn und Zusammemhalt/Zusammenarbeit gezeigt bekommen, wie bei dieser Serie.
Und aus diesen und noch vielen anderen Gründen kann ich nur jedem Menschen empfehlen, der schon immer eine Serie mit all den eben genannten Qualitäten präsentiert haben wollte, diese 7 DVD-BOX-Sets zu bestellen und sich gemeinsam mit der Voyager-Crew auf eine Reise zu begeben, die man ganz bestimmt sein Leben lang nicht vergessen wird.“

Fazit: Rezensionen können – müssen aber nicht – Spaß machen. So. Das war es, ich habe in den letzten Wochen nur Rezensionen gelesen, ich höre jetzt auf, hat aber Spaß gemacht.