Sich in Polen einen Bob schneiden lassen von Magdalena Jagelke und Deadline: Indie-Autor-Preis 2015

Sicher besteht die Möglichkeit, sich in Polen einen Bob schneiden zu lassen, aber es können auch die Erzählungen von Magdalena Jagelke gelesen werden,  die überdies länger Spaß machen als ein Haarschnitt, der eh nur rauswächst.

In dem Erzählband sind Geschichten von, über und mit Frauen versammelt, bis auf wenige Ausnahmen im Heute erzählt. Kurzsichtigkeit im Schreiben ist der Autorin nicht gegeben und genau da entstand  beim Lesen meine große Freude: Es ist dieser sehr genaue Blick von kargen Alltagsbeschreibungen, zum Beispiel in der Geschichte um eine Hochzeit, demgegenüber stehen nüchterne Handlungen, von denen der Akt des Beinerasierens vielleicht die prosaischste ist.

Die mich am meisten überraschendste Geschichte gleich zu Beginn dieses E-Books der unerwartet schönen Erzählungen heißt: Im Orang-Utan Europas, die mir die temporäre Nichtexistenz des Landes Polen über Jahrhunderte eindrücklich vor Augen führte, lebendig gemacht durch eine wunderschöne, mutige Frauenfigur, die Zofia.   

Meine schönste Geschichte, Agnieszka, behandelt ein Treffen zweier Frauen, bei der Fotos einer Pilgerfahrt angeschaut werden. Die eine ist gläubig, die andere nicht. Auszug aus den Aufzeichnungen der Agnieszka: „…. Lass niemanden zwischen Gott und dich. Gib Acht und rechne mit Überraschungen. Rechne mit Enttäuschungen. Das Leben ist nicht einfach. Das Leben ist eine Prüfung, vergiss das nicht. Verzweifle nicht an deinem Leben. Die Zukunft bringt ein Reich, das von Gott ist. …“

Besser geht nicht. Es ist nicht einfach, mit neuen Bezugssystemen das Gefühl, wer man ist, was man ist, bei sich zu behalten. Die eine treibt ihre Liebe zu Gott auf die Spitze, die andere will leben und diese Systeme leben nebeneinander – ohne störende Autorenwertung. Und da ist auch das Thema des Buches: Das Nebeneinander  – mit einem Bein hier und mit dem anderen da, in Beziehungen, in Entscheidungen, räumlich-geografisch. Es gibt Hoffnung: Die Protagonistinnen halten das Ziehen und Zerren ganz gut aus.

Die Beschreibungen sind kurz und präzise, also herrlich. Wie allein schon das liebevoll gestaltete Heftlein der Agnieszka Kowalski mit ein paar Sätzen beschrieben wird, das Büchlein, in das die junge Frau ihre Gedanken und Liebe zu Gott fließen lässt, sind subversiv beobachtet und werden dadurch unglaublich komisch, obwohl eigentlich nichts lustig ist.

Magdalena Jagelke, geboren 1974, seit 1986 in Deutschland lebend. Nominierung für den Lyrikpreis München 2010, Merck-Stipendiatin, Mutter und Mutter ihrer ersten traumschönen Erzählsammlung; Sich in Polen einen Bob schneiden lassen. CulturBooksVerlag 2015, VÖ-Datum: 01.01.2015, ISBN 978-3-944818-75-7, 3,99 Euro.

 

Der Indie-Autor-Preis 2015, Leipzig

Selbstpubliziertes hat sich nicht nur im E-Book-Handel, sondern mittlerweile auch auf den Buchmessen etabliert.

Zum dritten Mal in Folge wird am 14.03.15 auf der Leipziger Buchmesse der Indie-Autoren-Preis verliehen.

Dieser Preis, ausgelobt von der Leipziger Buchmesse und neobooks, soll die engagierte Arbeit von Self-Publishern loben, die, denn nach dem Schreiben wartet auf die SPler Vermarktung, Vertrieb, Organisation von Lesungen und vieles mehr.  Das Wichtigste zum Schluss: Bis um 23:59 Uhr kann (und sollte) für Lieblingsbücher oder –Autoren abgestimmt werden.  Zur Abstimmung hier: Shortlist