Die Wattys 2014

Ich muss gerechterweise sagen, dass meine ausgesprochen üble Laune in der letzten Woche, nicht nur aber auch an meiner Wattpad-Lektüre lag. Denn ich wollte bei oben genanntem Preis mitvoten, Abgabefrist ist der 15.12.2014 in den Kategorien Publikumspreis, Anfängerglück-Preis, HQ Liebes-Preis und Überraschungsauszeichnung.

Wattpad ist ein tolles Medium, bisher kostenlos. Ich muss auch nicht ein komplett durchlektoriertes Werk lesen, was auf mich bei manchen Büchern die Wirkung einer misslungenen Schönheits-Op hat, egal: Wattpad fand ich  schillernd,  frisch, angenehm kostenlos, gut auf dem Handy zu lesen und nicht dominiert von dem Gedanken Wie findet der Leser das  sondern eher so aus der Haltung heraus,  Da geht mir was im Kopf rum,  das schreib‘ ich mal auf .

Da können interessante Sachen herauskommen. Tun sie aber nicht.

Das deutsche Wattpad tritt auf der Stelle, was auch daran liegt, dass  Genre wie z.B. Fan-Fiction überdurchschnittlich oft vertreten ist.  Fan-Fiction ist eine gute Sache, wenn man sehen will, wie aus Tagträumereien vielleicht ein dramatischer Stoff werden könnte. Fan-Fiction ist auch eine gute Sache, wenn man mit Leidensgenossinnen die Sehnsucht nach seinem Idol teilen will. Der größte Knackpunkt an den Geschichten ist, dass die jungen Autorinnen  -Anmerkung: habe leider keinen Autoren gefunden, der zum Beispiel bei Harry Styles steil geht  (schade) – viel Zeit darauf verwenden müssen, die Realität ihrer Traumvorstellung anzugleichen, was denn auch dramaturgische Reiz- oder der neuralgische Punkt des Ganzen ist. Der zentrale Punkt – Harry Styles und ich- wird meist zum zentralen Konflikt -Harry Styles, seine Berühmtheit und ich, die Schülerin.  Manchmal ist er Schüler und trotzdem noch Harry Styles , einmal ist er Lehrer, sieht aber so aus wie H.S. und einmal ist er H.S. von OneDirection und hat seine Band für die Ich-Erzählerin, eine ziemlich sexsüchtige Schülerin, sitzen lassen. Nicht, dass ich jetzt Jungmädchenzimmerliteratur verachten will, aber nach fünf F-F-Dingern war ich doch ermattet, von dem immer drögen Plot, der scherenschnittartigen Figurenzeichnung und der Penetrationswilligkeit der Ich-Erzählerinnen. Leider bieten die Kommentare auch keine Abwechslung mehr, schade, denn über die Kommentare könnte sich eine nette Diskussion entwickeln, geht aber nicht, wenn die Stoffe keine Relevanz besitzen.

Bei so viel Schatten gibt es Licht: Durchweg finde ich die Cover und die Covergestaltung bei fast allen Wattpad-Veröffentlichungen gut. Ob mir das Titelmotiv gefällt oder nicht, die Umsetzung erfolgt – im Gegensatz zu Indie-Autoren auf anderen Plattformen – auf einem höheren Niveau, was Sujet, Farbgebung und die Schriftgestaltung angeht.

Und schon wieder dunkle Wolken, denn leider sind manchmal einfachste Rechtschreibregeln nicht eingeübt. Und wenn es sich tatsächlich so verhalten sollte, dass Sprache immer wieder von ihren Nutzern angepasst und geformt wird, dann wage ich zu behaupten, dass das Komma (ebenso wie die bestimmten und unbestimmten Artikel) vom Aussterben bedroht sind.

Eigentlich hatte ich so für mich gehofft, dass sich ein Stoff bei Wattpad entwickelt, der Leser die Stadien verfolgen kann, vielleicht eine Dramaturgie von außen aufnimmt. Die App bietet gute Möglichkeiten, wie z.B. einen Trailer zu dem Buch einzustellen, alles in einer Hand zu haben, ohne auf einen Vimeo-Link bspw. verweisen zu müssen.

Fazit: Ich hätte sehr gern eine oder mehrere Geschichten von der Wattpad-Plattform für den Wettbewerb vorgestellt. Es ging aber, aus oben genannten Gründen, einfach nicht. Ich glaube einfach, das wird im nächsten Jahr möglich sein.