1001 Möglichkeiten, E-Books sichtbar zu machen -13 gegen den Winterschlaf!

VÖ: 07.11.14, 0,00 Euro
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Ich bespreche eher Bücher, aber zur Abwechslung ein kleines Fragestündchen, zu einem Thema, dass Indie-Autoren immer umtreibt: Ein E-Book ist geschrieben, und nun? Wie mache ich mein Buch sichtbar? Wie präsentiere ich mich als Autor? Frank Arlt von „13 gegen den Winterschlaf“, in denen dreizehn Autoren mit Short Stories aus jedem Genre vertreten sind. Frank erläutert stellvertretend für 13 Autoren, wie bei ihnen virales Marketing auf eine intelligente und witzige Art funktioniert hat und funktioniert.

Guten Morgen,  Frank!

1. Du hast mit Autorenkollegen vor Wochen eine Aktion initiiert, die 13 gegen den Winterschlaf. Ihr seid relativ schnell in die Charts gekommen, woran lag das?

Fangen wir von vorne an. Anfangs hatte ich eine sehr unspezifische Idee mit der Gründung der Gruppe. Da war schon etwas Frust dabei, gebe ich zu. Frust darüber, dass man beim SelfPublishen in der Masse untergeht, dass einem das Bewertungssystem von Amazon kaum Chancen lässt. Wer soll ein Buch finden, das auf Rang 312.789 liegt? Und warum sollte er/sie das kaufen?

Ich habe mich in vielen Mails mit Renard Fourrure ausgetauscht, ihm ging das nicht anders. Plötzlich war die Idee mit der Gruppe da, die ich „Ebooks, Autoren, Bücher“ genannt habe.  Gesagt, getan, ich habe alle, die ich von Neobooks kannte, angeschrieben und eingeladen. Sie waren dabei!.

Dann kam die Webseite: Buchperlen. Ein sehr schöner Name, wie ich finde.

Es wurden immer mehr Leute, die meisten nahmen nur inaktiv am Gruppenleben teil, doch es bildete sich ein harter Kern, der relativ schnell die Idee hatte: Wir machen ein Buch, das wir kostenlos anbieten, um unsere Namen bekannter zu machen. Gefallen den Lesern unsere Geschichten, dann kaufen sie vielleicht auch unsere E-Books.

Und innerhalb einer sehr kurzen Zeitspanne waren 13 Geschichten zusammen gekommen. Mona Frick hat immer neue Trailer für Videoplattformen wie Youtube zusammengestellt, so lange, bis alle zufrieden waren. Von Claudia Rimkus kam das witzige Cover. Renard hat unheimlich viele Ideen und auch konstruktive Kritik mit eingebracht. Jeder hat verdammt hart an der Sache gearbeitet. Jeder hat dazu beigetragen, dass aus der Geschichte was wird! Einen herzlichen Dank dafür!

Etwa 4 Wochen nachdem die Idee geboren war, stellte Jutta Wölk (als Herausgeberin) das Buch auf BOOKRIX ein, am nächsten Tag stand es bei Amazon und zwei Tage später war es in den Top10.

Klar haben wir dafür geworben. Wir haben eine Veranstaltung erstellt, alle eingeladen, die wir auf Facebook kannten. Das waren um die 550 Leute, die wir da zusammengetrommelt haben. Witzig war eine Verlosung. Wir haben  unsere kostenpflichtigen E-Books verlost. 25 Stück haben wir uns überlegt. Dank mangelnder Beteiligung sind wir nur die Hälfte losgeworden. Dennoch war die Aktion ein Erfolg. 90-Gefällt–mir-Angaben an einem Tag, viele verdammt nette Worte von den Lesern und wir sind heute (Stand 11.11.14) immer noch in den Top10!

2. Ihr alle betreibt das Schreiben nebenberuflich? Ohne Verlag? Was habt Ihr für Marketing-Aktionen veranstaltet oder kommt die gute Chartplatzierung nach wie vor noch über die Erst-mal-umsonst-Aktionen zustande?

 Unter uns gibt es ein paar Autoren, die ihre Bücher über einen Verlag verkaufen, Cornelia Briend zum Beispiel. Auch ein paar von meinen Geschichten findet man gedruckt in einer Antholgie mit 4-stelligen Verkaufszahlen. Nun gut, das waren Lokalkrimis.

„13 gegen den Winterschlaf“ ist kostenlos. Dies ist sicher ein, wenn nicht der Grund dafür, dass es erfolgreich ist. Wir werden sehen, wie es weitergeht.

Wir haben übrigens große Pläne. Kein Witz, es sind schon neue Ebooks geplant: „13 gegen die Frühjahrsmüdigkeit“, „13 gegen das Sommerloch“ und „13 gegen den Herbststurm“. Ob es bei uns dreizehn Autoren bleiben wird, ist unwahrscheinlich, denn wir wollen auch anderen Perlen eine Chance geben. Aber in jedem neuen Buch werden ein paar bekannte Namen auftauchen!

Doch die Aktion war auch verdammt anstrengend. Jetzt mache ich erst mal ein paar Wochen Pause. Die brauche ich, da ich derzeit an zwei weiteren Anthologien mitarbeite, die in Buchform und über einen Verlag herausgegeben werden. Außerdem arbeite ich an einem Roman über das ausgehende 16. Jahrhundert. Dazu bin ich in den letzten Wochen kaum gekommen.

  1. Was meinst du, gibt es Titel im E-Book-Bereich, die sich nach deinen Erfahrungswerten besser verkaufen als andere?

 Sicher verkaufen sich Erotikbücher besser als andere. Vielleicht auch Vampirgeschichten, diese romatischen meine ich (Biss – wann und wohin auch immer). Letzteres ist allerdings nichts für mich. Und natürlich sind historische Sachen immer weit oben. Das ist allerdings nicht der Grund für den Mittelalterroman ;-)

  1. Wenn ja, warum? -Geht ein Genre besonders gut? -Hat die Länge eines Textes einen Einfluss auf die Kaufentscheidung? -Oder ist es am Ende – der Preis?

 Darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht, wenn ich ehrlich bin. Ich schreibe die Geschichten, die mir einfallen. Das sind in der Regel keine Mainstream-Sachen. Besonders gut verkaufen sie sich allerdings nicht (siehe oben). Doch es ist immer wieder schön, wenn sich die Leser, zB. mit einer Rezension bei einem bedanken. Dann weiß man, dass man jemanden erreicht hat.

Man muss nicht Marc Elsberg oder Frank Schätzing heißen, um tolle Geschichten zu schreiben. Das haben ein paar Autoren erst kürzlich bewiesen. Damit hier kein Eigenlob durchdringt, ich habe nicht mehr und nicht weniger als 12 tolle Kurzgeschichten lesen dürfen. Meine eigene bewerte ich nicht.

  1. Glaubst du, dass eine Flatrate wie Kindle Unlimited (für 10 Euro im Monat 10 Bücher) den SelfPublishern mögliche Kundschaft wegnimmt?

 Ich denke, dass Firmen wie Amazon alles dafür tun, ihre Gewinne zu maximieren, während Mitarbeiter und Künstler (es trifft ja nicht nur Autoren, sondern auch Musiker) auf der Strecke bleiben. Wie soll dieses System der Flatrate etwas Positives bringen? Vielleicht für den Kunden, der die E-Books dann als vermeintliche Ramschware auf den Reader bekommt.

Wenn bei dieser Flatrate auch die „Großen Autoren“ mitmachen (müssen), bleiben für die SelfPublisher nur diejenigen Leser übrig, denen 10 Euro immer noch zu viel Geld ist. Auf die kann ich persönlich ehrlich gesagt verzichten.

  1. Stell dir vor, es wäre das Jahr 1981, mit all seinen schönen technischen Errungenschaften; also Telefon mit Wählscheibe, elektrische Schreibmaschine namens Gabriele, etc. Kurz und gut: Wie hätte dein SelfPublisherLeben 1981 ausgesehen?

 1981 und SelfPublishing? Da muss ich erst mal überlegen, was damals so los war. Oh die erste Freundin!

Mit einer elektrischen Schreibmaschine bin ich nie zurechtgekommen, also musste ich eine Mechanische nehmen, die ich noch im 1-Finger-Suchsystem bedient habe.

In der Zeit stand ich total auf die Romane von James A. Michener und Arthur C. Clarke. Die Space Odyssey (2001 – Odysee im Weltraum) war allerdings längst geschrieben. Bis 1981 war ich glaube ich nur im Bayerischen Wald und in Rimini. Torremolinos, die Südsee oder Hawaii (Die Kinder von Torremolinos, Hawaii, Die Südsee – 3 von Micheners Romanen) lagen auf fernen Planeten, deshalb konnte ich so etwas auch nicht schreiben.

SelfPublishing bestand also aus dem Zusammenkleben von Matrizenkopien zu einer Schülerzeitung.  (Für die Jüngeren: Matrizenkopien rochen wunderbar nach Spiritus und waren bei Lehrern und Schülern ein beliebtes Rauschmittel) Anmerkung Tania: Ich weiß, damit habe ich bestens todeslangweilige Schultage überstanden, einfach den Kopf aufs Pult und am Papier riechen.

Aber ganz ehrlich, 1981 hatte ich so viel anderes zu tun. Zum Schreiben bin ich nicht gekommen. Das hat mich erst vor einigen Jahren gepackt.

Okay, das war’s. Vielen Dank, Frank!

13 gegen den Winterschlaf: 13 Autoren – 13 Geschichten – 13 x Lesespaß, mit: Mona Frick, Renard Fourrure, Frank Arlt, Norbert BöselerJana Zenker, Yvonne BauerElisabeth Marienhagen, Cornelia Briend, Agnes M. Holdborg, Jutta Wölk, Alegra Cassano, Claudia Rimkus, Anne Lay

Die (un-)sichtbaren eBooks

…einen sehr schönen Satz gefunden: „…Buchhändler verkaufen Geschichten, kein Papier…“ (Z.Beck) Variation

Zoë Beck

Nach einem Jahr CulturBooks und über fünfzig Veröffentlichungen können Jan Karsten und ich glücklich sagen, dass wir eine Menge erreicht haben. Und eine Menge gelernt. Zum Beispiel, dass der stationäre Buchhandel vor allem auch deshalb nicht so gern eBooks verkaufen möchte, weil die einzelne Buchhandlung daran nur 12% (statt sonst ca. 40%) Gewinn hat, dafür aber nicht nur inhaltliche Beratung, sondern häufig auch technischen Support leisten muss. Für uns wie auch andere Digitalverlage heißt das natürlich, dass im Buchhandel kaum Veranstaltungen mit unseren Autor*innen stattfinden werden. Ausnahmen wie das Büchereck Niendorf Nord, die sogar ihren White Label-Shop soweit modifiziert und individualisiert haben, dass sie eine eigene eBook-Sparte präsentieren, oder Osiander, die unabhängige Digitalverlage in ihrem Online-Shop vorstellen, freuen uns gewaltig. (Simone Dalbert, selbst Buchhändlerin, fragt sich übrigens in ihrem Blog Papiergeflüster auch, warum nicht mehr Buchhandlungen eBooks verkaufen.)

Wir mussten auch feststellen, dass sich trotz höherer Preise unsere eBook-Lizenzen…

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Lovelybooks Lesepreis 2014

Liebe potentielle Wähler und Wählerinnen,

bis zum 19.11.2014 können noch Stimmen abgegeben werden.

Der Lovelybooks Lesepreis ist ein reiner Leserpreis, ausgerufen von Lovelybooks, bzw. der aboutbooks GmbH, eine Tochtergesellschaft der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck und derzeit die größte Buchplattform in deutscher Sprache.

Zum sechsten Mal findet der Lovelybooks-Lesepreis statt. Schön und neu in der Buchwelt finde ich, dass der LbL-Preis eine eigene E-Book-Kategorie hat. Hier der genaue Ablauf.

Und – Es können eigene Favoriten, die bisher noch keine Nominierung erfahren haben, eingereicht werden.

Viel Spaß!

Go East, ein autobiographischer Roman

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Go East oder Autobiographisches von Zaubi M. Saubert, erschienen bei Neobooks. In Kürze jährt sich der Mauerfall zum 25ten Mal, was auch Thema von Go East ist; die Auswirkungen des Mauerfalls Anfang der 1990er, beobachtet von dem Ich-Erzähler Zaubi, einem Hannoveraner Architekturstudenten, der Finanzkaufmann wird, der sogar bei Carsten Maschmeyer –hoho- der damals schon eine Insel besaß, bei einer Schulung erleben durfte.

Mir gefällt die amüsante, chronologische, lineare Struktur, mir gefallen die lakonischen Schilderungen, die gewinnen, weil sie gerade kein literarisch geschöntes Bild der deutschen Vorvergangenheit zeigen. In loser Reihung, nimmt mich Zaubi  Finanzkaufmann* an die Hand. Ich begleite ihn durch Halle an der Saale, genauer gesagt, bin oft in HaNeu, einer idyllischen Plattenbausiedlung mit verwirrendem Hausnummernbeschriftungssystem und erlebe die Versuche mit, Fuß zu fassen in einem dem Westdeutschen unbekannten Land. Zaubi Ich-Erzähler hat Begleitung, zu denen auch der kleine Braune, ein Weinbrand zählt, ebenso wie Pfeffie** -nicht der Pfefferkuchenmann. Dabei gerät Zaubi in schöne Begebenheiten, wie einen Beate-Uhse Abverkauf direkt von der Lastwagenrampe, oder: Nächste Ecke Hütchenspieler, Einsatz 100 Mark, eine reelle Gewinnausschüttung findet eher nicht statt. Ereignisse, Begebenheiten und Situationen reihen sich aneinander, dadurch wird mir der Mauerfall jenseits aller 09.11. Betulichkeit beschienen.

Die schönste und traurigste Episode spielt in einer Kaufhalle, direkt nach der Währungsumstellung. Alles schick gemacht, Vorfreude allerorten und tatsächlich, die Kaufhalle ist pünktlich randvoll bis unters Dach voll mit Westprodukten, alles da – auch die Preise scheinen unterm Dach angekommen. Fassungslosigkeit und Entsetzen, denn von den Brötchen bis zum Weinbrand haben sich die Preise verdreifacht – egal, welches Produkt. Das ist Wiedervereinigung zum Anfassen. Und da liegt die Stärke von Go East.

Für ein E-Book wegen seiner Kleinheit immer besonders wichtig, das Cover. Finde ich sehr schön, schwarz/weiß, in Farbe dann nach der Wiedervereinigung. Brandmauer, Lucky-Strike Werbung, ausgeschlachteter Trabant. Sehr schön fertig, viel Aufbruch Ost dabei.

Die Figuren bleiben leider ziemlich blass. Zugegeben, ich bin hier nicht im psychologischen Roman, aber manchmal wünschte ich mir beim Lesen, doch mehr über beispielsweise Horst oder Anita zu wissen, außer, dass sie laufen können und unkompliziert lustige Zeitgenossen zu scheinen sind. Das Wollen aller anderen bleibt außen vor; aber dabei könnten Figuren meiner Meinung nach die Geschehnisse stärker bündeln.

Abschließend:  Der Hauptreiz für mich ist die Stimmung in dem Fragment Go East, die absolut und gut vom Sommer 1990 lebt, von dem Umstand, dass ein Westdeutscher versucht, sich in Halle an der Saale zu etablieren. Manchmal erscheint mir der Blick von West auf Ost als problematisch. Aber war der Blick von West nach Ost nicht damals so?

Das Berufsfeld eines Finanzkaufmanns, ein Beruf, der nicht von der IHK geschützt ist, meint den Verkauf und Vertrieb von Verträgen, z.B. Bauspar-, Lebensversicherung und Ähnliches. Sollte ein Finanzkaufmann klingeln, dann bleiben dem Opfer, ähnlich wie bei einer Hai-Attacke nur Sekunden. Sofort die Tür zuschlagen, denn alles hinter „Ja gut, aber nur zehn Minuten“ wird teuer und im Fall des Versuchs einer Kündigung unerquicklich.

**Zwei Freunde: Brauner und Pfeffie

Wilthener Goldkrone Vanilla 0.7lGreizer Pfefferminzlikör