„Das Marketing ist der umfangreichste Baustein der gesamten Verlagstätigkeit.“ SteglitzMind stellt Steffen Janssen vom Luzifer Verlag vor

Die lose Gesprächsreihe mit Indie-Verlegern, die SteglitzMind führt, halte ich für außerordentlich lesenswert. Für alle, insbesondere Indie-Autoren, Autoren, SPler und für schlicht Lesebegeisterte unverzichtbar – finde ich.

SteglitzMind

Es heißt ja, dass die Kleineren unter den Verlagen zwar oho, aber viel zu wenig bekannt sind. Wer und wo sind sie? Wie behält man die immer größer werdende Kleinverlegerszene im Blick? Was treibt junge Verleger an und um? Welche Strategien verfolgen sie, um auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen? Was packen sie anders an als die Etablierten? Wie definieren sie ihre Zielgruppe, wo finden sie ihre Nische? Welche Risiken sehen sie und wo verorten sie ihre Chancen?

Fragen, die in einer losen Gesprächsreihe mit Verlegern und Verlegerinnen aufgegriffen werden. Ich freue mich sehr, dass Steffen Janssen vom Luzifer Verlag heute Rede und Antwort steht. Vorgeschlagen hatte das Schemajah Schuppmann vom Papierverzierer Verlag.

Eine kleine Skizze vom Verlag…

Der Luzifer Verlag von Steffen Janssen mit Sitz in Wattenscheid wurde Anfang 2011 gegründet. Mittlerweile arbeiten zwei Dutzend freiberufliche Mitarbeiter für den Verlag (Übersetzer, Illustratoren, Lektoren). Der Programmschwerpunkt liegt in den…

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31.10.2014 Die lange Nacht … des E-Books!

Nach München zieht es Die lange Nacht des E-Books am Wochenende in die Hansestadt Hamburg.  Die Macher des E-Book-Camps haben es sich mit dieser Aktion zum Ziel gemacht, Macher, Leser, Verlage an einen Tisch zu bringen und füreinander zu interessieren. Eine Highlights: 17.00 Und App geht’s, Interaktives Erzählen für Kinder, 20.00 CulturBooks, Ein E-Book Verlag stellt sich vor, 21.00 Abschluss & Party zum 15jährigen Jubiläum des mairisch Verlags.

Hier das Programm für diejenigen, die an Halloween nicht unabkömmlich sind: http://die-lange-nacht-des-ebooks.de/category/programm-am-31-10-2014/

Abhauen! Protokoll einer Flucht

Michael Zeller, Abhauen! Protokoll einer Flucht, CulturBooks Maxi, 120 Seiten, 5,99 Euro, VÖ: 01.10.2013

Die letzten Lebensjahre sind meist die Jahre, in denen allen alles abverlangt wird, den Alten wie den Angehörigen. Eine schnöde Lebensweisheit, aber auch der Plot von Michael Zellers schönem Maxi-Player Abhauen! Protokoll einer Flucht, erschienen im E-Book-Verlag CulturBooks. Und es wird so schön und so wenig rührselig, gar nicht ins Sentimentale abglitschend erzählt, dass ich gar nicht anders konnte, als sehr berührt zu sein. Ein Sohn erlebt seine Mutter im Verglühen. Biographie umarmt Prosa.

In Abhauen! liegt der Fokus auf der Art und Weise des Mit-Einander-Umgehens zwischen Sohn und Mutter. Die Pflegebedürftigkeit der Alten lässt keine Distanz mehr zu, die beiden müssen sich wieder nahe kommen. Krankenhaus, das letzte Mobilisieren der Kräfte, um ja nur nicht ins Pflegeheim zu kommen, der nächste Schlaganfall, der Malteser-Pflegedienst im Haus, dann wird das Unausweichliche real.

Der Sohn, Ich-Erzähler, ein Mann in den besten Jahren, kommt angenehm mir durchdacht daher, es ist einer, dem ich als Erzähler vertraue,  ein Netter, nicht einer, der die Hinfälligkeit der Alten zur persönlichen Nutzen-Kosten Abrechnung nutzt.

Situationen, Begebenheiten, manchmal wird die Beobachtete störrisch, lehnt sich auf, will ausreißen aus den vorgegebenen Bahnen des Siechtums, die ihr die Schlaganfälle aufzwingen, hängt an den Resten ihres Seins, eher Gefühl als Verstand. „Wo ist der liebe Kleine“ fragt sie beharrlich und meint damit ihr moppelig gefüttertes Hundetier. Als die Söhne ihr erzählen, dass der Kleine in die Schule ginge und viel Hausaufgaben machen müsse, da zeigt sich die Mutter beruhigt.

Aber immer wieder Einbrüche: Solange noch Kraft in ihr ist, wehrt sie sich, zwingt allem und jedem ihre Sicht auf, posaunt Meinungen über den Stationsflur,  peinlich für den Sohn; in seinen Jugendzeiten scheint ihre Einstellung Anlass für heftigste Streits gewesen zu sein. Köstlich ist nicht nur der dicke Hund in der Schule, sondern auch die Situation,  in der sich die Mutter über das schlecht geführte Krankenhaus beschwert; es war noch nie ein Arzt bei ihr, mault sie. Der beunruhigte Junge geht dem Sachverhalt auf den Krankenhausfluren nach, findet den Grund für das Ausbleiben eines Arztes. Es ist eine Ärztin. Nimmt die Mutter nicht an. Frauen sind keine Ärzte.

Die Mutter, die Überpräsente, ihre Unbelehrbarkeit, ihre Borniertheit, stoßen ab und ziehen auch an. Beim Lesen geschah etwas: Ich wechselte mitten in der Lektüre die Pferde. Zuerst war mir der Sohn, der Beobachtende näher, dann zwängte die Mutti nun resolut ihren Fuß in meine Herzenstür. Ich wurde wechselhaft wie Herbstwetter.  Denn wie soll man sich zu einem Menschen verhalten, der alles vergisst? Was sind die Sohnespflichten? Oder die Mutterpflicht, sich anständig zu verhalten?

Manche sagen, jeder Stoff erzwingt sich seine ihm gemäße Form. Hier ist es die epische Machart, die das Verhalten, das Zu-, Mit- und Gegeneinander der Beiden am besten hervorbringt. Und da liegt die Großartigkeit des Autors, des Biographen, dass er mir als Leserin die Freiheit der Empfindung (ähnlich wie bei der beliebten Siebziger-Jahre-Serie Wie würden Sie entscheiden?) lässt.

Die Familiengeschichte der Mutter, die Person des hochverehrten Dr. G. … wird für mich zu spät entschlüsselt. Als der Name des hochverehrten Dr. G … mal raus war, da habe ich es zweimal gelesen, ich dachte, ich sehe nicht richtig. Meiner Meinung nach wurde mir diese Information zu lange vorenthalten, er und sein Bruder wurden als Kinder bestimmt ständig von der unbelehrbaren Mutter mit ihrer äußerst fragwürdigen Verehrung konfrontiert. Da schimmert mir Dramaturgie durch. Ein wenig mehr Biographie, Eckdaten, hätte dem Ganzen nicht geschadet, aber das ist nur so eine Anmerkung, es könnte auch eine Vorliebe von mir sein.

Fazit: Ich habe mich  sehr, sehr gefreut, auf Abhauen! Protokoll einer Flucht, bei meinem Rumgewühle im E-Book-Markt gestoßen zu sein. Auf der Autorenseite von Michael Zeller bei CulturBooks las ich, dass Abhauen! eine Fortschreibung erhält, einen Rückgriff, genauer gesagt. Die Familiengeschichte erweitert sich. Ich freue mich darauf.

„… Nein, Geschenke konnte ich Mutter nicht mehr machen. Erst jetzt spürte ich, welchen Verlust es bedeutet, wenn Menschen diese kleinen bescheidenen Freuden einander nicht mehr bereiten konnten. Unsere Begegnungen waren die schiere Gegenwart, kannten kein Morgen mehr.  Nur noch ein Ostern mit Mutter. Dieses. Ein nächstes gab es nicht mehr. … “ aus: Abhauen! Protokoll einer Flucht, Fundstück aus Kapitel 10.

Amazon ./. Autoren ./. Alle

Proteste gegen den Goliath des Versandhandels sind nichts Neues, sind auch berechtigt, haben aber die Neigung, geistig zu versanden, denn: kaufen wir nicht alle irgendwie mal bei Amazon? Freuen wir uns nicht alle über die schnelle Lieferung, die schöne Geschenkverpackung, oder darüber, dass wir nix schleppen brauchen? Da fallen mir  direkt die zehn kg Katzenstreu aufs Hirn, ein herrliches Beispiel aus Heike Geißlers großartigem Hörstück Saisonarbeit, das ich jedem, der sich über Amazon so seine Gedanken macht, nur ans Herz legen kann. Zum Beispiel: ‚Fassen Sie den Handlauf an, sie könnten sonst stolpern (und dann fallen sie als Arbeitskraft aus)‘ ist ein bitterböses Lehrstück in Sachen Neoliberalismus.

Essayistisch verarbeitet H. Geißler ihre Erfahrungen mit Entmenschlichung unter Tariflohn, ganz real gibt es noch den offenen Brief an Amazon http://www.fairer-buchmarkt.de/ der den Wirtschaftskrieg gegenüber Autoren und Autorinnen der Bonnier-Gruppe und deren Bücher anprangert. Aber das neueste Kabinettstückchen aus dem Hause Amazon, vorgestellt auf der Frankfurter Buchmesse  ist: die E-Book-Flatrate Kindle Unlimited. Für schlappe 9,99 mtl. kann der User zehn Bücher ausleihen, die virtuelle Leihbücherei soll ca. 650.000 Titel,  die Zahlen variieren, umfassen. So aus dem Bauch heraus würde ich sagen, diese Fickflatrate ist doch eher was für die Freunde der einschlägigen Kost. Aber alle ärgern sich. Zu Recht.

Trotzdem bleibt A. ein Mega-Seller mit häßlichem Internet-Auftritt. Was macht mir persönlich Amazon so bequem, was mag ich an Amazon?

Auf jeden Fall vor Jahren das vordergründig demokratische Gebaren: Du, jeder kann ein Buch herausbringen, auch ohne den Verlagsfilter – Lektorat – Korrektorat – Marketing. So fand und ich finde ich immer noch (zugegeben: es wird weniger) wilde Dinge, die ein Verlag gar nicht rausbringen kann, quere Stücke, die mich amüsieren, berühren, zwei Bücher haben es sogar geschafft, mich zu begeistern. In dem Wust von Amazon mit seinen Top 100, Top 100 kostenlos etc. weiche ich mittlerweile auf E-Book-Verlage aus, es gibt sie und es lohnt sich, zu stöbern. Qindie, CulturBooks, Dotbooks, ChiliVerlag, mikrotext, uvm.

Die Kommentare zu den Buchrezensionen bei A. bereiten mir ebenfalls viel Spaß, es ist, als würde ich durch ein Schlüsselloch spähen, was zwar auf eine schlechte Kinderstube meinerseits schließen lässt, mir aber nix von meinem Spaß raubt – und darum sollte es ja in der Welt gehen –  um Heiterkeit.

Diese Rezensionen sind oft große Klasse, da wird in einem Satz die Welt gerade gerückt, als wäre es ein schief hängender Ölschinken bei Tantchen überm Sofa. Ich erlaube mir, aus Michele W.‘s Rezension zu zitieren; Shades of Grey – Geheimes Verlangen, Band 1.: „… Wenn man Lebensnahe Geschichten will sollte man keine Romane lesen, die sind in meinen Augen nicht dazu da aus dem Leben zu schreiben …“. Dann wäre das endlich auch mal geklärt.

Es gibt Alternativen zu Amazon. Osiander beispielsweise, ein Händler, der ebenfalls über ein großes Buch- und E-Book-Sortiment verfügt, unabhängige E-Book-Verlage vorstellt, Leseproben bereithält und freundlich kompetente Buchempfehlungen ausspricht. Ich fühle mich bei Osiander wie einem Buch-Café ums Eck. Und so langsam nähere ich mich der eigentlichen Frage:  Wofür brauche ich Amazon?

Wenn ich einen Akkuschrauber als Geschenk verpackt haben möchte und mir gleichzeitig noch ein paar Bücher bestellen will, dann meine ich, ist Amazon gut.

Die Preisträger des Virenschleuderpreises 2014

Hier sind Sie, die von der Jury gewählten Preisträger des Virenschleuderpreises 2014.

Bei dem Vsp14, ins Leben gerufen von Leander Wattig,  geht es darum, ansteckendes Marketing in der Publishing-Branche sichtbar zu machen. Ansteckung wird zu Virus, daher der Name Virenschleuderpreis. Die Kategoren waren: Ansteckenste Maßnahme/ Strategie,  Ansteckenste Persönlichkeit und die Ansteckenste Idee im Web.

Bewerben konnten sich die Teilnehmer selbst oder vorgeschlagen werden, das Ranking der Top 10 ergab sich aus den Facebook-Likes ( schade für den, der sich Facebook verweigert), danach hatte eine Fachjury die Qual der Auswahl. Und das sind die Sieger:

Ansteckenste Maßnahme/Strategie geht an die Buchhandlung Lessing und Kompanie in Chemnitz für die Fotoaktion ‚Kunden und ihre Lieblingsbücher‘. Ziel der Aktion war, Menschen und ihre Lieblingsbücher auf ein Bild zu bannen, Leseleidenschaften sichtbar machen, die Präsenz eines Buches im Alltag aufzuzeigen.

Ansteckenste Idee geht an das Projekt #myRembrandt der Pinkakotheken im Kunstareal München, die eine Teilschließung zur Sanierung der Alten Pinkaothek wie folgt nutzten: Sie schickten eine Reproduktion von Rembrandts jugendlichem Selbstbildnis auf Reisen unter dem Motto Zeig Rembrandt deine Welt! Die Tour startete am 15.07.,  Rembrandts Geburtstag und schloss am 04.10., seinem Todestag. Begleitet werden konnte Rembrandt unter #myRembrandt.

Ansteckenste Persönlichkeit im Vsp14 ist  Zoë  Beck, Autorin, Übersetzerin und Co-Inhaberin  des E-Books-Verlages Cultur-Books – Elektrische Bücher. Die Begründung lautet unter anderem: „…An ihr kommt man zum Glück im Social Web nicht mehr vorbei. Wir brauchen mehr Menschen, die ‚digital‘, ‚Buch‘ und ‚Zukunft‘ in einem Satz denken können, ohne sich zu verschlucken!“… (Lisa Rank, Journalistin)

Meine herzlichsten Glückwünsche!