Saisonarbeit, von Heike Geißler

Saisonarbeit, von Heike Geissler, erschienen in Edit 64 und als mehrteiliges Hörstück
In dieser Woche überlegte ich angestrengt, was ich denn so lesen könne. Ich schaute mir alles Mögliche im E-Book-Bereich und Hörspielbereich an. Genre, wohin mein Auge fiel. Vampire, New Adult, also erste Liebe, auch mit sexuellem Vollzug, aber nicht so explizit, Erotik, Krimi und Thriller, die gerade im E-Book-Bereich nicht mit dem Sezieren oder Psychopathen geizen. Humor gibt es auch noch, da bleibt alles beim Alten, entweder sehr gut oder nur verquält. Nebenbei: wieder ganz unmögliche Cover gesehen. Also insgesamt war es bei den E-Books so, als würde ich an einem kleinen Bahnhofskiosk stehen.

Und dann doch nicht, denn ich fand Saisonarbeit von Heike Geißler, ein vierteiliges Hörstück, in dem die Autorin,  gelassen aber deutlich erzählt, wie Arbeit bei Amazon denn so ist. Weit ab von investigativem Wallraff-Geschrei brachte sie mir näher, wenn passiert, wenn der Wert von Arbeit Billiglohn heißt. 

Alles hat seinen definierten Wert, sagt Frau Geißler, so wie Wohnen, Essen, Sein „….und haben ein Kind, das alle naselang Wünsche hat, und auch Ihr Freund hat ein paar Wünsche, und Sie selbst haben auch Wünsche, recht reduzierte allerdings, die sich meistens als Bedürfnisse ausgeben….“ Da nicht nur in der Autorin Leben das Bezahltwerden dem Leben hinterherhinkt, geht sie zu Amazon, die Arbeit haben, entweder im Wareneingang, in der Wareneinlagerung, Kommissionierung oder in der Verpackung, mal mit, mal ohne Handscanner. Stehend oder Laufend.

Heike Geißler liest selbst, sehr schlicht, ich glaube, sie lispelt ein wenig, hört sich lieb an. Im Hörstück bei http://www.editonline.de/saisonarbeit/, finde ich, kommt es noch besser heraus, dass ich die Autorin mich für sich nimmt. „… Sie sind ja jetzt als ich unterwegs…“  Und so erlebe ich  Amazon am eigenen Leib, warte auf Bierbänken, betrachte beklommen einen Mitbewerber, der sich an der nachgestellten Verpackstation mit einer DVD und einer Pappe abmüht. Ich bekomme volle Packung Amazon-Schulung mit Robert und Sandy und sinniere zwischendurch immer mal wieder darüber nach, dass ein Mindestlohn von 8,50 Euro, um den die Politik so engagiert rang, zum Leben nicht reicht. Es ist gut, dass die Autorin mich zwischendurch bittet, das Ganze einfach als ein Theaterstück zu sehen, was die Szenerie  erträglicher, aber nicht besser macht. Leider bleiben mir im Grunde genommen sehr ergiebige Figuren wie Robert und Sandy fremd. Die Distanz der Schilderung war zu groß, der Blick von Aussen zu dominant, so dass gerade diese wichtigen Menschen keinen Raum hatten. 

Zusammenfassend: Ich habe sehr gern und sehr gespannt zugehört, die genauen Beobachtungen waren reizvoll, Alltagsgeschehen , das in Form von: „Liegestützen!“, über mich hereinbrach. Leben halt.