Murks, von Jasmin Ramadan

Logline:  In der Erzählung Murks von Jasmin Ramadan, begegnete ich aberwitzigen Figuren, verdichteten Episoden und Herrn Arne Wellenkamp, lakonischer Betrachter seines Leben. Am Ende verreist er, zwei Koffer als Geschenk im Gepäck. Ich finde, es lohnt sich, diesem angenehm vermurksten Menschen auf 29 Seiten näher zu treten.

Warum? Weil er etwas von einem Teddybären hat. Zu Beginn gesteht er, ein gescheiterter Selbstmörder zu sein erzählt dann übergangslos weiter, es tauchen in voller Schönschrecklichkeit Birthe und Birgit auf, Arnes Agenturchefinnen, die ein deutschlandweit anerkanntes Geschäftsmodell in die kapitalistische Welt getreten haben, nämlich die Vermarktung von Texten & Models (weil es gut zusammen passt). Geht das? Ja, aber um das zu bringen, dafür muss man Birthe und Birgit heißen und Arne muss es erzählen.

Weiter: Mein absoluter Figurenliebing ist Frau Lomonossow. Arne nimmt bei der älteren russischen Dame Schauspielunterricht,  weil er ein außergewöhnliches Hobby haben möchte. Frau L. scheint in der Vermittlung der Schauspielkunst nicht übermäßig engagiert, aber Arne wäre nicht Arne, wenn ihn das stören würde; Frau Lomonossow erzählt — von Russland, von Abram, ihrer großen Liebe. Arne hört zu und gibt vorurteilslos wieder …

Zusammenfassend: Die Lakonie, mit der Arne Existenzen heiter betrachtet, hat sich beim Lesen auf mich übertragen. Nach den 29 Seiten war mein Leben in der nächsten halben Stunde sehr heiter.

Literatur-Quickies von dotbooks  ist ein schönes Format, viele gute lesenswerte kurze Geschichten. Lobend zu erwähnen. Überwiegend keine gemeinfreie Literatur, also: die Autoren leben – oder haben vor kurzem noch gelebt. Der Murks von Frau Ramadan trägt die Nummer 59.

Murks, Jasmin Ramadan, ca. 29 Seiten, VÖ: April 2014
Murks, Jasmin Ramadan, ca. 29 Seiten, VÖ: April 2014