Bastets Töchter, Teil 1

Bastets Töchter, Meike Nilos, Teil 1, Qindie, 0,99 Euro

In der letzten Woche habe ich mich über das Sommerspiel von Qindie gefreut und beschlossen, ein paar Bücher aus dem Verlag zu lesen. Hier das Erste: Bastets Töchter, Teil 1, von Meike Nilos.

Inhalt: Emilie  ist des Lebens nicht mehr froh, weil ihr Mann Walter sich nur noch mit Mühen zu sexuellen Aktivitäten durchringen kann.  Sie beschließt, Abhilfe zu schaffen.

Das ist der Inhalt von Bastets Töchter, Teil 1. Wobei mir jetzt wieder auffällt, dass ich Bastets Töchter noch nicht kennengelernt habe. Egal, sie werden schon noch auftauchen und sich nackich machen, meinetwegen in Teil 2, 3 oder 4.  Ich mache es mal wie in einer gestandenen Montessori-Schule; das Positive zuerst. Die Rechtschreibung und der Satzspiegel finde ich sehr gut.  Das Titelbild  – ist Geschmackssache. Die Thematik ist in Bastets Töchter einem Erotischen Mystery Roman angemessen: Verlangen, Begehren, Sex, variantenreich, wechselnde Stellungen, da war auch was mit Kerzenwachs und Handschellen, will heißen: Wieder mal ganz lässig den BDSM-Bereich gestreift.

Womit ich meine Probleme hatte und jetzt beim Nachdenken darüber immer noch  habe, ist die Schablonenhaftigkeit der Protagonistin, Emilie. Die Handlung setzt zu Beginn der Urlaubsreise nach Oman ein, die Probleme zwischen Emilie und Walter existieren schon länger. Da (anfangs) alles aus Emilies Perspektive geschildert wird, haut sie uns ihre Klage in epischer Breite um die Ohren. Ich nehme an, dass das ein Versuch der Autorin ist, die späteren sexuellen Abenteuer von Emilie zu legitimieren (wieso eigentlich?).  Die feuchte Emilie breitet monotone Hausfrauenklagen vor märchenhaften Kulisse aus: Walter guckt sie nicht mehr an, sie fühlt sich einsam, wenn er mit ihr schläft,  er will nur noch arbeiten und ihr nicht mehr das Gefühl geben … und so weiter. Aber Emilie, das kleine Schlauerle, will im Oman-Urlaub wieder Feuer, Glut und Passion in die Beziehung bringen. Da war ich schon gespannt, wie stellt sie es denn an?

Ihre Avancen treffen erst einmal nicht auf fruchtbaren Boden, aber Emilie kann ganz gut masturbieren – das Genre muss in Gang gesetzt werden! –  und dann trifft das Ehepaar auf zwei hilfsbereite Nomaden, Emilie kann und will sich den Jungs nicht entziehen, es kommt, wie es kommen muss, Sex in einem Wadi mit Jafar, derweil Masud unter einer Palmengruppe sitzt und zuschaut. Hier iwo ist auch die Stelle, an der die Klarheit endet und ich  mit dem Text Schwierigkeiten bekam, es wurde wirr oder ich habe das  Mystery-Element nicht begriffen. Auf jeden Fall wusste ich oft nicht, wer spricht, denn Walter tauchte auf einmal als Erzähler auf. Und ganz simple Vorgänge gehen schief, sind nicht ausgeführt, wie Ort, Zeit, wem passiert es? In der Tat: Mysteriös.

Zusammenfassend: Die Stereotypie der Hauptfigur Emilie bereitete mir die größten Schwierigkeiten. Dann kloppten mich aus dem Lesen die ständigen unmotivierten Perspektivwechsel. Zeit, Ort, Traum oder Realität, das ist hier die Frage. Ja und natürlich geht 1001 Nacht als Sujet für Sex und mehr; trotzdem bewegte sich die Emilie für mich wie eine abgehalfterte Sextouristin durch das Set. Aber ich bin mir sicher, dass noch geklärt wird, wer oder was Bastets Töchter sind!

Die Qindie-Welt der E-Books

Ein nicht mehr ganz neues, aber ein sehr nettes Spiel: Das QindieSommer-Roulette auf Facebook. Ganz ein wenig umständliche Teilnahmemodalitäten, aber wer weiß denn schon, wie die Event-Modalitäten bei Facebook sind? Wenn die nur halb so frustend sind wie Beanstandungen oder Beschwerden bei Facebook, dann: Meine herzlichen Glückwunsche,  Qindie, dass du es geschafft hast, eine Veranstaltung zu erstellen.

Als Label will Qindie Qualität für  Indie-Autoren. Das Autorenkorrektiv besteht seit Mai 2013 und hat innerhalb eines Jahres über 300 Titel im Programm aufgenommen. Für mich ein kleiner Makel ist der Umstand, dass ich finde, dass Qindie sich schlecht aussprechen lässt.

Qualität und Independent, geht das? Die MacherInnen von Qindie ärgerten sich über Massen an grottigen E-Books. Die Bezeichnungen Self-Publisher und Independent –Autor mutierten rasch zu einer Beleidigung. Qindie wollte dem schlechten Ruf Abhilfe schaffen und widmet sich seither der Lesbarkeit und der Verständlichkeit der E-Books.

Bei Qindie bewerben kann sich jeder Self-Publisher. Die Autoren, die schon Mitglieder sind, stimmen basisdemokratisch ab. Es gilt die 2/3 Mehrheit. Wird ein Autor genommen, erhält er ein Q auf dem virtuellen Buchdeckel, was ein Qualitätsmerkmal darstellen soll. „…Wer ein Buch mit dem „Q“ kauft, darf sich auf ein lesbares Buch freuen, das Grammatik respektiert und Rechtschreibung achtet. Ob es inhaltlich gefällt, entscheiden die Leser selbst…“

Ein hehres Ziel. Ich freue mich auf die nächste Woche, in der ich mehrere Qindie-Bücher besprechen werde.

Bis dahin

 

 

Hoffentlich ansteckend: Der Virenschleuderpreis 2014

Es kann losgehen mit den Eigen- und Fremdnominierungen zum #vsp14. Ab sofort und bis zum 26.09.14 finden die Auswahlen zum Virenschleuderpreis statt. Kooperationspartner ist die Frankfurter Buchmesse.

 Die Kategorien, für die Teilnehmer vorgeschlagen werden dürfen, bzw. sich selber bewerben können, sind:

– Marketing – Maßnahmen /-Strategie

– Marketing – Idee

– Persönlichkeit

Procedere: Die Nominierungen werden auf der Virenschleuder-Website gesammelt. Nach dem Stichtag wird eine Shortlist von 10 Nominierten aus jeder Kategorie erstellt, ausschlaggebendes Kriterium für die Shortlist sind Facebook-Likes! Im Anschluss daran hat eine Fachjury das Wort.

Interessant ist mit Sicherheit die Fragestellung, wie viel PR & Marketing eingesetzt werden kann, darf und muss. Welche Wege können beschritten werden, um einem Produkt zu der ihm gemäßen Aufmerksamkeit zu verhelfen? Wo können Schnittstellen beispielsweise zwischen Buch und Film für den E-Book-Bereich aufgegriffen und in ein interessantes Produkt verwandelt werden? Oder: Ab wann kann Posten als Belästigung begriffen werden? Wie Zielgruppen exakt ansprechen?

 Am 10.10.2014 findet auf der Frankfurter Buchmesse  die Preisverleihung statt.

Virenschleuderpreis: Wer eine ansteckende Marketingmaßnahme zu einem Projekt vorweisen kann, wer eine fiebrige Marketingidee hat, wer meint, schon öfter gehört zu haben, dass ER/SIE von kontagiöser Persönlichkeit ist, der sollte den Virenschleuderpreis 2014 nicht verpassen. In diesem Sinn: Posten & Liken!

Saisonarbeit, von Heike Geißler

Saisonarbeit, von Heike Geissler, erschienen in Edit 64 und als mehrteiliges Hörstück
In dieser Woche überlegte ich angestrengt, was ich denn so lesen könne. Ich schaute mir alles Mögliche im E-Book-Bereich und Hörspielbereich an. Genre, wohin mein Auge fiel. Vampire, New Adult, also erste Liebe, auch mit sexuellem Vollzug, aber nicht so explizit, Erotik, Krimi und Thriller, die gerade im E-Book-Bereich nicht mit dem Sezieren oder Psychopathen geizen. Humor gibt es auch noch, da bleibt alles beim Alten, entweder sehr gut oder nur verquält. Nebenbei: wieder ganz unmögliche Cover gesehen. Also insgesamt war es bei den E-Books so, als würde ich an einem kleinen Bahnhofskiosk stehen.

Und dann doch nicht, denn ich fand Saisonarbeit von Heike Geißler, ein vierteiliges Hörstück, in dem die Autorin,  gelassen aber deutlich erzählt, wie Arbeit bei Amazon denn so ist. Weit ab von investigativem Wallraff-Geschrei brachte sie mir näher, wenn passiert, wenn der Wert von Arbeit Billiglohn heißt. 

Alles hat seinen definierten Wert, sagt Frau Geißler, so wie Wohnen, Essen, Sein „….und haben ein Kind, das alle naselang Wünsche hat, und auch Ihr Freund hat ein paar Wünsche, und Sie selbst haben auch Wünsche, recht reduzierte allerdings, die sich meistens als Bedürfnisse ausgeben….“ Da nicht nur in der Autorin Leben das Bezahltwerden dem Leben hinterherhinkt, geht sie zu Amazon, die Arbeit haben, entweder im Wareneingang, in der Wareneinlagerung, Kommissionierung oder in der Verpackung, mal mit, mal ohne Handscanner. Stehend oder Laufend.

Heike Geißler liest selbst, sehr schlicht, ich glaube, sie lispelt ein wenig, hört sich lieb an. Im Hörstück bei http://www.editonline.de/saisonarbeit/, finde ich, kommt es noch besser heraus, dass ich die Autorin mich für sich nimmt. „… Sie sind ja jetzt als ich unterwegs…“  Und so erlebe ich  Amazon am eigenen Leib, warte auf Bierbänken, betrachte beklommen einen Mitbewerber, der sich an der nachgestellten Verpackstation mit einer DVD und einer Pappe abmüht. Ich bekomme volle Packung Amazon-Schulung mit Robert und Sandy und sinniere zwischendurch immer mal wieder darüber nach, dass ein Mindestlohn von 8,50 Euro, um den die Politik so engagiert rang, zum Leben nicht reicht. Es ist gut, dass die Autorin mich zwischendurch bittet, das Ganze einfach als ein Theaterstück zu sehen, was die Szenerie  erträglicher, aber nicht besser macht. Leider bleiben mir im Grunde genommen sehr ergiebige Figuren wie Robert und Sandy fremd. Die Distanz der Schilderung war zu groß, der Blick von Aussen zu dominant, so dass gerade diese wichtigen Menschen keinen Raum hatten. 

Zusammenfassend: Ich habe sehr gern und sehr gespannt zugehört, die genauen Beobachtungen waren reizvoll, Alltagsgeschehen , das in Form von: „Liegestützen!“, über mich hereinbrach. Leben halt. 

475.000 Reads: Test 27

Test 27, 53 Teile

Logline: Für die Schüler der Klasse XY steht ein Ereignis an, von dem sie auf dem Internatsgelände schon munkeln hörten. Test 27. Wie sich schnell herausstellt, handelt es sich nicht um eine Klassenarbeit, sondern um …. Horror, Blut, Liebe, Psycho, Tod. Das sind die Tags, die die Autorin (?), die sich hübscherweise Secret777 nennt, setzte.  Es splattert im Kinderzimmer, fiel mir als Erstes  ein. Zweitens: Ich bin ein Lemming, natürlich will ich das E-Book auch lesen, wenn es so viele Reads hat.

Weiter: In einem labyrinthischen Gebäude neben der Schule werden die Schüler nacheinander gemeuchelt, wobei den Jugendlichen die Freiheit zugestanden wird, ihre Opfer selbst zu wählen. 27 Schüler betreten das Labyrinth, sie werden von der Lehrerin mit einem hämischen Grinsen und dem Satz „….Möge der Gewinner … äh … überleben.“

Hier mein persönlicher Lieblingssatz in den Kommentarfunktionen bei Wattpad: „OMG, ist die Kranke verheiratet?“:0 :D “

Sehr, sehr niedlich. Anmerkung: Die Intertextualität der Kommentarfunktionen sind sowieso oft das Beste.

Wer sollte Test 27 lesen?

Der, der sich von den Tags angesprochen fühlt, wird sehr zufrieden sein, eine Ausnahme: Die Liebesgeschichte kommt in Test 27 zu kurz, geht ja auch nicht anders, denn es müssen insgesamt 26 Personen auf teilweise sehr bizarre Art getötet werden. Und selbstverständlich treibt die im Labyrinth eingesperrten  Jugendlichen  ein nachvollziehbarer Wissensdurst um, wer oder was und warum ihnen ständig ans Leder will – also fällt die Liebesgeschichte im Labyrinth ein wenig ab, bzw. kann gar nicht glaubhaft zwischen dem ganzen Gehacke und Gemetzel gestaltet werden.

Ist Test 27 ein faszinierendes E-Book? 

Dazu die Autorin:  OMG 475.000 Reads Danke Ich liebe Euch.

Es werden bestimmt etliche der Leser Test 27 richtig gut finden. Aber da schwimmen Haare in der Suppe. Es sind zu viele Figuren. Da ständig einer stirbt, interessiere ich mich nicht sonderlich für sie. Die Aufgaben sind dem Horror angemessen, bewegen sich schon im Splatter-Bereich, wie folgende Tötung: In einer Aufgabe  muss eine Tür geöffnet werden, was nur mithilfe einer menschlichen, weiblichen Wirbelsäule geht, wobei das extrahierte Rückrat nicht mehr als fünf Minuten an der frischen Luft verbleiben darf! Da sind die Schüler gefordert.

Und es gibt große Logikschwächen: Alice begegnet ehemaligen Mitschülern im Labyrinth, die den Test schon hinter sich haben – ist den Schülern nie aufgefallen, dass regelmäßig  ein ganzer Jahrgang ausgelöscht wird? Und das in diesem Labyrinth-Gebäude auf dem Internatsgelände untote Kinder hausen? Hmm.

Zusammenfassend: Es gibt da einige Fragen, über die die Autorin (?) von Test 27 noch nachdenken könnte, die betreffen aber nicht die abwechslungsreichen Tötungsarten. Die Rechtschreibung ist für Wattpad richtig gut, vor allen Dingen ist der Ausdruck recht reif,  was mich ins Grübeln bringt: Werden jetzt auf Wattpad viele Sachen als Teen-Autoren-Erstling herausgegeben und die Schreiber sitzen gar nicht mehr nägelkauend in ihren Kinderzimmern und hacken ihren Erstling ins Handy? Dann splattert es ja doch nicht im Kinderzimmer?! Fragen über Fragen, die so ein kleines Elektro-Ding aufwirft.

Nur noch eine kleine Anmerkung: Ich bin kein Fan der ganzen Autoren-Pseudonyme, wer schreibt, kann seinen Namen runtersetzen.

Murks, von Jasmin Ramadan

Logline:  In der Erzählung Murks von Jasmin Ramadan, begegnete ich aberwitzigen Figuren, verdichteten Episoden und Herrn Arne Wellenkamp, lakonischer Betrachter seines Leben. Am Ende verreist er, zwei Koffer als Geschenk im Gepäck. Ich finde, es lohnt sich, diesem angenehm vermurksten Menschen auf 29 Seiten näher zu treten.

Warum? Weil er etwas von einem Teddybären hat. Zu Beginn gesteht er, ein gescheiterter Selbstmörder zu sein erzählt dann übergangslos weiter, es tauchen in voller Schönschrecklichkeit Birthe und Birgit auf, Arnes Agenturchefinnen, die ein deutschlandweit anerkanntes Geschäftsmodell in die kapitalistische Welt getreten haben, nämlich die Vermarktung von Texten & Models (weil es gut zusammen passt). Geht das? Ja, aber um das zu bringen, dafür muss man Birthe und Birgit heißen und Arne muss es erzählen.

Weiter: Mein absoluter Figurenliebing ist Frau Lomonossow. Arne nimmt bei der älteren russischen Dame Schauspielunterricht,  weil er ein außergewöhnliches Hobby haben möchte. Frau L. scheint in der Vermittlung der Schauspielkunst nicht übermäßig engagiert, aber Arne wäre nicht Arne, wenn ihn das stören würde; Frau Lomonossow erzählt — von Russland, von Abram, ihrer großen Liebe. Arne hört zu und gibt vorurteilslos wieder …

Zusammenfassend: Die Lakonie, mit der Arne Existenzen heiter betrachtet, hat sich beim Lesen auf mich übertragen. Nach den 29 Seiten war mein Leben in der nächsten halben Stunde sehr heiter.

Literatur-Quickies von dotbooks  ist ein schönes Format, viele gute lesenswerte kurze Geschichten. Lobend zu erwähnen. Überwiegend keine gemeinfreie Literatur, also: die Autoren leben – oder haben vor kurzem noch gelebt. Der Murks von Frau Ramadan trägt die Nummer 59.

Murks, Jasmin Ramadan, ca. 29 Seiten, VÖ: April 2014
Murks, Jasmin Ramadan, ca. 29 Seiten, VÖ: April 2014