Eine total verschallerte Erotik-Challenge

…ausgerufen von Neobooks.

Screenshot 2014-07-28 08.25.45Logline: Nach dem Erfolg Shades of Grey wird allseits angenommen, dass Leser/Leserin noch lange nicht satt ist von erotisch-knisterndem-deftigem Lesestoff. Was richtig sein könnte, wenn ich mir ins Gedächtnis rufe, was ich im letzten Jahr in einer Buchhandlung erlebte:

Ich stand am Kassentisch,  draußen war es regnerisch, dunkel. Eine mittelalte, konservativ gekleidete Frau mit einer Sonnenbrille betrat den Laden, schlenderte scheinbar absichtslos herum und fragte dann leise den Verkäufer: „Haben Sie Fifty Shades of grey?“ Der Verkäufer schaute irritiert über seine Bücherstapel, erwiderte: „Kenne ich nicht. Wie heißt das Buch?“ Die Frau, die ihre Sonnenbrille partout nicht abnahm (beachte: Wetter, s.o) wiederholte ihr Anliegen. Der Verkäufer fand das Buch nicht, ich lachte, der Verkäufer wurde hartnäckig, ein Buch, dass er als Bibliophiler nicht kennt? Unerhört. Als er insistierte, partout den Inhalt erfahren wollte, verließ die Frau den Laden mit der Bemerkung, dass sie den Titel im Internet bestellen würde.  An dem Tag dämmerte mir, dass  der Vertriebsweg mitentscheidend für den Erfolg sein kann.

Deshalb grätscht auch Neobooks mit ihrer Erotik-Challenge ins … Gefordert wird ein erotischer Quickie! Wogegen überhaupt nichts einzuwenden ist, bedenklich fand ich beim Überlesen den  Ausgangstext, von der sich die künftigen Schreiber/innen der schwülen Zunft inspirieren lassen sollen. Dieser Ausgangstext soll eigeninitiativ um 2.500 weitere Zeichen fortgesetzt werden. Die Herkunft des Textes wird nach WB-Ende verraten; ich bin gespannt. … hier der Text…. Hervorhebungen von mir…. Nun los:

„… Einen Zug gab es an jenem Abend nicht mehr. In mir stieg ein Freudenschwall hoch. Er musste sich also noch einmal neben mich legen, dieser Rohling, dessen Feindseligkeit ich auf greifbare Weise wachsen spürte. Im Hotel verlangte er ein anderes Zimmer, aber es gab keines. Ich verbarg meine Befriedigung. Kaum waren wir oben, packte er seinen Koffer, indem er seine Habseligkeiten durcheinander hineinwarf, wie im Kino; dann zog er sich aus – dass er mir den Anblick seiner Geschlechtsorgane entzog, war als Repressalie gedacht. Im Bett überwältigte mich wieder sein penetranter Duft nach warmem Korn, aber er drehte mir den Rücken zu, jenen weißen Rücken der Seeleute, die niemals Zeit noch Lust haben, sich der Sonne auszusetzen. Sein braungebrannter Nacken wirkte wie aufgesetzt, ich dachte an die Kartenspiele, wo man den Kopf und den Rumpf der Figuren austauschen kann. Einen Augenblick irrten meine Lippen über diese Grenzlinie und über die Haarkringel seines kindlichen Nackens, aber er rührte sich nicht. Die Macht seiner Verweigerung war wie ein eisiger Hauch, der mich so sehr lähmte, dass ich schlaflos auf dem Rücken liegenblieb, so nahe an seinem Körper, wie es ging, ohne ihn zu berühren. Mitten in der Nacht spürte ich, dass…“ (Zitatende unbekannter Text von mir bislang noch unbekanntem Verfasser, gefunden auf Neobooks.de)

Der Text ist ein Ausriss, soweit so gut. …

  1. „… In mir stieg ein Freudenschwall hoch…“. Schwall, hoch aus dem Magen steigend; meine Assoziation ist die des Erbrechens.

  2. Es will mir nicht recht plausibel erscheinen, dass der Seemann (oder Hobbyseemann, egal), der mit der geilen Tante leider aufs Zimmer muss, weil kein anderes verfügbar, dann im Zimmer seinen Koffer einpackt … und sich dann auszieht. Kann möglicherweise durch den Ausriss sich als Logikfehler darstellen; aber dann hätte dieser Satz gestrichen werden müssen.

  3. penetranter Duft nach warmem Korn … Hat sich die arme Frau einen Alki geangelt oder sind Er oder Sie im Nebenberuf Bauer und Bäuerin. Im besten Fall unverständlich.

  4. Und nun kommen wir zu meinem persönlichen Favoriten: …die Haarkringel seines kindlichen Nackens… Wie alt ist der trinkende Seebär? Unterjugendlich? Bin verwirrt.

Abgesehen von meiner Verwirrung bin ich tatsächlich gespannt wie ein Flitzebogen: Wer schrieb diesen unterirdischen Text? Sollte das etwa Salz auf meiner Haut … nein, das kann nicht sein.  Noch interessanter: Wie geht der Text der Gewinnerteilnehmer nach dieser sehr eigenen Ausgangslage, in der lediglich als gesichert gelten kann, dass die Hauptfigur, die Ich-Erzählerin, schwer geil ist, weiter?

Fragen über Fragen, die Antworten werden wir auf Neobooks erleben.

Teilnahmebedingungen auf der Neobooks Seite. Erotik-Challenge

Einsendeschluss: 01.08.2014

Der Player von Nebenan, von Schoenegeschichten

Der Player von nebenan, von Schoenegeschichten
Der Player von Nebenan, von Schoenegeschichten

veröffentlicht auf Wattpad, gefunden in der Rubrik: Gerade angesagt, Widmung der Autorin: Liest selbst

Logline: Didem (17) könnte kotzen. Serkan (18) wird ihr neuer Nachbar und zu allem Überfluss scheint er auf Didems Kratzbürstigkeit zu stehen. Didem verabscheut Serkan aus unerfindlichen Gründen, später – nachdem er ihr Oberkörperfrei die Tür aufmachte- scheint die verwirrte Didem sich ihrer Gefühle erwehren zu müssen. Und dann gibt es da noch Aneta, die Schlampe aus dem Nachbarsgarten …

Alles da in der Story um Didem und ihre Gefühle: Protagonist, Antagonist, Konflikt.

Ich nutze Wattpad meist auf dem Handy, daher ist meine Lesesituation nicht entspannt und meine Aufmerksamkeit nicht sehr hoch, ich bräuchte definitiv nicht Den Mann ohne Eigenschaften als Lesestoff, daher: schon mal okay, was die Autorin so bietet.  Habe beim Player von Nebenan Kapitel 1,2 und 3 gelesen. Die durchschnittliche Lesezeit eines Kapitels beträgt ca. 3 Minuten. Nachteil  beim Player war, dass ich mich erst einlesen musste, damit meine ich besonders die eigen gestaltete Grammatik und Rechtschreibung. Es könnte abschließend ein Rechtschreibprogramm genutzt werden.

Mit das Schönste am Player von Nebenan sind die Kommentare, die jeder Leser direkt in der Story hinterlassen kann. Sehr interessant. E-Books, insb. Wattpad lösen die starre Lesehaltung von Sender und Empfänger auf, in den Kommentaren erscheint die Autorin und diskutiert die Eindrücke und Beanstandungen der Leser mit. Im Player … ist eine Verlinkung mit Instagram, dort kann Didems Outfit aus der Story bewundert werden.

Zusammenfassend: Spaßfaktor 5, Lesefaktor 2, Verständlichkeit 4. Da die Geschichte um Didem und Serkan ein wenig vorhersehbar ist, hoffe ich, dass noch einiges an Verwicklungen etc. kommt. Lieblingssatz in der Player von Nebenan: “ …Ich: boah nerv nicht ruf einfach deine Mutter…“

»Orientierungslos« von Stephanie Drescher

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Seiten 203 ISBN-13 978-3-8476-7696-6 Veröffentlicht am: 24.02.2014 Aktualisiert am 11.04.2014

Logline: Orientierungslos ist ein Krimi, bzw. Thriller, Spielort die deutsche Hauptstadt der Jetzt-Zeit. Hauptakteurin ist die Journalistin Julia van Sauten, die es sich nicht erklären kann, warum sie mit der Tatwaffe in der Hand neben einer Ermordeten, deren Fußsohlen tätowiert sind, im Grunewald gefunden wird. Die entsetzte Julia ist voll mit blauen Flecken und –wie eine spätere Blutanalyse zeigt – bis unter die Hutkrempe voll mit LSD. Der gut gestaltete Auftakt des Romans Orientierungslos beginnt mit einer Befragung, die Tim Sander, Kriminalkommissar mit der nicht orientierungslosen, aber schwer verwirrten Julia van Sauten führt. Der Journalistin dämmert, gerade wegen ihrer Amnesie die letzte Nacht betreffend, dass sie in einer üblen Lage steckt … .

So beginnt der gut gestaltete Auftakt von Orientierungslos. Fräulein  van Sauten befindet sich in einer Lage, die seit König Ödipus als der dramatische Musterfall der Ermittlungen gilt. Ein unwissender Täter ermittelt mit dem Ziel, einen Verbrecher oder Mörder zu finden, etwas aufzuklären, sich von vermeintlicher Schuld reinzuwaschen. Bis die Ermittlungen sich gegen ihn richten. Die junge Journalistin beginnt, sich selbst auf die Spur des Mordes hin zum Mörder zu begeben, ihre Triebkraft ist der natürliche Wunsch, sich zu entlasten. Darüber will Julia Antworten auf Familiengeheimnisse. Und natürlich treibt Julia, die von der Autorin auch als Ehrgeizling gezeichnet wird, die Frage um: War sie einer großen Story auf den Fersen? Wenn ja, welcher? Welchen Bezug hat ein vor Jahren geschehener Mord an einem Kind? Und ein verurteilter Täter, der immer beteuerte, dass er unschuldig ist?

Stephanie Drescher schafft es, durch Konflikt plus pittoreske Schauplätze eine schöne Schubkraft zu erzeugen. Und es entsteht eine Vorwärtsspannung, wobei ich als Leserin die Gesamtmenge aller Teile bewegen darf. Die schnelle Dialogführung tut ihr Übriges. Manchmal hatte ich in der Sprache einen Anflug von Drehbuch, aber ich mag das gern, die Aussparung von Unwesentlichem – das halte ich nicht nur bei einem Krimi für vorteilhaft.

Der Ermittler Tim Sander, der ein wenig lustlos ermittelt, aber die Hauptverdächtige irgendwie mag, ist nicht nur im Privatleben Migränepatient. Ich persönlich hätte mich nicht an einem Ermittler gestört, der zur Abwechslung mal so normal wie Kommissar Maigret oder meinetwegen Miss Marple wäre. Ich bin ein wenig ermüdet von den ganzen Versehrten, die gebrochen die Seite des Rechts repräsentieren. Es würde mich nicht stören, wenn diese Mode ihren Zenit überschritten hätte. Mit der Julia van Sauten hat die Autorin mir eine Figur erschlossen, die ich am Anfang nett unsympathisch fand. Und da mir schnell klar gemacht wird, dass Julia den Mord nicht begangen haben kann, tut sie mir leid, bin ich bei ihr, obwohl die Frau außer einem hochfahrenden, schnippischen Wesen noch so an einigem trägt, dass aus ihr keine Spitzen-Kandidatin für die Top-10-Beste-Freundinnen-Liste macht. Aber dann öffnen sich die Figuren und es ist zu merken, dass hinter dem Erwartbaren Menschen in den Talsenken ihrer Psyche hausen.

Berlin. Wer sein Mordopfer im Wiener Blut arbeiten lässt, der sollte sich schon auskennen in der Stadt. Das tut die Autorin. Konnte in Gedanken die Ecken nachfahren, wie der Kommissar auf dem Fahrrad zum Urban-Krankenhaus. Schön.

Cover: Bedenkliche Waldstimmung. Zwar wird die Julia ohne Erinnerung im Grunewald gefunden und der Mord findet auch im Wald statt, aber es ist ein Großstadtroman, daher finde ich diese Urzeitfarne vllt. nicht ganz richtig gewählt, aber das könnte auch Geschmackssache sein.

Zusammenfassend: Ein grausamer Mord im Grunewald und ein nur scheinbar gelöster Mordfall vor Jahren, das alles vor Berliner Kolorit, rau anmutend, mit einer schönen Dialoghaltung. Ich las Orientierungslos gern, weil es sich behutsam einem Verbrechen nähert, das unter dem Register die Schuld der Väter laufen könnte. Ich war erfreut, im EBook-Krimi-Bereich ein Machwerk zu finden, dass ohne übelste Psychopathen (…ich bin doch nur wegen Mutti so zu Frauen!…) auskommt. Für mich einer der Mit-Haupt-Pluspunkte ist auch die gut recherchierte Berlin-Szene ohne aufgepfropfte Hauptstadt-Feier-Mentalität. Nörgelei: Die Möglichkeit für Kürzungen scheint mir gegeben.

 

Sieben Raben von Mika M. Krüger

Sieben Raben von Mika M. Krüger
Seiten 147 ISBN-13 978-3-8476-8492-3 Veröffentlicht am: 17.04.2014 Aktualisiert am 10.06.2014

 Das Geheimnis um ihre Herkunft fängt das Mädchen Frana an zu beschäftigen, nachdem eine Krähe in ihr Zimmer hüpft und aus der elterlichen Kommode Franas Geburtsurkunde zerrt. Die Geburtsurkunde weist Frana auf das hin, was sie schon ahnte, nämlich, dass es ein anderes Leben vor ihrem behüteten Leben gab. Die Spur führt nach Tschechien. Wie der Titel schon sagt, sind es sieben Raben, die das Mädchen begleiten und Teil ihrer schrecklichen Biografie sind.

Das Mädchen oder die junge Frau Frana ist ruhig, zurückhaltend und hat einen unspektakulären Job. Dabei machte sie auf mich den Eindruck, als könne sie mehr als in einer Druckerei arbeiten – ein kleines Fragezeichen, denn diese Arbeit „….war eine einfache Arbeit für ein einfaches Mädchen…“ Da gehe ich nicht mit der Autorin konform, denn ich finde, dass Franas Zielstrebigkeit, ihre Intelligenz, ihr Mut, auch der Starrsinn, den sie an den Tag legt, sie für diese Arbeit und ihr wie von der Welt abgeschnittenes Sein, schlicht nicht passen.  Wirkt vllt. ein wenig starr. Anders das Figurenensemble in den Rückblenden. Die sind sehr lebendig.

Die Struktur der Sieben Raben gefällt mir sehr, erscheint mir logisch und organisch. Ein zurückliegendes Ereignis, das die Lösung für Franas heutiges Leben und das der Raben in sich trägt, muss gelöst werden. In der Vergangenheit liegt die Antwort.

Weil die Geschichte eine Rätselspannung trägt und zeitlich hüpft, hat die Autorin gut daran getan, sich um Geradlinigkeit zu bemühen. Ich finde es gelungen. Manchmal noch kleine Formulierungsschnitzer, wie z.B.: S. 9, unten: „…Der Vogel tat unverwandt einen Schritt zur Seite und machte….“.

Zusammenfassend: Bei den Sieben Raben, aufgezeichnet von den Gebrüdern Grimm, werden die Raben vom Vater verwünscht, weil sie nicht rechtzeitig mit dem Taufwasser für die jüngste Schwester heimkommen. Die kleine Schwester der Raben nimmt es auf sich, ihre Brüder zu erlösen, was sie zum Mond, zur Sonne und zu einem Glasberg führt, von dem Verlust ihres Fingers ganz zu schweigen.

Ähnlich bei den Sieben Raben von Mika Krüger, auch hier ist es Aufgabe der Jüngsten, ihre Brüder zu retten. Mythologisch gesehen ist es eine Seelenreise, die in Raben verwandelten Brüder als Symbol und der Weg des Mädchens zur Rettung ihrer Brüder und Aufdeckung weit zurückliegender Geschehnisse eine klassische coming-of-age-Story. Dank der behutsamen Sprache las ich es sehr gern – und es interessierte mich wirklich: Was geschah damals in Tschechien? … Aber ich will auch nicht verschweigen, dass ich mein Gedächtnis in punkto tschechischer Geschichte der Post-Wende-Zeit durchforstete, auf der Suche nach ethnischen Vertreibungen oder ähnlichem, denn: So historisch sind die 90er des letzten Jhdts. nicht, als das nicht Leser überlegen, ob das, was Familie Nemec passierte, nicht real war.

Sonne, Mond und Männer, von Mona Frick

Seiten 167
ISBN-13 978-3-8476-6084-2
Veröffentlicht am: 12.11.2013
Aktualisiert am 08.07.2014

Logline: Die Single-Frau und Model Yasmina Masari will einen einen Freund, aber die Zeit drängt, denn die schöne Yasmina möchte am liebsten noch vor Silvester gebunden sein!

Das ist die Handlung, auch die der aktualisierten Fassung. Es gibt bestimmt schlechtere Handlungen, da kann man was draus machen, meine ich, nur leider kam ich den Figuren immer noch nicht so recht nahe, weil es meiner Meinung nach noch Typen sind. Die Hauptfigur Yasmina ist noch zu oberflächlich gezeichnet, genau wie ihre Freundinnen, mit denen sie zusammen verzweifelt in Ecken herumsteht und sich einen Mann wünscht.  Und was soll wir Frauen von einer Frau halten, die sich von einem Mann anmachen lässt, mit: „…Ich bin Tom. Wollen wir morgen Nachmittag in die Wilhelma…“  Es könnte aber auch daran liegen, dass viele Schubladen aufgemacht werden, eine Freundin ist ein Nicole Kidman-Typ, lacht dabei wie Cameron Diaz. Ein Mann ist der Typ lonesome Cowboy, wobei dann die Beschreibung im wesentlichen abgeschlossen ist. Könnte aber auch daran liegen, dass sich Sonne, Mond und … Männer trotz Aktualisierung noch in einem nicht ganz abgeschlossenen Arbeitsstand befindet. Dann würde ich sagen: Nochmal an die Figuren ran, den Frauen durch Sprache und Eigenheiten Kontur geben und dann kommt es dem großen Vorläufer, Sex and the City, näher.

Die Struktur dieses Frauen-/Liebesromans ist schlüssig. Yasmina will einen Mann. Entweder sie kriegt einen oder nicht. Als einen großen Pluspunkt empfand ich das Cover: Ich bin auf Sonne, Mond und … Männer durch das grafisch ansprechende Cover mit den klaren Farben gestoßen. Das Bildthema (Frösche küssen) und die schöne, gut lesbare Schrift spiegeln außerdem, was im Buch ist (sein wird): Frauen, Liebe, grande Gefühle. 

Zusammenfassend: Die noch nicht ausgearbeiteten Figuren sind für mich weiterhin eine Baustelle. Damit der Inhalt so nett wird wie das Cover, da könnte m.E. noch gut daran gearbeitet werden.

Mitten ins Herz, von Talia Wayne

Elfmeter ins Herz von Talia Wayne
Seiten 136
ISBN-13 978-3-8476-7581-5
Veröffentlicht am: 18.02.2014
Aktualisiert am 14.05.2014

Knapp bevor es mich mitten ins Herz treffen konnte, erlöste mich das Ende der Leseprobe. Eine Ich-Erzählerin, offensichtlich ein liebes Mädchen und eine zuverlässige Chronistin, lässt sich in den ersten Kapiteln, die nach Minuten benannt sind, erst über ihre Zugfahrt, dann über Impressionen der Stadt Klagenfurt, aus. Ganz korrekt wird auch am Anfang der Auftrag, bzw. der Anlass des Schreibens vermittelt: Die Ich-Erzählerin hat einen aufregenden Job bekommen; sie ist freiwillige Helferin bei der Fußball-Europameisterschaft in Klagenfurt – und aufgeregt. Sie kommt also in Klagenfurt an, betrachtet ein Wandgemälde im Bahnhof, Achtung, hier findet ein (beabsichtigter?) Genrewechsel statt, es geht über in stadtarchitektonische Beschreibungen im Reiseführerstil, ein unmotiviertes Gespräch mit einer Passantin über das Wandgemälde schließt sich an. Vor dem Bahnhof entdeckt das junge Mädchen auf großer Fahrt noch einen Krebs, aber da sie uns Leser darüber aufklärt, dass sie Kunst weder mag noch versteht, steigen wir aufatmend mit dem Mädchen ins Taxi; worauf sie in ein Hotel fährt. Es handelt sich hier um den Erlebnisbericht oder um einen Roman über ein junges Mädchen -das vorgestellt oder tatsächlich Sex mit einem oder mehreren Fußballern hatte, dann empfehle ich, das Ganze zu kürzen. Alles was ich bisher las, könnte eigentlich gestrichen werden. Sollte es sich hier um die Rohfassung eines Romans handeln und liegt der Fokus meinetwegen auf junger Frau und Liebe zu Zeiten der WM, dann empfehle ich ebenfalls, stark zu kürzen. Kürzungsvorschläge. Wie oben. In den Tags las ich Frauenliteratur. Das ist es nicht ganz. Und das betrifft die mädchenhafte Sprache.Ansonsten könnte noch die Erzählperspektive überdacht werden; ein Ich-Erzähler ist schwer zu schreiben und kann für den Leser ganz einfach langweilig werden. Das Cover ist schon stimmig für das was erzählt wird, aber unter Umständen könnte auch ein interessanteres Motiv, dass mit Fußball und dem Job einer freiwilligen Helferin der Europameisterschaft zu tun hat, gefunden werden. Zu guter Letzt möchte ich mich noch über Pseudonyme verbreiten. Talia Wayne. Ein Name, der Assoziationen weckt, man beachte auch die Kategorie, Belletristik, Erotik. Und dann kommt jungmädchenhafte Prosa, das will nicht so recht passen. Vielleicht wäre ein Pseudonym wie zum Beispiel Frl.Schneider angebrachter.

Zusammenfassend: Nett, aber noch ein wenig unentschieden, was es einmal werden will. Erotik, Roman, Chick-Lit? Ich habe mich als Kategorie erstmal für Letzteres entschieden.

Der Himmel über Kopenhagen, von A. S. Hansen

Seiten 47 
ISBN-13 978-3-8476-5477-3 
Veröffentlicht am: 25.09.2013
 Aktualisiert am 18.04.2014

Handlung: 83 sein, die Füßchen und der gastrische Apparat sind noch so halbwegs am Laufen, alles andere ist auf Sinkflug. Und dann  noch ein Frohgeist sein, die gute Laune behalten? Schwierige Sache. Und so geht es Richard Plonker, Teilnehmer einer ziemlich verdrießlichen Zeitspanne seines Lebens.

Richard gebietet seiner schlechten Laune keinen Einhalt. Wenn er früh Morgens von der russischen Putzfrau mit einem freundlichen ‚Challo‘ begrüsst wird, überlegt er, warum Olga, seine Putzfrau nicht endlich mal vernünftig Deutsch sprechen könnte. Dann wird Griesgram Richard Opfer eines sexuellen Übergriffs einer agilen Siebzigjährigen. Dieses und der Belagerungszustand der rüstig-geilen Rentnerin, die Briefe mit: ‚Mein lieber böser Schatz‘, anfängt, führen dazu, dass Schubladen in Richards Kopf aufspringen, dass er weg will, dass er irgendwas an seinem Leben korrigieren möchte. Und dann fährt er – nach Kopenhagen – und dann wird es noch schöner – und am Ende wird es zum Weinen schön. Es ist Liebe, die alles verändern kann, auch Herrn Richard Plonker. 

Es könnte schon ein Kreuz mit dem Richard sein, der nichts auslässt, um sich unbeliebt zu machen. Er ist ein Rassist aus Gewohnheit. Für mich als Leserin waren seine Ansichten wie Ausflüge ins Früher. Meine Oma sagte auch nie ‚Kaisereiche‘, sondern blieb eben bei ‚Hitler-Eiche‚. Bei Richard schwingt immer mit, dass sein Festhalten an eingefahrenen Ansichten, schockgefrosteten Ideen und Idealen eher Angst denn Überzeugung ist. Und die Bestätigung kommt für mich am Ende am Grab. Als hätte er sich konserviert, um den Verlust seiner Liebe und den Tod seines Sohnes zu überleben.

Eine herausragende Figur ist die Nachbarin, großartige Frau – fast würde ich mir wünschen, dass er zu ihr zurückehrt und ihr vergibt, dass sie ihn so rüde sexuell mißbraucht hat.

Ich liebe die Gedankenstimme von Richard Plonker.Es gibt einen Film, der auf einem Roman von Louis Begley basiert, About Schmidt. Film, Roman, Novelle, ein klassischer  Roadmovie aber interessant ist der Vergleich, wie der Autor alles über Plonkers Gedankenstimme sagt, im Film muss  sich der Hauptdarsteller J. Nicholson vielfach mit wiederkehrenden Verhaltensmustern begnügen, sich in die Erstarrung retten, Filmmusik läutet Stimmungen ein, Szenenbildner und Kamera tun ihr Äußerstes, um letztlich Einsamkeit zu beschreiben. Um wie viel plastischer und schneller geht es im Himmel über ... um die Lebensthematik eines Menschen am Ausklang zu beschreiben. 

Die große Kraft von Der Himmel über Kopenhagen ist, auf wenigen Seiten ein Maximum zu beschreiben, einen ganzen Roman um ein Leben. Ich schwanke; einerseits hätte ich sehr gern mehr von Richard Plonker gehabt, andererseits liegt die Kunstfertigkeit in der Kürze.  Ich muss nochmal kurz über das Ende sprechen: Grandios. Mit allem hätte ich gerechnet, aber das … Bin Beeindruckt.

Zusammenfassend: Der Richard hat es mir angetan. Wer Warren Schmidt liebt, wird Richard heiraten wollen.