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Was können Preise bringen?

Preise, Preise, Preise. Nachdem der Lovelybooks-Lesepreis durch ist,  LeserInnen 2016 bestimmten die besten Bücher in 2016. Ich gratuliere den Gewinnern spät, aber dennoch recht herzlich – und bekenne gleichzeitig, dass der  Lovelybooks-Lesepreis  auch der Kleine-Bahnhofskiosk-GroßeSchrift-Buchpreis sein könnte. Ich bin missgestimmt, denn als ich vor ein paar Jahren auf den Lovelybooks Lesepreis aufmerksam wurde, hatte ich mir mehr erhofft. Mehr Innovation, mehr Indie, eine größere Präsenz von E-Book-Verlagen, mehr Selfpublisher, mehr Hybrid, überhaupt Texte und AutorInnen, die nicht konsequent durch ein Verlagsnadelöhr getrieben wurden.

Warum ich lese? Weil ich überrascht werden will. Und ich will berührt werden. Denn ich gleiche die Geschichten und Menschen, auf die ich in Büchern treffe, mit den Geschichten und Menschen zu meinem Leben ab. Ich will in Anderem Ähnliches finden und in Vertrautem Fremdes. Das ist mein Antrieb, den Reader anzuschalten oder ein Buch aufzuschlagen. Das ist mein Antrieb, ein Buch zu kaufen. Und sehr oft sehe ich mittlerweile zuerst die Absicht, mir ein Buch zu verkaufen als ein Thema, dass am Herzen liegt und mir nahe gebracht werden könnte. 

Da Verlage heute kaum noch Schreiber akquirieren (können), sind Plattformen wie neobooks, Lovelybooks und der Blogbuster Preis gute Möglichkeiten, sich Neues und Unerwartetes zu erschließen.

Der Blogbuster-Preis ist neu. Auch hier ist es das erklärte Ziel, eine literarische Stimme zu finden. Immer gut. Immer notwendig. Und: Die Modalitäten für eine Bewerbung sind recht offen. Allerdings müssen sich AutorInnen gleich durch zwei Nadelöhre, sie müssen einen Blogger überzeugen, der wiederum das ausgewählte Manuskript einer Jury (wie immer namhaft) präsentiert. Und dann übernimmt die Jury.  – Aber wenn es dem Ergebnis dient –  ich kann mich nur wiederholen …. Ich möchte überrascht werden. In der Bloggerjury sind gute Leute wie z.B. Katharina Herrmann von Kulturgeschwätz, Jochen Kienbaum von Lust auf Lesen, die mich oft mit ihrer Art, Texte zu behandeln, positiv überraschen, also aus der Perspektive gesehen könnte das eine Supersache sein, der Blogbuster-Preis. Eine andere Sache ist das von mir als schwierig bewertete netzhautreizende Achtziger-Jahre-Logo, dass aussieht wie nächste Abfahrt Outlet-Store in Großraumdisco.

Wie dem auch sei, ich wünsche mir was. Viele Einreichungen, auf dass die Blogger vom Lesen rote Köpfe kriegen und dann wünsche ich mir noch, dass beide Seiten, Blogger wie Juroren des Blogbuster-Preises, sich nicht auf eingefahrene Schienen verlassen.

„… Anforderungen an die Einsendungen

Teilnehmen dürfen Autoren mit einem Manuskript nur dann, wenn dieses noch nicht bei einem Verlag als Printausgabe erschienen ist. Ausgenommen hiervon sind Veröffentlichungen im Selbstverlag. Teilnehmen dürfen auch Autoren, die bereits durch einen Agenturvertrag gebunden sind. Von der Teilnahme ausgeschlossen sind Minderjährige, Mitarbeiter des Klett-Cotta Verlags und seiner Tochterunternehmen, sowie Mitarbeiter der Elisabeth Ruge Agentur GmbH….“

Einreichen. Überraschen. Berühren. Und hoffentlich gewinnen. Viel Glück!

 

 

Cover - Nadine Wojcik - Wo der Teufel wohnt

Mit satanischen Gesten ist nicht zu spaßen

… denn sie zeigen an, dass ein Pakt mit dem Teufel eingegangen wurde. Das erklärte ein Exzorzist der Journalistin Nadine Wocjik, die sich, nachdem sie auf die exorbitant hohe Zahl von 130 professionellen Teufelsaustreibern in Polen stieß, fragte: Was geht da ab? Warum dieses Bedürfnis? Wo der Teufel wohnt, erschienen im mikrotext Verlag.

Wussten Sie, dass Harry Potter, Hello Kitty, Yoga und die Band Nirvana satanischen Ursprungs sind? Davon gehen namhafte polnische Exzorzisten aus. Die sehr lesenswerte, aktuelle Reportage geht der Frage nach, warum in kurzer Zeit in Polen eine Massenbewegung entstehen konnte, für die  Wissen weniger zählt als Glaube. Warum Menschen aus allen Schichten und Verhältnissen eher zum Exzorzisten gehen als zum Psychologen und warum Psychologen und Exzorzisten oft in einer Beratungsstelle anzutreffen sind, sich die Klienten gegenseitig überweisen – auch das schildert die Beobachterin mal amüsiert, stellenweise fassungslos.

Die Journalistin Nadine Wojcik, aufgewachsen in Velbert und katholisch sozialisiert von der Großmutter,  fährt nach Polen und beginnt zu recherchieren. Sie trifft auf Pfarrer, die ihr erklären, dass der Teufel natürlich Gottes Schöpfung ist. Und wo Gott ist,  da ist Gottes Kreatur – der Teufel – auch nicht weit. Nadine Wojcik versucht zu interviewen, ihr wird nicht getraut, sie wird hingehalten, abgewimmelt, bis sie mit Hilfe des Regisseurs Konrad Szolajski zu der jungen Frau Karolina findet, die sich im  gerade entstandenen, in Deutschland noch nicht erschienen Film Kampf mit dem Satan interviewen ließ.

Das Gespräch zwischen Karolina und Nadine Wojcik, in Krakau geführt, ist mehr als beklemmend. Da ist eine junge Frau, die einige Themen hat, die den Namen tragen könnten: Migration, Heranwachsen, Mutterlosigkeit, gleichgeschlechtliche Liebe. Es macht sprachlos, dass eben dieses junge Mädchen erklärt,  dass ihr jahrelange Exzorzismen gut getan haben. „… „Ich leide unter homosexuellen Gedanken“, erzählt da Karolina, sichtlich aufgelöst. „Die treten immer dann auf, wenn ich Ärger oder Eifersucht empfinde, besonders in Bezug auf Schwester Rosa. „In meinen Fantasien trete ich dann in die männliche Rolle, küsse die Nonne, ziehe sie aus, schmeiße sie auf einen Tisch und falle über sie her.“ Ein junger Pfarrer fragt: „Und sie glauben, dass Ihnen nur noch ein Exzorzist helfen kann?“ Karolina bricht in Tränen aus. Ja.“ … „

Rollback der Religionen Beim Lesen der Lektüre schummeln sich meine Fragen zwischen die Zeilen. Sind heute viele Menschen derart abgestoßen oder angenervt von der Zivilisation, dass der Rückzug in korsetthafte Systeme, hier Glaubenssysteme, vorgenommen wird? Ist Zivilisation beängstigend?  Natürlich hat der Glaube dem Denken eins voraus: Es gibt keinen Zweifel. Nur richtig und falsch. Europäer leben mehrheitlich gut mit oder ohne Religion,  Glaube und dessen Ausübung sind eher Privatsache, so wird Frau Wocjik und mit ihr die Leser von einer postsäkularisierten Gesellschaft total überrascht.  Vom Teufel besessen sein, sich den Teufel austreiben lassen. Brauchen wir da noch den freien Willen?

Jesus im Stadion. Unterzeile: Nationale Besinnungstage Ein wichtiger Teil der Reportage widmet sich einem Erweckungsgottesdienst an einem schönen Sonnentag, Prediger ist der ugandische Pfarrer John Boshabora, in Polen ein Kirchenstar. 20.000 Gläubige sind gekommen, Nonnen tanzen über die Festwiese, Frauen fallen um, am Rand des Festivals werden von Pfarrern Beichten abgenommen, es gibt aber auch die Möglichkeit, sich von freiwilligen Helfern den spirituellen Weg im Gebet weisen zu lassen. Die Autorin wundert sich, denn viele Teile der Predigt des John Boshabora sind nicht katholischen Ritus, sondern entstammen der Pfingstbewegung. In der Pfingstbewegung findet nicht nur Ansprache an die Gläubigen statt, da ist Rede und Antwort, Motivation, Begeisterung, schlussendlich Erweckung. Mit dem Höchsten auf Du und Du, das ist Ziel, der Allmächtige kümmert sich um – dich. Die Kundgebung auf der Wiese, die zeitweise Züge einer Massenhysterie trägt, endet mit einer Verlesung der Wunder Boshaboras, die seit seiner letzten Großkundgebung geschahen. Verlorengegangene Söhne riefen also wieder bei ihrer Mutti an, Alkoholiker ließen von der Flasche, viele Heilungen schwerer Krankheiten und Wunder über Wunder. Auch John Boshabora ist ein kleines Wunder, denn es geht von ihm die Erzählung, dass, als er noch ein kleines Waisenjunges war, die böse Tante, die ihn loswerden wollte, ihm einen vergifteten Brei zu essen gab. Aber John betete flugs und die Schüssel mit dem Giftbrei zersprang. Heute ist John Boshabora Predigerstar in einem Land, dass sich beharrlich weigert, Flüchtlinge aufzunehmen.

Am Ende: … Diese sehr lesenswerte, aktuelle Reportage geht der Frage nach, warum in kurzer Zeit in Polen eine Massenbewegung entstehen konnte, für die  Wissen weniger zählt als Glaube. Wo der Teufel wohnt, liefert keine endgültige Erklärung dafür, warum sich der Teufel gerade in Polen, überwiegend in jungen Mädchen so wohl fühlt. Aber zwischen den den Zeilen erzählt dieses Buch von Angst, ist eine gute Zustandsbeschreibung eines Zivilisationsüberdrusses – und von der Suche nach einfachen Antworten und klaren Regeln. Große Empfehlung.

Epilog:  „Wenn Sie Ende 30 sind und viele Stunden im Internet verbringen, gehören Sie zu denjenigen, die am meisten unter Seinem Einfluss stehen.“  (Zitat: Jan Szymborski, Exzorzist, Warschau).

Erschienen am 16. November 2016, bald auch als Buch erhältlich,ca. 200 Seiten auf dem Smartphone, ISBN 978-3-944543-39-0, erhältlich bei:
Amazon beam buecher.de Google Play Hugendubel iTunes Kobo Thalia Weltbild und im Buchhandel. 27. November, 12.30 Uhr: Feature Teufel, komm raus, Deutschlandradio Kultur

 

Weiterführendes:

Kampf mit dem Satan,  Regie: Konrad Szolajski, Dokumentarfilm 2015, ZK Studio (in Deutschland noch nicht erschienen)

Die Brüder Karamasoff, Dostojewski, I. Buch, Die gläubigen Weiber, (Piper Ausgabe 1977, ÜS: E.K. Rahsin, S. 76-77) Darin findet sich eine Episode über eine Klikuscha, Schreiende, Heulende, hysterische Frau, die im Volksmund als verhext galten. „…Ich weiß nicht, wie es jetzt ist, doch in meiner Kindheit habe ich häufig auf dem Lande und in Klöstern solche Kranke gesehen und gehört. Sie wurden zum Gottesdienst geführt; sie kreischten oder bellten manchmal wie Hunde durch die ganze Kirche, doch wenn die geweihten Gaben des heiligen Abendmahles herausgetragen und sie dann zu ihnen geführt wurden, so hörte die „Besessenheit“ sofort auf, und die Kranken beruhigten sich stets für einige Zeit.“„…sowohl die Kranke als die Weiber, die sie zur Hostie führten, glaubten daran, wie an eine altbekannte Wahrheit, dass der unreine Geist, de sich der Kranken bemächtigt hatte, diese verlassen müsse, weil er es nicht in ihr aushalte, wenn man sie zum Altar führe und sie vor der Hostie niederknie ..“

Interessant hierbei ist, das die vielen Fälle der Klikuschi in der öffentlichen Wahrnehmung um 1880 (VÖ Brüder Karamasoff) kaum noch als Besessenheit gedeutet wurde, sondern schon  medizinisch-psychologisch Erklärungsmodelle zur Bewertung herangezogen wurden.

Weiterhin ein schönes Wochenende!

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Sie möchten ein E-Book lesen, aber Sie wissen nicht, wie?

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… finden Sie ein paar Tipps und Links zu kostenlosen Downloads für Programme, die Ihnen das E-Book-Lesen auf unterschiedlichen mobilen und stationären Geräten ermöglichen: Smartphone, Tablet, E-Reader oder Computer/PC.

Haben Sie ein Smartphone oder ein Tablet?

Wenn Sie ein iPhone oder ein iPad besitzen:
1. Suchen Sie im App Store die kostenlose App iBooks und installieren Sie sie. Danach sehen Sie das iBooks-Zeichen auf ihrem Desktop. In diesem Programm können Sie alle mikrotexte lesen.
2. Falls Sie direkt bei iTunes kaufen wollen: Klicken Sie auf das iBooks-Zeichen (ein aufgeschlagenes Buch). Wenn das Programm sich geöffnet hat, sehen Sie erstmal ein leeres Bücherregal. Oben in der Ecke steht das Wort STORE: Darauf klicken Sie.
3. Suchen Sie in den vom iBookstore vorgegebenen Listen (unten auf Ihrem Gerät) oder im Suchfeld (Lupe) nach einem Autor, einem Titel oder einem Verlag, zum Beispiel nach mikrotext.
4. Kaufen Sie ein E-Book per Klick auf den Preis. Meistens müssen Sie noch Ihr Passwort für den iTunes-Store angeben. Danach lädt sich das Buch von selbst und legt sich automatisch in Ihr Bücherregal.
5. Wenn Sie noch nie etwas direkt für Ihr Gerät gekauft haben, müssen Sie sich erst ein Konto bei iTunes anlegen. Dazu brauchen Sie Ihre Kreditkartendaten und das Administratorkennwort Ihres Geräts.
6. Wenn Sie nicht bei iTunes kaufen wollen, sondern in unabhängigen E-Book-Stores wie minimore, dann klicken Sie nach dem Kaufvorgang auf die Datei und dann auf das Icon “Öffnen mit”. Ihnen wird iBooks vorgeschlagen, das klicken Sie an – und das E-Book ist fortan in Ihrem iBooks-Regal zu finden.
7. Bewerten Sie doch auch das E-Book im iTunes-Store, das ist für andere Leser hilfreich.

Wenn Sie ein Smartphone oder ein Tablet haben, das auf Android läuft:
1. Nutzen Sie den Zugang zu dem E-Book-Store, den der Hersteller Ihres Geräts Ihnen anbietet, zum Beispiel Google Play für den Nexus.
2. Kostenlose Leseapps für Android sind etwa Aldiko oder Moon Reader.
3. Auch hier können Sie die E-Books, die Sie gekauft haben, bewerten.

Sie haben einen E-Reader mit E-Ink? Oder Sie wollen einen kaufen? (Hier ein Überblick mit Tests von gängigen Geräte)
1. Eigentlich sollte Ihr Reader mit einem Store verbunden sein, über den Sie per Klick einkaufen können, etwa mit dem Kobo Store für den Kobo oder der Kindle Store für den Kindle.
2. Oft werden E-Books nach dem Kauf auch als Dateilink verschickt. Schließen Sie dann Ihren Reader per USB-Kabel oder Speicher-Karte an Ihren Rechner an und legen Sie die ePub-Datei (das E-Book) in den E-Book-Ordner Ihres Geräts, der meist “E-Books” heißt.

Sie haben kein Lesegerät, aber einen Computer (Mac oder PC)?
Kein Problem: Sie können auch auf Ihrem Computer E-Books lesen.
1. Laden Sie etwa das kostenlose Programm Adobe Digital Editions oder Calibre herunter und installieren Sie es auf Ihrem Rechner. Mit einem Mac-Computer können Sie direkt bei iBooks die E-Books lesen.
2. Öffnen Sie gekaufte E-Books (ePub) über eines der installierten Programme.
3. Wenn Sie bei Amazon einkaufen wollen, installieren Sie das passende Kindle für PC-Programm für Ihren Computer. Amazon schickt die gekauften Ebooks dann direkt zu Kindle für PC. 

Viel Spaß beim E-Lesen! ..

…gut oder; die Anleitung drucke ich aus und verschenke die gleich laminiert mit. 

Und: Beachtenswert:  Die sehr spannende Reportage von Nadine Wojcik, Wo der Teufel wohnt. Exzorzisten und Besessene in Polen. Das werde ich besprechen, denn es gehen Ideen und Meinungen um in Polen, die mir selbst polnische Freunde nicht angemessen erklären können. Der Beginn war die 2015er Parlamentswahl in Polen, seitdem ist keine linke Partei mehr im Parlament vertreten, die Nationalkonservativen können allein regieren. Überall wurde die Wahl Triumph der Europaskeptiker genannt, 2016 legte das Parlament einen Vorstoß zur Verschärfung des Abtreibungsrechts vor, eines elementaren Frauenrechts, das unter anderem eine fünfjährige Haftstrafe bei Abtreibungen vorsah. Gottlob regte sich landesweiter Protest – und jetzt kommt die Dokumentation Wo der Teufel wohnt in der es um den unglaublichen Anstieg von Teufelsaustreibungen in Polen geht. Was geht vor im Nachbarland?

Cover - Nadine Wojcik - Wo der Teufel wohnt

Erscheint am 16. November 2016
ca. 100 Seiten auf dem Smartphone
ISBN 978-3-944543-39-0

PREMIERE ist am 15. November im Berliner Club der polnischen Versager. Lesung, Gespräch und Ausschnitte aus dem polnischen Dokumentarfilm Kampf mit dem Satan von Konrad Szolajski.

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Freitag: In Zukunft in Berlin

Freitag, den 11.11.16 um 20.00 Uhr also im CLB Berlin- Kreuzberg, im Aufbau Haus. Wandel. Wanderung. Migration.  Neue Stücke mit: Maxi Obexer, Tania Folaji, Nina Peters, Suhrkamp Verlag, Luna Ali, Sonja Schierbaum, Yasmina Ouakidi, Musaab Al-Tuwaijari.

Ein Dramatiker schreibt in das Morgen hinein. Der Akt des Schreibens, des Sich-Mitteilens ist blanke Zukunftshoffnung. Daher freue ich mich, dass sich die Autoren, Dramatiker & Dramaturgen der In Zukunft-Reihe wieder zusammenfinden, um ihre Texte, Stücke und Essays zu präsentieren.

Nina Peters, Theaterlektorin im Suhrkamp-Verlag und Jurorin,  in der Laudatio zu Yasmina Ouakidis Stück: „… zeitgenössischem Gemurmel stellt Yasmina Ouakidi andere „Sprachen“ entgegen. Die poetische Sprache aus dem Tagebuch, das Malika in ihrem ersten Leben führte. Die aufgeregte, ausufernde Erzählung Malikas, die sich Bahn bricht, als sie zum ersten Mal ein Bild entwirft vom Ort ihrer Kindheit und Jugend. Oder das Geplapper der kranken Mutter, bevor diese sich das Leben nimmt und die in einer Suada ins Telefon ihr Schicksal quasselt, ihr Schicksal als Frau eines beruflich gescheiterten Migranten, dem ihre eigene Familie mit Hass begegnet….“

Sowie:

Luna Ali – Bacchus and Bombs
Yasmina Ouakidi – Spiegelblicke
Musaab Sadeeq Al-Tuwaijari – Ausgangssperre
Sonja Schierbaum – Das Gespenst der Archivarin
Sivan Ben Yishai – Your very own double crisis club

Und ich freue mich, aus meinem im Werden begriffenen Essay, ein mühsames Geschäft, zu lesen:  Über die Möglichkeiten der Begrenzung:  „… Ich war also gespalten, was diese Bewerbung für In Zukunft anging. Migrationshintergrund ist immer der Marker einer Sonderstellung aus der Perspektive nationalstaatlicher Sicht. Ich bin hier geboren, in Berlin, bin einmal für zwei Jahre nach Hamburg migriert, aber das klappte nicht, ich ging nach Berlin zurück. Das ist die knappe und spannungslose Geschichte meiner Migrationserfahrung. Ich wünsche mir, dass der Begriff Migrationshintergrund verschwindet, sich auflöst oder auf alle Menschen angewandt wird. Wir Menschen sind keine Bäume. Wir haben die Neigung, uns zu bewegen, zu wandern, migrieren.
Immer keimt in mir die Hoffnung vor sich hin, dass sich nationalstaatliches Denken auflöst, dieses Denken in Begrifflichkeiten des Blutes, die das Sein zementiert, verschwindet – so dass die In Zukunft-Ausschreibung wie ein Anachronismus auf mich wirkte. …“

Im Anschluss findet ein Publikumsgespräch statt mit Nina Peters, Verlegerin, Suhrkamp Theaterverlag, Tania Folaji, Autorin, und Maxi Obexer, Autorin und Gründerin des Neuen Instituts für Dramatisches Schreiben, Nids.

Freitag dann.

Logo NIDS

Sponsoren: Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, EXILE

Logo des WLT. Anklickbar, um das Hintergrundbild zu sehen

Mein morgendliches Fundstück

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Ich musste so lachen; das war mein Highlight dieses Morgens nach einer durchaus deprimierenden Online-Zeitungsrundschau. Aus der StripSerie, In the Future, von Karstein Volle. Erschienen bei electrocomics, dem Verlag für Bildschirmcomics.

Und auch: NEW e-book „The birthday present“ by Lukas Weidinger

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Über der Kimmung #2 — parasitenpresse

Internationales Lyrikfest ÜBER DER KIMMUNG #2 im Literaturklub Zum zweiten Mal findet im Literaturklub das Lyrikfest Über der Kimmung statt. Drei Kölner/regionale und drei auswärtige/internationale Dichter*innen treffen aufeinander und lesen einen ganzen Nachmittag lang neue Texte. Der Vers Über der Kimmung stammt aus einem Gedicht von Johannes Bobrowski (1917-1965) und verweist auf den Horizont, ein […]

über Über der Kimmung #2 — parasitenpresse

Anmerkung von Tania: Da sind immer gute Leute bei der Parasitenpresse unterwegs!

I am not animal

Aus leider aktuellem Anlass möchte ich wieder auf das herausragende Buch I am not animal von Hammed Khamis hinweisen. Ein wütender bedrückender Bericht. Aber gleichzeitig freue ich mich, weil hier denjenigen, die im Dschungel von C. hausen müssen, eine Stimme,  Menschsein zugestanden wird.

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schreit eine eritreische Frau bei einer Demonstration. Hammed Khamis gehen diese Worte nicht aus dem Kopf, der Aufschrei wird Teil der Triebkraft, der in den Augenzeugenbericht, I’m not animal, Die Schande von Calais, erschienen bei Frohmann /An einem Tisch, mündet. Der verzweifelte Ausruf einer Frau bei einer Demonstration auf einer Autobahn ist Auftakt und Anlass dieses bemerkenswerten E-Books.

Calais, Flüchtlingslager. Plastisch, aber auch pejorativ wurde das Lager Der Dschungel von Calais genannt. Die Fahrt durch den Eurotunnel dauert zwischen 35 -45 min, wem es zu unheimlich ist, unterhalb des Ärmelkanals zu fahren, der bucht eine Fahrt auf einer Fähre, die einfache Strecke ist für 40,00 Euro zu haben. So fährt der, der Papiere, Personalausweis, Pass hat.

Für die Einwohner des Dschungels ist die kurze Strecke keine Reise, sondern eine Odyssee: Vom Lager zum Eurotunnel sind es einfache Strecke zwei bis drei Stunden Fußmarsch, vorbei an Patrouillen mit Hundestaffeln und über viele Zäune, der letzte elektrisch geladen. Warten an der Stelle, wo die Züge mit vierzig Stundenkilometern in den Eurotunnel rauschen. Dann steht der Versuch an, auf einen fahrenden Zug aufzuspringen. Hat das geklappt, muss man sich fünfzig Kilometer gut festhalten, bis man am Ziel -England- ist.

Es ist schön, dass ich wieder ein sehr direktes, unmittelbar berührendes Buch mit einer schönen Perspektive lesen durfte. Die Sichtachse macht das Buch so berührend, wie auch die Autorenperspektive von Hammed Khamis, der seine Betroffenheit und Wut nicht zügelt. Er leidet mit, wenn er sieht, wie Menschen versuchen, hinter allem anderen, dass sie verloren haben, nicht auch noch ihres Menschseins verlustig zu gehen. Zu Recht der Untertitel Die Schande von Calais.

Khamis will Zeugnis ablegen, er sprengt die Medienhaltung der Draufsicht, indem er mir Menschen nahe bringt. Abdelrahman, ein zehnjähriger Junge aus Darfur, seit zwei Tagen mit seiner Familie im Camp und noch ohne Schlafplatz. In Abdelrahmans Schlepptau ein kleines Mädchen, das nicht zu ihnen gehört, die mitgenommen wurde. Woher? Wo sind ihre Eltern? Was ist geschehen? Die Fragen, die sich angesichts des Schicksals des Mädchens türmen, sind ungeheuerlich.

In I’m not animal treten mir Menschen entgegen. Amjad aus Libyen, der sich im Dschungel ein zweistöckiges Haus aus Holzpaletten baute. Das Haus hat mich sprachlos gemacht, denn die Initiative, etwas Dauerhaftes im Temporären konstruieren zu wollen, heißt Hoffnung. Wie die Plastikkirche, die heißt auch Hoffnung. Und dann gibt es noch die Afghanen, die im Lager Läden und Lokale betreiben, Menüs anbieten. Im pakistanischen Späti, kann man Zigaretten für zehn Cent kaufen, der so Arbeitsplätze schafft. Und dann gibt es noch Prostituierte für zehn Euro und einen Flüchtlingsfriedhof auf dem Friedhof, auf denen die Gräber sehr oft keine Namen, sondern Nummern tragen.

Ich wünsche mir für I’m not animal viele Leser und eine große Reichweite. Klar, wie ohne Filter, treten mir in den Beschreibungen gestrandete, hoffende und verzweifelte Menschen entgegen. Die dokumentarische Schreibhaltung ist ein Gewinn, es wird nicht literarisch verbrämt, nicht auf der kunstvoll geschilderten Wiedergabe der beobachteten Szene liegt der Fokus. Und der Autor gibt an mich, die Lesende, einen Teil seiner Bedrängnis ab, ich merke, wie ihm die Luft wegbleibt angesichts Unrechts, dass die Insassen im Lager fest umspannt, ihnen Luft und Leben wegschnürt.

Der Autor: Hammed Khamis, Jg 1981, lebt in Berlin, leitet dort eine Integrationsschule. Als Khamis zum ersten Mal auf You-Tube die Plastikkirche im Dschungel sah, war das sein Antrieb zu einer Fahrt nach Calais. Daraus entstanden Freundschaften, die Organisation von Spenden und es entstand I’m not animal – Die Schande von Calais, 4,99 Euro als EPUB und MOBI, broschiert für 13,00 Euro.